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Auf der anderen Seite

Unsere Stadt ist einzigartig. Dennoch hat die Welt 28 weitere Hamburgs zu bieten. Was bewegt die Hamburger in Südafrika? Ein Anruf bei Bongani Ntontela, 40, Bürgermeister von „Hambeck“, wie er sagt.

 

Hamburg in Südafrika / Hamburg: Das Magazin der Metropole
(Bild: Fotos: www.malzkornfoto.de, Paul Schirnhofer / Agentur Focus; Collage: Victoria Keller)

Herr Ntontela, wussten Sie, dass wir tatsächlich dieselbe Ortsvorwahl haben?

Nein, aber das gefällt mir.

Das ist sicher nicht die einzige Gemeinsamkeit. Wie sieht’s bei Ihnen aus?

Hamburg liegt am Eastern Cape, zwischen Port Alfred und East London. Es ist sehr klein. Gerade mal 400 Einwohner, die meisten davon Schwarze. Viele Weiße kommen nur am Wochenende. Es gibt sogar ein Reetdach-Haus!

Wenn das nicht sehr hanseatisch ist!

Nicht wahr? Nach Hamburg fahren Sie von Peddie, der nächsten Stadt im Landesinnern, 15 Kilometer auf einer Schotterstraße Richtung Küste. Hinter dem Ortsschild kommt der „General Dealer“, ein Laden, der verkauft
„I love Hamburg“-Shirts. Dienstag und Donnerstag wird die Post gebracht. Es gibt eine Highschool, einen Pub, einen Wohnwagenstellplatz, ein Hostel. Und endlosen Strand. Wenn’s stressig wird,
ziehe ich mich dahin zurück und schaue auf den Indischen Ozean.

Waren Sie schon in Hamburg, Germany?

Nein. Hamburg ist riesig und liegt am Meer, richtig?

Nicht ganz. Das Meer ist eine gute Autostunde entfernt.

Ach. Ich stelle mir vor: viele Menschen auf der Straße, viel Hektik. Wie spät ist es jetzt bei Ihnen?

Genauso spät wie bei Ihnen. Wir leben in derselben Zeitzone.

Sehen Sie, Madam, auch das wusste ich gar nicht.

Im Internet ist zu lesen, dass Ihr Hamburg ein Touristenzentrum ist und bekannt für seine Austernfischerei.

Das war einmal … Hamburg wurde 1857 von deutschen Siedlern, von Fremdenlegionären, gegründet.

Gibt es noch Einwohner mit deutschen Vorfahren?

Nein. Die meisten Siedler sind damals wieder geflohen, weil ihnen das Leben zu beschwerlich war. Hamburg ist sehr ländlich. Die Menschen wohnen hier noch in den traditionellen Rundhütten, haben ein bisschen Vieh oder leben von dem, was der Fluss hergibt. Fast jeder hier hat ein Boot. Allerdings haben wir ein Problem mit illegaler Fischerei.

Oh.

In den Siebzigerjahren war Hamburg ein Touristenziel und ein Mekka für Angler. Während der Apartheid wurde es sogenanntes Homeland – Wei-ße wurden vertrieben, da-mit brach der Tourismus zusammen. Wir möchten das in Zukunft wie-derbeleben.

Sie wollen aber doch keine Hotelkomplexe errichten, um Touristen anzuziehen?

Nein, aber wir versuchen, auf uns aufmerksam zu machen. Zum Beispiel mit unserem jährlichen Hamburg Beach Festival. Da treten DJs aus der Umgebung auf, eine Hamburgerin hat einen Stand mit selbst gemachter Schokolade und frittiertem Fisch aus dem Fluss. Und es wird Umqombothi ausgeschenkt – selbst gebrautes Bier. Schon probiert?

Nein, leider nicht.

Ziemlich starkes Zeug. Wir planen auch eine Künstlerkolonie in Hamburg: Wir wollen Künstler aus aller Welt hierherholen, die bei uns arbeiten können: schreiben, komponieren, malen.

Dann wäre es ja schön, wenn Hamburger Künstler bald nach Hamburg, Südafrika, kämen …

Unbedingt! Ich würde mir eine engere Partnerschaft mit der deutschen Stadt sehr wünschen. Wir würden so gern mal zu Ihnen kommen und uns anschauen, wie wirtschaftliche Entwicklung funktioniert und wie Sie Touristen in Ihre Stadt holen.

Und was könnten wir von Ihnen lernen?

Ubuntu, Menschlichkeit. Wir sind offen zu Menschen, die wir nicht kennen. Kommen Sie, dann mache ich Sie zur Botschafterin für die neue Hamburg-Städtepartnerschaft.

 
 
 
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