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Am Puls der Zeit

Jede Stadt hat ihr spezielles Tempo. Und diesem Rhythmus entspricht die Stadtplanung. Darum gibt es Menschen, die Geschwindigkeit erforschen. So wie Dieter Läpple, Professor für Stadt- und Regionalökonomie, der sagt: Hamburg macht mobil

 

Am Puls der Zeit
(Bild: Dirk Schmidt)

Herr Läpple, ist Hamburg eine schnelle Stadt?

Hamburg hatte schon immer Inseln wie den Hafen, die Medien und die Werbeagenturen. Dort sind die Beschäftigten einem großen Zeitdruck ausgesetzt und arbeiten häufig rund um die Uhr. Allerdings glaube ich nicht, dass „schnell“ oder „langsam“ die richtigen Begriffe sind, um eine Stadt heute zu charakterisieren.

Ach. Ich dachte, Sie beschäf--ti-gen sich mit dem Tempo von Städten.

Auch. Aber was heißt denn Tempo? Wir verstehen darunter doch vor allemdie Geschwindigkeit der Raumüberwindung, die bisher durch das Auto dominiert wird. Prägend für diese Form städtischer Mobilität war die Trennung von Wohnorten und Arbeitsorten. Aber diese Trennung entspricht nicht mehr den Anforderungen einer Ökonomie, die weniger auf schwerer Arbeit als auf Wissen basiert, etwa auf Webdesign anstelle eines klassischen Fabrikarbeiterberufs. In der modernen Stadt lösen sich die Grenzen zwischen Arbeitswelt und Lebenswelt zunehmend auf. Es geht daher nicht um das hohe Tempo selber, sondern um die Vielfalt der angebotenen Gelegenheiten und darum, dass sie möglichst ohne zeitliche Beschränkungen zugänglich sind. 

Damit man 24 Stunden lang die Gelegenheit hat zu arbeiten, sich zu erholen, einzukaufen, zu feiern und sich hin und her zu bewegen, weil Busse und Bahnen durchgehend fahren?

Ja. Nehmen Sie Orte wie die Schanze oder St. Georg und demnächst auch die HafenCity. Das sind zunehmend Orte der wissensbasierten Dienstleistungen, die sich auf eine Internetinfrastruktur stützen. Wireless LAN ist dort eher die Regel als die Ausnahme. Man kann arbeiten und gleichzeitig in einem Café sitzen, aber auch in einem Büro arbeiten und kurz zum Kaffeetrinken gehen, ohne auf Onlinezugang verzichten zu müssen. Es gibt Büros mit integriertem Kindergarten, nach Feierabend kann man im Viertel bleiben und essen oder ein Bier trinken. Die Grenzen zwischen Frei--zeit und Arbeit verschwimmen.

Was hat das denn jetzt mit Zeit zu tun? ?

In diesen Quartieren wird nicht mehr nach einem festen Zeitschema gearbeitet – die Projektarbeit bestimmt weitgehend die Arbeitszeit. Das sehen Sie ja an sich selbst.

Ich verstehe nicht …

Wir unterhalten uns, es ist Samstag. Ihr Ziel ist nicht, eine feste Ar-beitszeit einzuhalten, sondern ein Projekt, das Interview, fertigzustellen.

Warum ist es denn wichtig, so etwas zu erforschen?

Damit man weiß, wie die Stadtplanung sich ändern muss. Die neuen Zeitrhythmen erfordern auch andere städtebauliche Strukturen und soziale Infrastrukturen wie etwa Ganztagsschulen, damit Berufs- und Familienleben besser vereinbar sind. So sind die vorindustriellen Stadtquartiere mit ihrer hohen Nutzungsmischung heute wieder gefragte Lebens- und Arbeitsräume. Dort sind in den letzten Jahren vielfältige Angebote für verschiedene individuelle Zeiteinteilungen entstanden. Die Grundfrage ist jedoch: Welche Anforderungen stelle ich an die Stadt insgesamt?

Und zwar?

Letztlich muss eine gute Stadt eine vielfältige Stadt sein, mit Angeboten für sehr unterschiedliche Arbeitsformen und -zeiten. Und natürlich auch für unterschiedliche Einkommen. Letztlich geht es nicht um Quantitäten, sondern um Qualitäten, also nicht um Tempo, sondern um Vielfalt und Nachhaltigkeit.

In welcher Stadt leben Sie denn am liebsten?

In einer vielfältigen Stadt mit unterschiedlichen Menschen und hoher Nutzungsmischung. Ich habe – vor Hamburg – in Amsterdam, Paris und New York gelebt, immer in innerstädtischen Quartieren.

 
 
 
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