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Schule und Berufsbildung

 

Unterricht Schülerinnen und Schüler schreiben eine Klassenarbeit (Bild: dpa)

Schulfrieden

Der Schulfrieden gilt. Die Schulstruktur aus vierjährigen Grundschulen und weiterführenden Stadtteilschulen und Gymnasien steht und wird nicht in Frage gestellt. Der Senat wird einen entsprechenden neuen Schulentwicklungsplan aufstellen.

Qualitätsoffensive für besseren Unterricht

In Abstimmung mit der Schulinspektion, dem Landesinstitut für Lehrerfortbildung, der Schulaufsicht und den Schulen sollen die Schulen dabei unterstützt werden, ein Qualitätsmanagement einzuführen. In diesem Zusammenhang soll das Schulschwänzen eingedämmt, der Unterrichtsausfall verringert und ein kostenloses Nachhilfesystem eingeführt werden. Zur Durchsetzung der Schulpflicht sollen die Jugendrichter wie in Berlin - auch im Hinblick auf die Eltern - zuständig sein.

Mit Hilfe der Schulinspektion und regelmäßigen Lernstandsuntersuchungen soll die Qualität aller Schulen sorgfältig überprüft werden. Des Weiteren soll die Lehreraus‐ und ‐fortbildung überarbeitet und die Teamarbeit von Lehrerinnen und Lehrer gefördert werden. Diese Maßnahmen erstrecken sich auf alle Schulformen.

Flächendeckender Ausbau der Ganztagsschulen in Hamburg

In den kommenden Jahren sollen an vielen Schulen offene und gebundene ganztägige Bildungsangebote von guter Qualität geschaffen werden. Jede Stadtteilschule soll mindestens zur offenen Ganztagsschule entwickelt werden. Die Zahl der Ganztagsgrundschulen soll deutlich erhöht werden. Dies bedeutet im Einzelnen:

  • Allen 25 Stadtteilschulen, die noch nicht ganztägig arbeiten, soll das Angebot unterbreitet werden, sie in Ganztagsschulen umzuwandeln.
  • Von den insgesamt 200 Grundschulen sind zum Schuljahr 2011/12 nach bisherigem Stand 56 Ganztagsschulen nach dem Rahmenkonzept „Ganztagsschulen in Hamburg“.
  • Wir werden die Anzahl der Ganztagsschulen erheblich ausweiten. Schon zum Schuljahr 2011/12 sollen weitere 21 Grundschulen zu Ganztagsschulen entwickelt werden.

Zusammenarbeit von Jugendhilfe, Schule und Kita

Unser Ziel ist es, dass die Jugendhilfe mit Schule und Kita gut zusammenarbeitet. Nur mit professioneller Vielfalt der Jugendhilfe, zu der auch eine lebendige offene Kinder‐ und Jugendarbeit zählt, die sich eng am Sozialraum orientiert, werden wir überall Chancen und Perspektiven für Kinder und Jugendliche eröffnen.

Stadtteilschule zum Erfolg führen

Stadtteilschulen sollen als Ganztagsschulen Orte des Lernens und des Lebens werden. Besonderes Charakteristikum der Stadtteilschule wird das individualisierte Lernen in einer heterogenen Schülerschaft sein. Damit alle Schülerinnen und Schüler die Chance auf einen eigenen erfolgreichen Bildungsweg erhalten, müssen Bildungspläne, Prüfungsordnungen, Notensystem und Unterrichtskonzepte schrittweise angepasst werden.

Ziel ist es, an allen Stadtteilschulen eine Oberstufe anzubieten und den Schülerinnen und Schülern gute Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Abitur mit Anschlussperspektive auf ein Studium oder eine Ausbildung zu garantieren. Schulen in sozial schwierigen Lagen und mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund bedürfen der besonderen personellen und organisatorischen Unterstützung (neben Lehrerinnen und Lehrern aller Lehrämter verstärkt Schulsozialarbeiter, Sonderpädagogen, Sozialpädagogen etc.).

Inklusives Bildungssystem

Zum Schuljahr 2012/13 sollen die verschiedenen Modelle der Integration, wie Integrative Regelklassen, Integrationsklassen, Integrative Förderzentren, sonderpädagogische Förderung gemäß § 12 Schulgesetz, zusammengeführt werden. Angestrebt wird eine Kombination aus systembezogenen (an der Schülerzahl und dem Sozialindex orientierten) Ressourcen und ‐ bei höheren oder speziellen Förderbedarfen ‐ kindbezogenen Ressourcen in Anlehnung an die Modelle der Integrationsklassen und der Integrativen Regelklassen.

Zeitnah sollen in den Schulen notwendige Unterstützungsleistungen (Schulbegleitung, Pflege, Therapie etc.) bereitgestellt werden.

Erfolgreicher Übergang aller Jugendlichen in den Beruf

Unser Ziel ist es, dass alle jungen Erwachsenen in Hamburg entweder das Abitur machen oder eine klassische Berufsausbildung absolvieren.

Der Hauptschulabschluss soll das kulturelle Minimum werden, dass wir jedem vermitteln, der eine Hamburger Schule verlässt. Wir wollen sicherstellen, dass der Hauptschulabschluss auch die Berufsreife bescheinigt.

