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China: Die Kinder der „Apollon“

von Jakob Vicari

Seit mehr als 300 Jahren treiben Hamburger und Chinesen miteinander Handel und vertrauen dabei auf ein altes Geschäftsmodell aus dem Reich der Mitte.

 

China
Chinesen wie Li Kou-Vesper, Xiaoyan Tong und Huiwen Zhang-Dirks (von links) ihre Netzwerke trotz Krise erfolgreich in der Hansestadt. (Bild: Victoria Keller/Heiko Seibel)

Der Hamburger Hafen ist der größte Umschlagplatz für chinesische Güter in Europa. Darum knüpfen Chinesen wie Li Kou-Vesper, Xiaoyan Tong und Huiwen Zhang-Dirks (von links) ihre Netzwerke trotz Krise erfolgreich in der Hansestadt. „Kaffee – schwarz, bitte“, bestellt Li Kou-Vesper, 46, die von sich sagt, sie sei Hamburgerin und Chinesin. Neben ihr sitzt Huiwen Zhang-Dirks, 43, und nippt an ihrem Latte macchiato. Die Freundinnen haben sich im jüdischen „Café Leonar“ im Grindelhof getroffen, um von ihrer Idee zu erzählen: Sie wollen chinesische Geschäftsfrauen in Hamburg vernetzen, auf chinesische Art.

Tische aus dunklem Holz, schlichte, helle Wände, grüne Vorhänge: Das Kaffeehaus ist der Gegenentwurf zu einem China-Restaurant. „In den ersten Jahren in Deutschland habe ich mich von anderen Chinesen ferngehalten“, sagt Kou-Vesper, „ich wollte die Sprache lernen, die Stadt entdecken.“ Aber den Frauen fehlte etwas – das merkten sie, als sie sich vor einem Jahr begegneten: Guanxi. So nennen Chinesen die Kunst des Netzwerkens, von der in China jede Entscheidung und fast jedes Geschäft beeinflusst wird. Guanxi, das ist viel mehr als ein oberflächliches Netzwerken in Online-Netzen oder auf Empfängen. Es ist ein Vertrauensverhältnis, das über lange Zeit aufgebaut wird zwischen Menschen. Guanxi, das ist eine Art soziale Investition. Es gleicht dem hanseatischen Kaufmannsehrenwort. So haben die beiden Geschäftsfrauen ein Forum gegründet, das „Chinese Professional Women Forum“. Sie wollen einander helfen, privat und beruflich.

 

Gute Partner: Hamburg und China

chinesische Tänzerin / unbekannt
Hamburg und China pflegen traditionell eine enge Beziehung im Bereich der Schifffahrt und des Handels. »
 Auch wenn Hamburg und China Tausende Kilometer trennen – Chinesen und Hanseaten wird eine ähnliche Mentalität nachgesagt: Sei seien weltoffen, urban, im ersten Umgang reserviert. 1731 legte das erste direkt aus China kommende Schiff im Hamburger Hafen an, die unter preußischer Flagge segelnde „Apollon“. Anfangs waren es Schiffe mit Tee, Seide, Porzellan und Gewürzen, die zwischen Hamburg und China pendelten. Heute gibt es kaum ein Gut, das nicht per Container auf die Reise geschickt wird – vom Computer bis zum Bleistift. Der Hafen ist der größte Umschlagplatz für chinesische Güter in Europa. Jeder dritte der jährlich rund acht Millionen Container hier wird nach China verschifft oder kommt von dort. Und obwohl es in Hamburg keine klassische Chinatown gibt, wächst chinesisches Leben an der Elbe: Offiziell leben an die 4000 Chinesen in der Stadt, vermutlich sind es viermal so viele. Es gibt eine Chinesisch-Deutsche Gesellschaft, eine Hamburger China-Gesellschaft, eine chinesische Schule, den Asia-Riesensupermarkt Vinh-Loi. Mehr als 80 Institutionen kümmern sich um die Verbindung zwischen Hamburg und China. Kein Wunder, dass die Chinesen die Stadt „Hanbao“ nennen: Burg der Chinesen.

Huiwen Zhang-Dirks, eine der Netzwerkerinnen, war bei einer Werbeagentur, ehe sie sich mit ihrer Firma HanseSinoContact selbstständig machte. Sie vermittelt zwischen deutschen Unternehmen und der chinesischen Wirtschaftspresse. Ihre Freundin Kou-Vesper kam vor 22 Jahren als Au-pair, die Zugfahrt dauerte acht Tage. „Das erste Jahr war hart, aber lehrreich.“ Im September 2010 wird sie die besten chinesischen Modedesigner an die Elbe holen, zur dritten „China Time“, einer vierzehn Tage dauernden Veranstaltungsreihe. Seit einem halben Jahr lädt auch der Hamburger Geschäftsmann Dirk Mussenbrook jeden Monat zu einem „China-Hamburg Business Lunch“. Ein Immobilienmakler sitzt neben einer Kunststoffhändlerin neben einer Energie-Expertin neben einer Dolmetscherin neben dem Berater Xiaoyan Tong, der sagt: „Wir kommen wieder.“ Perfektes Guanxi.


China Connection in Hamburg

 

Shanghai

Partnerstadt Shanghai We are friends / Thomas Füsser
Hamburg wird oft als Chinas Tor nach Europa bezeichnet – eine Funktion, die die Hansestadt insbesondere für ihre seit 1986 bestehende Partnerstadt erfüllt. »
Seit 2004 findet in der Hansestadt alle zwei Jahre die hochrangige Wirtschaftskonferenz „Hamburg Summit“ statt, ins Leben gerufen von der Handelskammer Hamburg. Ziel ist es, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und der EU weiterhin zu stärken. Neben den Unternehmern werden auch Wissenschaftler und Politiker eingeladen. Die Konferenz 2010 wird sich vor allem mit den Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise befassen.

expo 2010 in shanghai
Für die Weltausstellung 2010, die von Mai bis Oktober in Hamburgs Partnerstadt Shanghai stattfindet, baut die Hansestadt ein vierstöckiges Wohn/Bürogebäude, das auch nach der Expo genutzt werden soll. Das Hamburg House wird extrem wenig Energie verbrauchen und neue Standards für ökologisches Bauen in China setzen. Mit dem ergänzenden Ausstellungs- und Kulturprogramm präsentiert sich Hamburg als innovative, lebenswerte Metropole am Wasser.

Erfahren Sie mehr über Hamburgs Beziehungen zu China.

 
 
 
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