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Alle mal herziehen!

Wo bin ich in und um Hamburg am besten aufgehoben? Eine Orientierungshilfe

 

 

Sternschanze

Stadtmusikanten / hamburg.de
In der "Schanze" lebt jeder gern, der irgendwie schräg oder kreativ ist. »
Schanzenviertel

Ihr Arbeitstag beginnt nicht vor zehn Uhr morgens und am liebsten in einem Straßencafé. Nachdem Sie MacBook und iPhone aus der Tasche geholt haben, bestellen Sie ein Frühstück, das aus Milchkaffee, einem Panino und einer anspruchsvollen Tageszeitung besteht. Sie beobachten durch Ihre Designer-Sonnenbrille die Konkurrenz an den Nebentischen, freiberufliche Kollegen aus der Medienbranche. Die Schanze ist Ihr Stadtteil. Hier laufen die schönsten Frauen der Stadt wie über einen Laufsteg: gazellenbeinige Models, eiskalte Barfrauen oder mädchenhafte Jungmütter samt den strubbelbärtigen Vätern, die heute mal ihr Skateboard daheimgelassen haben. In der Schanze ist der
Style zu Hause. Und sowohl Touristen als auch Bewohner kleiden sich hier ein, tragen dänische Designermode genauso wie Streetwear. Der Bar- und Boutiquenboom hat die Schanze zum vielleicht beliebtesten Viertel der Stadt gemacht. Berühmte Bewohner, zum Beispiel: Sänger Sasha und Smudo.


 

St. Pauli

Hein Hoyer Straße / Quelle: hamburg.de, Stefanie Pape
Berühmt und berüchtigt: St. Pauli ist mehr als nur der Kiez. »
St. Pauli

Wer immer auf die Idee kam, das Leben tagsüber stattfinden zu lassen, hat Ihrer Meinung nach schlecht geschlafen – schließlich lässt erst die Nacht uns alle heller leuchten. St. Pauli und seine Menschen wissen das. Der Kiez hat Herz – und Sinn fürs Geschäftliche. Denn dass Ihre luftig gekleideten Nachbarinnen von der Straße ihre warmen Worte nicht aus reiner Höflichkeit an Sie richten, haben Sie längst begriffen. Man muss halt sehen, wo man bleibt. Alle wissen: Wenn auch am Abend noch so dick aufgetragen wird, am Tag sehen alle gleich schlecht aus. Ehrlich, rau und herzlich ist man zueinander; Jan Fedder jedenfalls, Deutschlands Ober-Polizist, würde nie von hier wegziehen. Zum Entdecken: In den Seitenstraßen der Reeperbahn verstecken sich viele kleine Bars und Musikclubs, in der Nähe der Hafenstraße liegt der „Park Fiction“, auf derselben die „Amphore“, einst Plüschbordell, jetzt Club und Café. Perfekt, um zu zweit den Schiffen hinterherzuschauen.


 

Altona und Ottensen

Altonaer Rathaus / hh.de
Altona ist aufgeteilt in Altona-Nord und Altona-Altstadt »
Ottensen

Sie kaufen seit Jahrzehnten im Bioladen? Und beginnen das Wochenende mit einem Autorenfilm im Programmkino? Willkommen in Ottensen, dem Herzen der Alternativkultur. Geburtshaus, Edelboutique, Esoterikladen, Bar – hier schließt eins das andere nicht aus, sondern alles schließt sich zum Kreis zusammen: In Ottensen schnorren Punks ein paar Euro, bevor sie zum Schlafen weiter zum Bauwagenplatz hinter der „Fabrik“, einem Veranstaltungszentrum, ziehen, und wer mit Elbblick für 36 Euro eine Tranche vom wilden Nordseesteinbutt essen möchte, hat es ebenfalls nicht weit – an der Elbchaussee liegen genug Gourmetküchen. Und hier trifft sich das Viertel: am Wochenende abends in den Bars rund um den Alma-Wartenberg-Platz, da könnten Sie in Filmemacher Fatih Akin reinlaufen; und tagsüber im sonnigen Fischers Park (zumindest, wer Kinder hat).


