•  
  •  
  •  
  •  
  • 0 Kommentare

04:57 - Der Krabbenfischer fährt aus

Noch vor Sonnenaufgang ist der Fischer mit seinem Kutter unterwegs in die Fanggründe der Nordsee. Er legt den Gashebel um – und beginnt zu erzählen …

 

Krabbenfischer
(Bild: Samuel Zuder)

04:57 Uhr Es regt sich nur eine Möwe, die unsicher auf der Reling landet. Noch nicht viel los auf dem Kutter SD8 „Rugenort“. Früh um fünf Uhr schiebt sich die zwanzig Jahre alte und 221 Kilowatt starke Dame gemütlich tuckernd mit zwei Knoten durch das Hafenbecken von Büsum auf die offene See. Krabbenfischer Jan Urthel, 44, aus Friedrichskoog steht mit Fischerhemd und Gummipantoffeln am Steuerrad, das Brückenfenster vor ihm ist geöffnet, die kalte Nordsee-Morgenluft weht ihm um die Nase, und sein Gesicht nimmt eine gesunde rote Farbe an. „Die Brise hält wach“, sagt der gemütliche Fischer mit breitem nordischem Akzent und lacht rau auf. Der Himmel färbt sich von Rabenschwarz in Marineblau, während der hochgewachsene, stämmige Mann im fröhlichen Schnack von seiner Arbeit erzählt.

An Deck bereitet sein 16-jähriger Sohn Maurice, der denselben Beruf wie der Vater erlernt, die Netze vor. Damit der Fischer den Fangplatz bei Tagesanbruch erreicht, hat er sich so zeitig auf den Weg gemacht. Schließlich lassen Vater und Sohn die Netze an zwei neun Meter langen Stahlgeschirren ins Wasser und holen drei Stunden später die berühmte Nordseekrabbe an Deck, wo sie sofort sortiert und in einem 200 Liter fassenden Kessel gekocht wird, damit sie schön frisch bleibt. Jan Urthel ist einer der wenigen Fischer, die das ganze Jahr über auf See fahren, nicht nur zur Hauptsaison. Insgesamt gibt es noch etwa 220 andere Krabbenkutter, die unter deutscher Flagge fahren und das Traditionsgewerbe selbstständig betreiben.

Jan Urthel ist seit dreißig Jahren dabei, sein Vater und sein Großvater waren auch Krabbenfischer. Fünf Tage die Woche fährt er raus und fischt in den Gebieten von Holland bis Dänemark, je nach Jahreszeit. Mit zwei, drei Tonnen Krabben im Schiffsbauch kehrt er zurück. Den Großteil der Ladung verkauft er an ein Unternehmen in Büsum, das die Krabben zur Verarbeitung weiterverschickt. Einen Teil der Ladung nimmt der Fischer mit nach Friedrichskoog, wo seine Familie einen Fischladen mit Bistro betreibt. Und auch nach fünf Tagen an Bord und Krabben über Krabben geht dem Fischer nichts über die Spezialität des Hauses: die hausgemachte Krabbenfrikadelle.

Zeitleiste
04:57 Uhr - Der Krabbenfischer fährt aus
< 02:00 Uhr - In der Flugzeugwerkstatt 05:59 Uhr - Auf der Containerbrücke >

 
 
 
Artikel bewerten:
 
 
trackback-icon Trackback URI für diesen Artikel
einblendenausblenden 0 Kommentare
Kommentare werden geladen...