MKG Mobile Welten. Oder das Museum unserer transkulturellen Gegenwart

In Zeiten der Globalisierung verschwimmen die Grenzen zwischen den Kulturen durch die Mobilität und Bewegung von Menschen, Ideen und Objekten. Wie Museen als Institutionen auf die Dynamik reagieren können, zeigt der Abschluss des Forschungsvorhabens "Mobile Welten. Zur Migration von Dingen in transkulturellen Gesellschaften" in der Sonderausstellung.

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Mobile Welten

Museum für Kunst und Gewerbe

Adresse
Steintorplatz 1ba, 20099 Hamburg
Telefon
040 428134-888
E-Mail
service@mkg-hamburg.de
Termin/e
13. April bis 14. Oktober 2018
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Donnerstag: 10 bis 21 Uhr
Donnerstag an oder vor Feiertagen: 10 bis 18 Uhr
Montag: geschlossen
Eintritt
Erwachsene: 12 Euro | ermäßigt: 8 Euro |
Donnerstag ab 17 Uhr: 8 Euro |
Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre: frei |
Weitere Ermäßigungen finden Sie auf der Homepage des MKG
Weitere Infos
Museum für Kunst und Gewerbe

Eine dreidimensionale Collage

Durch die gegenwärtige und vergangene Migration sind die Objekt- und Lebenswelten der verschiedenen Kulturen miteinander verflochten. Diese Vermischung durch die Bewegung von Objekten, Menschen und Ideen wird im Forschungsvorhaben "Mobile Welten. Zur Migration von Dingen in transkulturellen Gesellschaften" untersucht. Mit der Sonderausstellung im MKG findet der Arbeitsprozess unter der kuratorischen Leitung von Roger M. Buergel seinen Abschluss. Traditionelle Denkmuster und Museumsstrukturen sollen mit der Intervention in die Sammlung des MKG gelockert werden, um dann die transkulturelle Entwicklung und Bedeutung der Dinge offenzulegen. 

Zwischen den Stühlen

Die ausgestellten Artefakte eint, dass sie alle nicht eindeutig einer Kultur oder einem Ort zugeordnet werden können. Sie wurden als Ausgangspunkt der "Mobilen Welten" von Kuratoren gemeinsam mit Roger M. Buergel ausgewählt, da sie quasi zwischen den Stühlen der etablierten Abteilungen sitzen und den Schlüssel zu unserer globalen Gegenwart liefern können. Dazu zählt beispielsweise eine persische Keramikschale aus dem 17. Jahrhundert, die an chinesisches Porzellan aus der Ming-Dynastie erinnert. 

Eine Archäologie der Gegenwart

In welcher Weise kommunizieren diese Stücke mit unserer globalen Gesellschaft? Um diese Frage beantworten zu können, müssen die Bedingungen unserer gegenwärtigen Gesellschaft zuerst analysiert werden. Prof. Dr. Hans-Peter Hahn und Friedemann Neumann vom ethnologischen Institut der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt/Main und Dr. Sophia Prinz vom Lehrstuhl für vergleichende Kultursoziologie an der Universität Viadrina Frankfurt/Oder haben sich dieser Aufgabe angenommen und einen entscheidenden Teil zur Analyse beigetragen. Sie haben sich mit der Bedeutung auseinandergesetzt, die alltägliche Dinge für die soziale Ordnung, Praktiken und Subjektformen haben und, welche Funktionen sie in post-migrantischen Gesellschaften erfüllen. Inwiefern werden bestimmte Selbst- und Wertverhältnisse von Dingen mitgeführt, die von einem Ort zum anderen wandern und dann in unterschiedlichen sozialen Kontexten übernommen oder verändert werden? 

Schülerprojekt als Ergänzung

Die wissenschaftliche Analyse wird durch Forschungen von Schülerinnen und Schülern der Erich-Kästner-Schule in Hamburg-Farmsen ergänzt, für die Transkulturalität längst zu ihrem alltäglichen Leben gehört. Die Jugendlichen erarbeiten zusammen mit der Performancetheoretikerin und -künstlerin Esther Pilkington und dem Lehrer Ulrich Schötker eine Reihe von Formaten: Eine Betrachtung der eigenen Dingwelten, die mit denen des Museums in Verbindung gebracht werden sollen, eine Auto-Ethnografie in Form einer Bustour in Farmsen, sowie eine Modenschau, bei der sich die Schülerinnen und Schüler als aktive Gestalter ihrer gesellschaftlichen Erscheinung selbst ausstellen.

Die Ausgangslage: Museum neu denken

Mit der Ausstellung soll zur Reflexion und zum Selbstverständnis von Museen als Kultur- und Bildungseinrichtung in der heutigen transkulturellen Zeit beigetragen werden. Um in der Gegenwart wirken zu können, müssen Museen als Institution laut Roger M. Buergel den Dialog suchen und sich wichtige Impulse von außen holen. Dafür gilt es, die etablierten Raster und tradierten Einteilungen zu überwinden, die bisher als Grundlage der Institution galten. Immerhin sind Museen zunehmend auf Wissensformen angewiesen, die nicht aus der akademischen Welt stammen, aber die Dynamik des transkulturellen Alltags umso besser erfassen können. Das Museum für Kunst und Gewerbe bietet mit seiner umfangreichen Sammlung an Objekten aus den unterschiedlichen kulturellen Geografien für Buergel die idealen Bedingungen, eine Überwindung dieser eurozentrischen Konzeption zu eröffnen.


Die Ausstellung versteht Buergel, der 2015 vom MKG dazu eingeladen wurde, mit der vielfältigen Sammlung im Haus und ihrer Geschichte zu arbeiten, als Möglichkeit der performativen Verknüpfung: Als Medium und Format erlaubt es, globale Verflechtungen in ihrer künstlerischen und sozialen Komplexität darzustellen. Auf diese Weise werden historische Bewegungskurven und gesellschaftliche Zusammenhänge aufgezeigt und die Exponate wie in einer dreidimensionalen Collage miteinander verknüpft, ohne dass die rund 80 Dinge, Texte und Bilder auf eine einzige Bedeutung oder Lesart festgeschrieben werden.

Weitere Informationen zur Ausstellung: Mobile Welten

Mobile Welten. Oder das Museum unserer transkulturellen Gegenwart
In Zeiten der Globalisierung verschwimmen die Grenzen zwischen den Kulturen durch die Mobilität und Bewegung von Menschen, Ideen und Objekten. Wie Museen als Institutionen auf die Dynamik reagieren können, zeigt der Abschluss des Forschungsvorhabens "Mobile Welten. Zur Migration von Dingen in transkulturellen Gesellschaften" in der Sonderausstellung.
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