Lauenburg

Sie hatten als Abiturient 15 Punkte in Geschichte, Ihr Lieblingsbrettspiel heißt „Hansa“ – und überhaupt: Wenn Sie könnten, würden Sie am liebsten in eine Zeitmaschine steigen und sich mindestens 400 Jahre zurückbeamen lassen? Geht auch einfacher – ziehen Sie nach Lauenburg. Gässchen mit Kopfsteinpflaster, wunderhübsche, verwitterte Fachwerkhäuschen und eine der ältesten Kammerschleusen Europas – Ihr Herz wird vor Glück springen. Das alte Schifferstädtchen lag früher an den Handelswegen der Alten Salzstraße, thront über der Elbe und ist heute noch so süß wie ein Keks. Dabei feiert Lauenburg in diesem Jahr bereits sein 800-jähriges Bestehen. Und was sollte man sich anschauen? Das Elbschifffahrtsmuseum, das die Geschichte der Handelsschifffahrt auf dem Strom anschaulich erklärt, einen Museumsraddampfer und die Reste alter Schlossanlagen.


 

Alstertal

Poppenbüttler Schleuse Hamburg / Pixelio
Hummelsbüttel, Poppenbüttel, Sasel und Wellingsbüttel. »
Alstertal

Früher hatten Sie mit Freunden eine Altbauwohnung mitten in einer Stadt und sind nachts in allen möglichen Clubs herumgestrolcht. Doch jetzt sind Sie zu viert oder fünft – Sie haben Familie. Und finden, die Kinder sollten auch mal eine Wiese sehen, ohne immer unter Aufsicht zu sein. Dann ist Ihr Platz im Alstertal. Hier ziehen junge Familien im Garten hobbymäßig Rosen und Rucola, man ist Stammkunde im „Gewächshaus“ zwischen Wellingsbüttel und Poppenbüttel. Am Wochenende rudert man mit den Kindern über die Alsterläufe, grillt mit anderen Familien oder isst einen Happen im reetgedeckten Restaurant aus hamburgischem Backstein an der Poppenbütteler Schleuse. Und wenn’s regnet, sitzen alle zusammen auf dem Sofa und sehen im Fernsehen „Die Kinder vom Alstertal“.


 

Eppendorf

Eppendorfer Geschäfte / hamburg.de
Trotz der Nähe zur Innenstadt hat man im mondänen Eppendorf die Natur vor der Haustür, denn es gibt zahlreiche Parks und Grünanlagen. »
Eppendorf

Obwohl Sie nur am Wochenende „aufs Land“, also nach Sylt, fahren und das Parken im Viertel zur Herausforderung wird – Sie lieben Ihren Porsche Cayenne. Denn darin ist genug Platz für den Kinderwagen, mit dem Ihre Frau den Nachwuchs namens Emily und Rosa an den weiß getünchten Jugendstilfassaden des Viertels vorbei zum Isemarkt schiebt. Dort trifft sie sich mit ihren ebenfalls blonden Freundinnen zum Wochenendeinkauf: Frische Pasta mit Trüffeln, französische Pastete – als Eppendorfer weiß man gutes Essen zu schätzen. Man kennt sich, man sieht sich, zum Beispiel beim Edelitaliener „Poletto“ (Eppendorfer Landstraße 145). Das mögen auch Promis wie „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers und Literaturkritiker Hellmuth Karasek. Übrigens: Wer sich in Eppendorf wohl fühlt, mag auch Winterhude.


 

Blankenese

Villa in Blankenese / hh.de
Fein und vornehm, schick und schön: Das ist Blankenese. »
Blankenese

Sie tragen Ihre Reithose samt Lederstiefeln auch beim Einkaufen, obwohl eigentlich Ihr Mann derjenige ist, der Polo spielt? Sie finden, Ihr achtjähriger Sohn habe genau das richtige Alter, um mit dem Golfspielen zu beginnen? Niemals würden Sie auf Ihren antiken Kirschholztisch, ein Erbstück Ihrer Mutter, einer Reederstochter, so etwas Profanes wie einen Tulpenstrauß stellen? Nein, Sie sind überzeugt, selbst Einfachheit muss ihren Stil haben. Genau wie das „Dorf“, in dem Sie leben. So nennt der Blankeneser sein Viertel. Idyllisch wie auf dem Land ist es allemal: zum Beispiel, wenn man die alten Alleen im Hirschpark entlangschlendert, die vielen schmalen Treppenwege hinauf- und hinabsteigt oder wenn man am Leuchtturm den dicken Pötten hinterherschaut. Genauso wie die Blankeneser Otto Waalkes und Stefan Aust – nur dürfen die diesen Blick gleich von ihrem Wohnzimmerfenster aus genießen.


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