02:00 - In der Flugzeugwerkstatt
02:00 Uhr Achtung, Patient rollt ein! Mehr als achtzig Tonnen schwer, 45 Meter lang, 12 Meter hoch. Eine ruhige Nacht wird es nun nicht mehr werden, dafür ist die Liste mit den Macken und Mängeln einfach zu lang. Doch Christian Lorenz, blaue Hose, blaue Jacke und Lesebrille, stört das nicht. Im Gegenteil. „Das ist ja das Schöne an diesem Beruf: Jeder Tag ist anders.“ Eigentlich müsste man sagen: Jede Nacht ist anders.
Er nippt an seiner Tasse Kaffee, greift zum Klemmbrett mit den Papieren und läuft los, zu seinem Patienten für die frühen Morgenstunden: einem Airbus A321. In dreißig Jahren hat der heute 47-Jährige schon alles repariert, nichts kann ihn mehr überraschen. Wie jeder seiner Kollegen von der Lufthansa Technik in Hamburg sorgt der Mechaniker dafür, dass es keine bösen Überraschungen gibt, wenn das Flugzeug abhebt, hoch und höher steigt, schwebt, wieder landet. Akribisch kontrolliert er die Maschinen, ihre Trieb- und Fahrwerke, ihre Außenhaut, Cockpit und Computer – mit Minikamera, Taschenlampe und geschultem Blick. Hat der Blitzschlag die Oberfläche der Flügel beschädigt? Wie groß sind die Dellen, die das forsche Bodenpersonal wieder mal in die Außenhaut gerammt hat, als die Treppe herangeschoben wurde? Sind die Triebwerke auch von sämtlichen Resten zerfetzter Vögel befreit?
Bei jeder Maschine sieht Lorenz ganz genau hin. Ehrensache. Die Katastrophe wäre: technisches Versagen nach dem Take-off. Denn in der Luft, Tausende Kilometer über Straßen und Autobahnen, gibt es keinen Randstreifen, keinen Allgemeinen Deutschen Flugzeug Club, der seine gelben Engel schickt. In diesem Geschäft können die Engel nur am Boden schrauben.
Wenige hundert Meter von den Rollfeldern des Hamburger Flughafens entfernt befinden sich die Wartungshallen der Lufthansa Technik. Hinter den Toren können bis zu vier Maschinen gleichzeitig nebeneinanderstehen – die Techniker jeder Nachtschicht kümmern sich um bis zu 16 Flugzeuge. An 365 Tagen im Jahr. Und nicht nur die Lufthansa, auch andere Airlines lassen hier ihre Airbusse oder die Boeings checken: „Nightstop“.
Kaum steht die Maschine still, zieht Lorenz eine der rollbaren Metalltreppen heran und steigt hinauf ins Cockpit. Durch verschiedene technische Daten, die der Pilot bereits während des Flugs gesendet hat, weiß Lorenz zwar schon, was in dieser Nacht auf ihn zukommt. Doch er will auch die Bücher sehen, eins blau, eins rosa: Im Bordbuch der Piloten geht es um einen leichten Leistungsnachlass des rechten Triebwerks, ein dauerhaft beschlagenes Fenster in der vorderen Tür, nicht mehr ausreichendes Hydrauliköl; im Kabinenbuch der Stewardessen um eine defekte Kaffeemaschine, den „Besetzt“-Schalter einer Toilette und eine ständig pfeifende Vordertür.
Drei Stunden hat Lorenz, dann soll das Flugzeug wieder startklar sein. Da muss er Prioritäten setzen: „Wir kümmern uns jetzt erst einmal um das Triebwerk. Die Kaffeemaschine kommt später.“
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