Kulturbehörde

Jüdischer Friedhof in Altona wieder eröffnet

Jüdischer Friedhof in Altona wieder eröffnet

Er ist eines der bedeutendsten jüdischen Kulturdenkmale Nordeuropas: der jüdische Friedhof in Hamburg-Altona. Deshalb strebt der Senat auch an, ihn gemeinsam mit zwei weiteren international bedeutenden jüdischen Begräbnisstätten in den Rang des UNESCO-Weltkulturerbes zu erheben. Jetzt wird er der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust hat am 29. November 2007 das neue Empfangsgebäude (Eduard Duckesz-Haus) des Jüdischen Friedhofs Altona in der Königsstraße eingeweiht.

Unter den Teilnehmern waren Kultursenatorin Karin von Welck sowie Karin Feingold von der Jüdischen Gemeinde Hamburg, Mäzen und Stifter Hermann Reemtsma, Michael Studemund-Halevy vom Institut für die Geschichte der Deutschen Juden und Prof. Dr. Michael Brocke vom Salomon Ludwig Steinheim-Institut Duisburg.

Der Jüdische Friedhof in Altona

Die Einzigartigkeit des seit 1960 unter Denkmalschutz stehenden Friedhofs in der Königsstraße liegt darin, dass sephardische und aschkenasische Gräber in direkter Nachbarschaft zueinander liegen – also die Ruhestätten der einst von der iberischen Halbinsel eingewanderten Juden (Sepharden) und der mittel- und osteuropäischen Juden (Aschkenasim). Ein Teil der stark verwitterten Grabsteine ist in den vergangenen Jahren bereits restauriert und erforscht worden. Die von der Stiftung Denkmalpflege Hamburg beauftragten Wissenschaftler des Salomon Ludwig Steinheim-Instituts haben unter der Leitung von Prof. Michael Brocke bei über 5.000 Grabsteinen des aschkenasischen Teils die hebräischen Texte photografisch erfasst, transkribiert, übersetzt und kommentiert. Die Ergebnisse werden im kommenden Jahr in einer von der Stiftung Denkmalpflege finanzierten Publikation herausgegeben. Das Gesamtprojekt, zu dem auch die Errichtung des Eduard Duckesz-Hauses zählt, wird mit insgesamt 1,3 Millionen Euro unterstützt durch die Hermann Reemtsma Stiftung, die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, die Springer-Stiftung, die Kulturbehörde und die Senatskanzlei.

Der Namensgeber für das neue Empfangsgebäude Eduard Jecheskel Duckesz

Der am 3. August 1868 in Szelepszeny (Ungarn) geborene Rabbiner, Historiker und Genealoge wurde nach dem Studium an der Pressburger Yeshiva 1891 Rabbiner und Lehrer an der Altonaer Klaus, deren Bibliothek er einige Jahre später katalogisierte. Als Beisitzer des Rabbinatsgerichts der Hochdeutschen-Israelitengemeinde in Altona, Mohel, Krankenhausseelsorger, Garnisonsgeistlicher und Oberrabbinatsverweser für Schleswig-Holstein erwarb er sich große Verdienste. Neben seiner Tätigkeit als Rabbiner und Lehrer machte er sich vor allem um die Erforschung jüdischer Grabinschriften und die Genealogie jüdischer Familien der Dreigemeinde AHU (Altona-Hamburg-Wandsbek) verdient. 1939 emigrierte er aus Nazi-Deutschland nach Holland. 1943 wurde er aus dem Internierungslager Westerbork nach Auschwitz deportiert, wo er am 6. März 1944 ermordet wurde.

 

Öffnungszeiten und Führungen auf dem Jüdischen Friedhof Altona

Oktober – März:           

Dienstag, Donnerstag , Sonntag: jeweils 14.00 – 17.00 Uhr

April – September:      

Dienstag und Donnerstag: jeweils 15.00 – 18.00 Uhr, Sonntag: 14.00 – 17.00 Uhr

Weihnachtspause:       

17. Dezember 2007 – 6. Januar 2008

An gesetzlichen und jüdischen Feiertagen ist der Friedhof außerdem geschlossen:

23.03., 20.04., 27.04.,01.05., 11.05.,10.06. 2008

Führungen im ersten Halbjahr 2008:

Jeden Sonntag 12.00 Uhr außer an gesetzlichen und jüdischen Feiertagen (s. o.),

Anmeldungen nicht erforderlich. Kosten: Erwachsene 3 Euro, Kinder umsonst.