•  
  •  
  •  
  •  
  • 0 Kommentare

17:03 - Proben für das Musical Tarzan

Noch zwei Stunden: Die Illusionsmaschine Musical fährt hoch, und die große Verwandlung beginnt. Aus durchtrainierten Tänzern und Sängern werden Dschungelwesen. Und aus einer Bühne ein Guckkasten in eine Märchenwelt aus einer anderen Zeit

 

Tarzan
(Bild: Samuel Zuder)

17:03 Uhr Schneckeln, das klingt lustig und ein bisschen zweideutig, steht aber einfach nur am Anfang und am Ende von allem. Acht Vorstellungen pro Woche – das bedeutet achtmal Schneckeln und Entschneckeln für jeden. Die kräftigen Haare der Tänzerin und Sängerin Aisha Ruof, 27, eignen sich ideal für die Prozedur, bei der einzelne Büschel eingerollt und festgesteckt werden. Das ergibt eine elastische Unterlage für die Perücke. Zwei Assistenten machen sich gleichzeitig über Aishas Kopf her, im Nu ist alles geschneckelt. Das Überziehen der maßgefertigten und handgeknüpften Perücke – raffiniert ausgepolstert, für die steile Gorillastirn – geht mit geübten Griffen und Zupfereien. Als Aisha dann aufsteht, nimmt sie wie von selbst eine leicht gebückte Haltung und die runden, geschmeidig-kraftvollen Bewegungen an, die sie den Abend über behalten wird. Ein prächtiges Affenweibchen, das jetzt rasch zur Sippe muss. In dreißig Minuten beginnt die Show, der Einlass öffnet gerade, die ersten der knapp 1900 Besucher streben in den steilen, halbrunden Zuschauerraum. Sie sollten Phil Collins mögen, der auch schon die Musik für Disneys Film geschrieben hat, und sie sollten sich selbst ein wenig aufwärmen in Rumpf und Schultergürtel, um ja nichts zu verpassen. Denn Tarzan als Musical bietet mehr 3-D als Avatar, sogar ohne die lästigen Brillen. Eine Stunde vorher sind alle Beteiligten da, rund achtzig Menschen bringen den Dschungel zum Klingen und Schwingen, darunter 22 Darsteller, 13 Bühnentechniker, 18 Orchestermusiker, acht Beleuchter, fünf „Dresser“ (die beim Umziehen helfen) und fünf Maskenbildner. Während die Besucher vielleicht gerade schlendernd ihr Hotel verlassen, noch im Auto südlich der Elbbrücken oder im Zug aus Lübeck sitzen, läuft im Theater Neue Flora am Bahnhof Holstenstraße eine auf die Minute geplante Vor-Choreografie an, in der präpariert, geprüft und getestet wird, gesungen, getanzt und gesprochen. Nicht hektisch, aber sehr konzentriert und mit steigender Intensität. Ein präzises Uhrwerk, das sich Musical nennt.

Aisha ist heute, neben zwei Tanzrollen, auch „Dance Captain“, also für Einstimmung und Koordination des Ensembles verantwortlich. Ihr Aufwärmprogramm könnte in eine Aerobic- oder Ballettschule passen, so wird die Bauch- und Rumpfmuskulatur gedehnt. Als die anderen zum Umziehen gehen, kommen die Hauptdarsteller zum „Fight Call“, dem Durchspielen der Kampfszenen, das vor keiner Vorstellung fehlen darf. „Vorsicht, fliegende Messer“, warnt ein Schild an der Tür zur Probebühne; das ist vielleicht eine Spur zu angeberisch, denn es handelt sich nur um eines, das auch nur einmal fliegt, dafür aber im hohen Bogen. Bösewicht Clayton lässt dazu ein maliziöses Grinsen um die Mundwinkel spielen.

Wer um 18 Uhr durch all die Wände, Böden, Gerüste und Kulissen sehen könnte, dem würde sich ein wuseliger, doch höchst konzentrierter Kosmos eröffnen, der unfehlbar auf sein Ziel zusteuert. Beginnend im Keller, wo das Orchester sitzt und sich unter anderem ein Schlagzeuger und zwei Perkussionisten die Handgelenke lockern. Am anderen Ende, oben in den Kulissen, überprüfen fünf „Kletterer“ die Seile und Sitzgurte, das technische Herzstück der Show mit ihren 300 „Flügen“. Irgendwo dazwischen werden Kostüme aufgebügelt, Dekorationen ausgebessert, Licht und Sound justiert. Die Tänzer befinden sich in verschiedenen Stadien der Verwandlung zu Affen oder Dschungelpflanzen – und, obwohl noch im März schon die laufende Tarzan-Nummer 600 überschritten wird, in verschiedenen Stadien der Aufregung.

Zurück zur frisch geschneckelten und kostümierten Aisha, die ihre Tänzer noch einmal versammelt, um Positionen und Korrekturen abzustimmen. Routine? „Die Frage stellt sich überhaupt nicht“, meint Aisha, „man muss jederzeit in der Lage sein zu reagieren, wenn es einmal Abweichungen im Geschehen geben sollte.“ Einige der Tänzer kommen von der Zirkusschule, andere von der Capoeira – einem brasilianischen Kampf- und Tanzsport –, und man versteht auch bald, warum. Um genau 18.30 Uhr geht ein unterdrückter Schreckensschrei durch den Zuschauerraum, denn um diese  Zeit beginnt die Show wochentags. Aisha Ruof löst sich aus dem Kreis, den die Darsteller hinter der Bühne noch einmal gebildet haben, und klettert auf ihre Position. Ihr Auftritt, um 18.34 Uhr, löst den zweiten Schrei im Publikum aus, der klingt allerdings schon mehr nach Entzücken. Und das ist es, was Aisha hören will.

17:02 Uhr - 17: 12 Uhr
17:02 Uhr Ernie und Bert haben die zweite Durchlauf-probe für einen Sesamstraße-Sketch. Es gibt Kekse, und wie immer wird viel gelacht. Seit 1973 wird die Sesamstraße vom Norddeutschen Rundfunk bei Studio Hamburg produziert – bisher mehr als 2500 Folgen. 17:09 Uhr Klappe 12/2, die Dritte!Schauspieler Jan Fedder kommt durch die Tür, es ist Drehtag für die Fernsehserie Großstadtrevier. 17:12 Uhr Kapitän Andreas Ewald legt mit der FCS „Alsterwasser“ am Jungfernstieg ab. Kein Rauch, kein Ruß kommt aus dem Schornstein, stattdessen entweicht aus dem sogenannten Zero Emission Ship – dank eines Brennstoffzellenantriebs – nichts als reiner Wasserdampf.
 
Zeitleiste
17:03 Uhr - Proben für das Musical Tarzan
< 15:00 Uhr - Kunst und Widerstand 17:32 Uhr - Tierische Rasenmäher >
 

Mehr zum Thema

 

Tickets / Stage.de

Tarzan Tickets

Bestellen Sie hier Ihre Karten für Disneys Musical 
Tarzan in Hamburg.
»

 

 
Tarzan 2 / Stage.de

Bildergalerie

Gewinnen Sie einen ersten Eindruck mit Bildern vom Musical Tarzan. »

 

Hotelzimmer Kissen / hh.de

Pauschale: Tarzan

Sparangebot: Musicalticket, Hotelübernachtung, Reiseführer uvm. ab 164,- »

 
 
 
Artikel bewerten:
 
 
trackback-icon Trackback URI für diesen Artikel
einblendenausblenden 0 Kommentare
Kommentare werden geladen...