Wer ihn nicht gemacht hat, soll ihn jederzeit ‐ auch tagsüber ‐ nachholen können. Jeder, der einige Jahre in Hamburg gelebt hat, soll ein Recht darauf haben. Dazu werden wir eine Möglichkeit im Rahmen einer allgemeinbildenden Schule schaffen und streben dabei eine Kostenbeteiligung der Agentur für Arbeit und von team.arbeit.hamburg an. Das Vorhaben soll im Sommer 2012 beginnen.

Der Senat wird für eine flächendeckende Berufsorientierung in den Klassen 8, 9 und 10 der Stadtteilschulen in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Jugendberufsagentur (sieheArbeit und Soziales“) sorgen. Dazu sollen Stadtteilschulen und  Berufsschulen eng kooperieren und ESF‐Mittel für Projekte zum Übergang Schule/Beruf und zur Verringerung der Schulabbrecherquote im Sinne der europäischen Ziele (Strategie Europa 2020) eingesetzt werden.

Berufliche Bildung

Die Berufsbildenden Schulen werden sich zu Kompetenz‐ bzw. Berufsbildungszentren entwickeln. Das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) spielt dabei eine zentrale Rolle. Wir werden dafür sorgen, dass die Gewerkschaften als gleichberechtigte Partner im Kuratorium beteiligt werden.

Jugendberufsagentur

An der Schnittstelle von Schule und Beruf brauchen junge Menschen Unterstützung, um schnell und sicher auf dem Hamburger Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Gemeinsam mit den Initiatoren des Hamburger Hauptschulprojektes, der Arbeitsagentur, der team.arbeit.hamburg, dem Hamburger Institut für Berufsbildung, Kammern und Gewerkschaften werden wir das Konzept einer Jugendberufsagentur ausarbeiten. Es sollen alle schulpflichtigen Jugendlichen, einschließlich der Berufsschulpflichtigen, erfasst und so lange aktiv angesprochen werden, bis sie eine Ausbildung begonnen und abgeschlossen haben. Dabei werden die Erfahrungen und Vorarbeiten des von Dr. Michael Otto initiierten Hauptschulprojektes einbezogen.

Berufsausbildung

Für die vollzeitschulische Ausbildung von Jugendlichen, die eine Ausbildung machen wollen, die im Dualen System nicht angeboten wird (zum Beispiel Alten‐ oder Krankenpflege, Logopädie), werden wir die Ausbildungsplätze bedarfsgerecht ausbauen.

Für Jugendliche, die aufgrund fehlender Kompetenzen, eines fehlenden Hauptschulabschlusses oder aufgrund großer sozialer Schwächen bisher keine Ausbildung machen konnten, wollen wir ein Angebot machen, das sich an der Berufsausbildung orientiert und den schnellen Übergang in eine Ausbildung gewährleistet. Formell oder informell erworbene Qualifikationen sollen stets zertifiziert werden.

Umsetzung des Bildungs‐und Teilhabepakets für hilfsbedürftige Kinder

Auch im Schulbereich werden die Bildungs‐ und Teilhabeleistungen des Hamburger Bildungspakets wie Lernförderung, Mittagessen in Kitas, Schulen und Horten zügig und unbürokratisch bei den Kindern und Familien ankommen. Im Einzelnen bedeutet dies im Schulbereich:

  • Kostenloses Mittagessen für Kinder, die Schulen oder Horte besuchen, an denen regelmäßig warme Mahlzeiten angeboten werden
  • Unbürokratische Verfahren bei der Beschaffung von Schulbedarf
  • Bei Bedarf Lernförderung für Schülerinnen und Schüler
  • Bei Bedarf kostenfreie Schülerbeförderung für Schülerinnen und Schüler
  • Teilnahme an Tagesausflügen, die von den Schulen oder Kitas organisiert werden. Die Kosten für mehrtägige Ausflüge werden wie bisher erstattet
  • Teilnahme an Kultur, Sport und Freizeit für alle Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahre (zum Beispiel durch Erlass von Mitgliedsbeiträgen)

IT‐Unterstützung an Schulen wird weiter ausgebaut

In den Schulen sollen zukünftig Unterricht und Verwaltung noch besser als bislang mit moderner Informationstechnologie (IT) unterstützt werden. Dafür sollen alle Schulen an das schnelle FHH‐Netz angeschlossen werden. Die allgemeinbildenden Schulen sollen intern vernetzt werden, so dass aus jedem Klassen‐ und Fachraum ein gesicherter Breitband‐Zugang zum Internet gewährleistet ist.

Außerdem sollen die Schulen eine moderne bedienerfreundliche Schulverwaltungssoftware erhalten.

Schulbau

Im Zusammenhang mit dem Schulentwicklungsplan werden wir ein „Schulbauprogramm Hamburg“ vorlegen, das verbindliche Aussagen zur Sanierung und zum Neubau von Schulgebäuden enthalten wird. Den Neubau und die Verwaltung der Schulgebäude werden wir im Rahmen des Sondervermögens Schulbau in einem Mieter‐Vermieter‐Modell weiter entwickeln. Die Schulen erhalten entscheidungsbefugte Ansprechpartner in ihrer jeweiligen Region.

Dabei werden wir auch Modelle prüfen, die zu einer Verknüpfung von Schulbau und Stadtteilentwicklung führen. So kann zum Beispiel eine Verknüpfung von Sanierungs‐ und Wohnungsbauvorhaben der SAGA mit denen des Schulbaus und andersherum die Entwicklung und Stabilisierung von Quartieren und Stadtteilen befördern. In vielen Familien spielen die Qualität und Nähe des Schulangebots eine wesentliche Rolle bei der Wohnungssuche.