Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt

Veddeler Damm - NoKoCo

Altlastensanierung - Veddeler Damm - Hamburg - FHH

Auf dem FHH-eigenen Grundstück betrieben die Norddeutschen Kohlen- und Cokes- Werke (NoKoCo) zwischen 1898 und 1972 eine Kokerei mit Brikettfabrik sowie Gewinnung von Gas und anderen Nebenprodukten. Während dieser Zeit waren Betriebsprodukte (z.B. Teeröl, Pech, aromatische Lösemittel, Gasreinigermasse) durch anlagenbedingte Undichtigkeiten oder unkontrollierte Entsorgung in den Untergrund gelangt. Reststoffe wie Teer/Pech und Ammoniakwasser wurden in offenen Gruben gelagert. Das Werk wurde mehrfach durch Feuer, Kriegseinwirkung und Hochwasser zumindest in Teilen zerstört, wodurch weitere Schadststoffe in den Boden gelangt waren. Die NoKoCo wurde 1974 aufgelöst. Während der Abbrucharbeiten 1972 bis 1974 kam es zu mehreren lokalen Bränden mit Schadstofffreisetzung.

Der Abbruch der Werksanlagen fand hinsichtlich der Schadstoffe unkontrolliert statt. Entgegen der Abbruchgenehmigung waren die Fundamente und Keller nicht entfernt worden. Die Keller wurden genutzt, um kontaminierten Bauschutt und Boden zu "entsorgen". Die Gruben für Teer und Ammoniakwasser wurden nicht entleert, sondern mit Bauschutt und Boden zugeschoben. Das gesamte Gelände wurde anschließend mit einer Schicht sauberen Boden abgedeckt. Nach 1974 wurde ein Teil des Geländes auf ca. + 7,2 m NN aufgehöht und mit Beton und Asphalt befestigt. Die Hamburger Hafen und Lagerhaus Aktiengesellschaft (HHLA) nutzte diesen Bereich bis 1994 als Containerstellplatz. Das restliche Gelände hatte innerhalb eines Hochwasserschutzpolders noch seine ursprüngliche Geländehöhe von + 5,5 m NN und lag brach. Im Rahmen einer großflächigen Umstrukturierung war geplant, das gesamte Gelände um den Südwest- und Indiahafen auf + 7,5 m NN aufzuhöhen und für Verkehrs- und Stellflächen sowie zur Bebauung mit Gebäuden für Logistik-Betriebe zu nutzen. Zwischen 1988 und 1993 wurde das Gelände in drei Phasen untersucht.

vergrößern Ehem. Gaswerk Nokoco

Von der Nutzung und damit auch von der Belastungssituation her konnte das ehemalige Werksgelände in die Teilflächen "Koks und Kohle" sowie "Chemie" unterteilt werden:

Auf der Teilfläche "Kohle und Koks" wurden oberflächennahe, lokal begrenzte Kontaminationen durch Mineralölkohlenwasserstoffe, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), untergeordnet Cyanide und punktuell Naphthalin ermittelt. Die Verunreinigungen waren in der älteren Auffüllung (unterhalb + 5,5 m NN) und konnten ehemaligen Emissionsquellen zugeordnet werden (Öfen, Rohrleitungen, Schrottlager, Kokslager).

Auf der Teilfläche "Chemie" wurden von der ehemaligen Geländeoberfläche bei + 5,5 m NN an bis zur Oberkante der Weichschichten bei ca. + 0,4 m NN flächendeckend Schadstoffen festgestellt. Hochgradige Kontaminationen waren den ehemaligen Produktionsstätten zuzuordnen:

- Teergrube und Klärbecken: PAK bis 103.700 mg/kg TS

- Naphthalinpfannen: Naphthaline bis 454 mg/kg TS

- Benzolfabrik, -wäscher, -behälter: BTEX bis 424 mg/kg TS

- Teergrube, Ammoniakfabrik: Cyanide bis 180 mg/kg TS

- Tankgebäude: MKW bis 11.000 mg/kg TS.

Die Sanierung begann am 1.9.1996 und erfolgte in folgenden Bauabschnitten:

- Auskofferung der ehemaligen Teer- und Ammoniakgrube;

- Auskofferung bis auf + 2,7 m NN und Abbruch der Fundamente;

- Auskoffern bis zur Oberkante der Weichschichten bei + 0,4 m NN und Wiederverfüllen bis auf + 2,7 m NN;

- Abbruch der ehemaligen Teer- und Ammoniakgrube und Wiederverfüllung auf + 2,7 m NN und

- Auffüllung des gesamten Sanierungsbereiches auf seine ursprünglichen Geländehöhen.

vergrößern Nokoco

Aus Gründen des Arbeitsschutzes wurde der Aushubbereich und eine nordwestlich angrenzende Bereitstellungsfläche (beide Schwarzbereich) durch einen Bauzaun eingegrenzt. Fahrzeuge, die in diesem Bereich zum Einsatz kamen, waren mit Aktivkohlefilter ausgerüstet. Der Schwarzbereich war mit Fahrzeugen ausschließlich über eine Zufahrt mit Reifenwaschanlage, für Personen nur über eine Personenschleuse zugänglich. Anfallendes Schmutzwasser aus der Reifenwaschanlage und der Bereitstellungsfläche wurde über einen Schlammfang, einen Leichtflüssigkeitsabscheider und einen Aktivkohlefilter aufbereitet und über ein nahegelegenes Mischwassersiel abgeleitet. 2.001,5 m³ Baugrubenwasser wurden in der Teer- und Ammoniakgrube (in Funktion eines Vorlagebehälters mit Absetzbecken) gesammelt und über Tankwagen zur Sickerwasserreinigungsanlage auf der Deponie Georgswerder transportiert.

Insgesamt wurden 39.435,35 t Material ausgekoffert. Hiervon konnten 9.993,95 t mit Belastungen der Zuordnungswerte gemäß LAGA zwischen Z 0 und Z 1.2 verdichtet wiedereingebaut werden. Das übrige Material wurde über unterschiedliche Verwertungs- und Entsorgungswege beseitigt. Die entstandene Mengendifferenz wurde mit sauberen, verdichtungsfähigen Böden (aus der Bodenwaschanlage TerraCon, von der FHH-Fläche Afrikastraße und weiteren Lieferanten) ausgeglichen. Weiter fielen 72,14 t Öl-Wasser-Suspension, 7,3 t Schrott und 22,72 t Holsreste an, die entsorgt wurden.