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10:08 - Morgenkonferenz bei der ZEIT

Giovanni di Lorenzo ist Chefredakteur der wichtigsten Wochenzeitung im Land. Und: Er hat es sehr eilig. Denn gleich wird er mit seinen Kollegen die Themen für nächste Woche besprechen. Wir hätten vorher ein paar Fragen …

 

Di Lorenzo
(Bild: SZ Photo / Hess, Catherina)

Im Umkreis von einem Kilometer sitzen in Hamburg DieZeit, Spiegel und Stern. Sie alle beraten morgens über ihren jeweils nächsten Titel. Wie funktioniert so eine Konferenz?

Giovanni di Lorenzo: Wir bei der Zeit fangen am Erscheinungstag, also Donnerstag, an, die nächste Ausgabe zu planen. Größere Reportagen und Dossiers sind Wochen in Arbeit, auch die Titelthemen sind häufig Monate im Voraus geplant. Die Aktualität kommt hinzu, am Freitag reden wir über die Leitartikel, meistens – zu unserer Freude – mit Helmut Schmidt. Am Montag treffen wir die letzten Entscheidungen, oft bauen wir auch noch einiges um.

Als Bild vor drei Jahren von Hamburg nach Berlin zog, war ein Argument, die Zeitung müsse da entstehen, wo die Regierung ist. Gilt das für Sie nicht?

Nein, die Zeit hat sich sehr bewusst für Hamburg entschieden, und das hat dem Blatt gut getan. Man war hier immer der Überzeugung, dass Distanz hilft – im buchstäblichen und auch im übertragenen Sinn. Trotzdem ist Berlin für Journalisten heute eine sehr attraktive Stadt.

Andere verlieren Auflage, bei der Zeit steigen die Zahlen. Haben Sie ein Geheimrezept?

Es gibt viele Ursachen. Wir haben uns von Prognosen nicht irremachen lassen: Menschen wollen keine langen Texte, Leitartikel sind altmodisch, die Wochenzeitung ist eine aussterbende Art, das Internet macht sowieso alles platt. Wir haben all das vernommen und beobachtet, uns aber nicht verrückt gemacht – und nebenbei das Blatt gründlich modernisiert. 

In Hamburg streiten sich mittlerweile auch Hunderte Onlinejournalisten um Klicks. Ist das nicht die Zukunft?

Ich sehe, dass Spiegel Online ein meinungsbildendes Medium geworden ist, alle Kollegen lesen es. Auch Zeit Online wird immer stärker wahrgenommen.

Warum ist Hamburg ein so erfolgreicher Medienstandort?

In den Fünfzigern wirkten hier Gerd Bucerius, Henri Nannen, Rudolf Augstein und Axel Springer: eine erstaunliche Ansammlung von verlegerischem Format. Aber es war mehr als ein historischer Zufall. Man hatte erkannt, dass die Abgeschlossenheit Berlins und die provinzielle Enge Bonns nicht geeignet waren. Hamburg war wirklich das „Tor zu Welt“, mit seiner Offenheit und Liberalität. Wenn ich Hamburg heute mit Berlin vergleiche: Nun ja, die frische Seeluft hier begünstigt womöglich die Kreativität.

GIOVANNI DI LORENZO, 51, ist einer der einflussreichsten deutschen Journalisten. Seit sechs Jahren ist er Chefredakteur der in Hamburg erscheinenden Wochenzeitung „DieZeit“, außerdem moderiert er die von Radio Bremen produzierte Fernseh-Talkshow „3 nach 9“.

Zeitleiste
10:08 Uhr - Morgenkonferenz bei der Zeit
< 08:07 Uhr - Laufen um die Alster 12:02 Uhr - Mittagspause in Hamburg >

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