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05:59 - Auf der Containerbrücke

Julia Graßl ist Containerbrückenfahrerin. Eine Bewegung ihres Fingers, und tonnenschwere Stahlboxen lernen fliegen

 

Cotainerbrücke
(Bild: Samuel Zuder)

05:59 Uhr „Im Winter wie im Sommer beginnt meine Schicht hier frühmorgens. Hier, das ist vierzig Meter über dem Boden, auf dem Containerterminal der HHLA in Hamburg-Altenwerder. Ich arbeite in einer Kabine aus Glas auf der Containerbrücke und bewege ein Gerät, das wir Katze nennen. Die Katze hängt unter mir, und ich nehme damit die mächtigen Container hoch, verlade sie in Schiffe oder von dort an Land.

Für meine Arbeit ist wichtig, dass ich dreidimensional und scharf sehen kann. Weil man extrem vorsichtig sein muss – die Stahlboxen hängen ja an Drahtseilen, und bis in den Laderaum hinunter sind es manchmal achtzig Meter. Außerdem schwanken die Container, wir haben ja sehr viel Wind hier in Hamburg, und auch die Schiffe schaukeln auf dem Wasser, vor allem die kleineren.

Ich bin gelernte Offsetdruckerin und habe lange am Flughafen gearbeitet. Dort hat mich immer gestört, dass ich nicht an der frischen Luft war. Dann hat mein Nachbar erzählt, dass am Hafen Frauen gesucht werden. Ich habe mich sofort übers Internet beworben – und wurde eingeladen. Aus dem Vorstellungsgespräch bin ich mit dem Gefühl hinausgegangen: In dieser Firma könntest du alt werden. Jetzt bin ich die erste Brückenfahrerin am ,Container Terminal Altenwerder‘ und bis heute die einzige.

Mein Job ist Teamarbeit: Unten an Deck spricht jemand über das Funkgerät mit mir und dirigiert mich, wenn ich aufsetze, weil die Container an ganz bestimmten Stellen abgeladen werden müssen. Dort werden sie miteinander verhakt, damit sie die Fahrt nach Übersee heil überstehen. Jeder dritte Container geht übrigens nach China, habe ich das schon gesagt? Ich weiß nicht, ob man sich das so richtig vorstellen kann, aber meine Arbeit ist ziemlich anstrengend. Man muss sich hundertprozentig konzentrieren. Darum sind die Schichten auch immer in zwei Teile geteilt: Nach vier Stunden mache ich Pause und gehe danach vier Stunden an Deck. Dort dirigiere ich wiederum den Brückenfahrer über mir.

Aber die Arbeit in der Kanzel gefällt mir am besten: die Kraft, die in so einem Gerät steckt, die Tonnen, die man da transportiert, und, ja, die Verantwortung – es laufen auch Men-schen da unten herum. Obwohl natürlich vieles hier bei uns im Hafen rein automatisch funktioniert. Da gibt es Transportfahrzeuge, die holen und bringen die Container. Ganz ohne Fahrer, sie werden vollständig über Computer bewegt. Aber das Ausbalancieren der Container, das können nur wir Profis. Dafür braucht man noch die Fähigkeiten der Menschen.

Meine Kollegen sind Männer, der Ton ist direkt, ehrlich, zünftige Sprüche fliegen hin und her. Ich finde das klasse. Wenn ich Frühschicht habe, stehe ich so gegen 4 Uhr 20 auf, damit ich in aller Ruhe zur Arbeit kommen kann. Um diese Zeit ist die Autobahn vollkommen leer. Und dann der Moment, der mich jeden Morgen wieder beeindruckt: in der Kanzel auf der Brücke zu sitzen, den Hafen zu Füßen.“

06:00 Uhr - 07: 00 Uhr
06:00 Uhr Die erste Maschine des Tages fliegt von Hamburg nach Nürnberg. 06:15 Uhr Schiffe auf der ganzen Welt empfangen die Daten des Deutschen Seewetterdienstes aus Hamburg. 06:30 Uhr Simone Young, Chefin der Hamburgischen Staatsoper, steht früh auf, um in Ruhe die Tageszeitung zu lesen. 06:35 Uhr Tunnelaufseher Stefan Meier schickt das nächste Auto per Knopfdruck hinab zum Alten Elbtunnel. 24 Meter tiefer öffnet sich der Aufzugkäfig wieder. Zwei Tunnelröhren verbinden die St.-Pauli-Landungsbrücken mit Steinwerder im Süden der Elbe. 07:00 Uhr Musiker James Last zieht die Turnschuhe an und geht walken.
 
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05:59 Uhr - Auf der Containerbrücke
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