Bucerius Kunst Forum Die Geburt des Kunstmarktes

Die Ausstellung zeigt, wie gesellschaftliche Veränderungen in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts einen neuen Kunstmarkt und eine ganze eigene Kunst hervorgebracht haben. Zu sehen sind Stillleben, Porträts, Seestücke, Zeichnungen und Genremalereien von Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und vielen weiteren Künstlern.

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Die Geburt des Kunstmarktes - Bucerius Kunst Forum

Bucerius Kunst Forum

Adresse
Rathausmarkt 2, 20095 Hamburg
Telefon
040 3609960
E-Mail
info@buceriuskunstforum.de
Termin/e
23. September bis 7. Januar 2018
Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag: 11 bis 19 Uhr
Donnerstag: bis 21 Uhr
Eintritt
Erwachsene: 9 Euro | ermäßigt: 6 Euro |
Montags Einheitspreis: 6 Euro |
Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre: frei


Starkes Bürgertum fördert Kunstmarkt

Bezeichnend für die gesellschaftliche und politische Situation der Niederlande des 17. Jahrhunderts war einerseits der Wegfall der Kirche als Hauptauftraggeber für Kunst und andererseits die starke Kaufkraft des Bürgertums. Die calvinistische Reformation, die schmucklose Kirchen forderte und das hohe Bildungs- und Wohlstandsniveau des erstarkenden Bürgertums bildeten den Nährboden für einen nie dagewesenen Kunstmarkt, der nicht nur großen Einfluss auf Maltechniken hatte, sondern auch neue Darstellungsformen und neue Themen hervorbrachte. Die Kunst richtete sich an eine breite Masse von Käufern und segmentierte sich gleichzeitig nach unterschiedlicher Käufergruppen und ihren Bedürfnisse. Die niederländischen Künstler des 17. Jahrhunderts begriffen sich nicht mehr ausschließlich als Handwerker, sondern als freie Künstler, die einen wachsenden Kunstmarkt bedienten. Die Unterscheidung von freier Kunst und Handwerk ist zwar charakteristisch für den modernen Kunstbegriff und reicht bis in die Renaissance zurück. Die klare Abgrenzung dieser beiden Berufsgruppen kristallisierte sich jedoch erst im 18. Jahrhundert voll heraus. 

Die Ausstellung widmet sich diesem gesellschaftlichen Wandel und dem vor diesem Hintergrund neu entstandenen Kunstmarkt. 

Neuerungen in der Malerei

Thematisch erschlossen die Künstler neue Sujets, denn die bürgerlichen Käufer bevorzugten Themen, die sie selbst verstehen konnten. An die Stelle mythologischer Themen und teurer Historienbilder traten alltäglichere Motive. Zusammen mit Landschaften und Stillleben haben sich Genrebilder, realistische wirkende Darstellungen aus dem Alltag mit anonymen Figuren, zu den charakteristischen Beiträgen der Niederländer zur Geschichte der Malerei entwickelt. Die beliebt gewordenen Seestücke demonstrieren, die Bedeutung der Kriegs- und Handelsflotte für die Machtposition der Niederländer. Jagdstillleben, die einst der Aristokratie vorbehalten waren, wurden im bürgerlichen Wohnzimmer Ausdruck bürgerlicher Distinktion. Neu war auch die Ton-in-Ton-Malerei, dank der die Malzeit verkürzt wurde und Bilder günstiger angefertigt werden konnte. Zudem entstanden kleinere, flexiblere Formate. Sie konnten leichter transportiert und zu günstigeren Preisen angeboten werden. Gleichzeitig spezialisierten sich zahlreiche Künstler auf einzelne Bildmotive. Jacob van Ruisdael wurde mit seinen reißenden Bergbächen bekannt, mit Reiterszenen und Landschaften mit Pferden machte sich Philips Wouwermann einen Namen. 

Segmentierung des Kunstmarktes

Dennoch verlor die Historienmalerei nicht gänzlich an Bedeutung. Zwar "demokratisierte" sich die Malerei und wurde auch dank des neuen Kunstmarktes einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich, doch wer es international zu Ruhm bringen wollte, musste sich mit dem höchst angesehenen Genre profilieren. Amsterdam war das Zentrum der Historienmalerei. Während also an der Spitze des Marktes die Historienmalerei mit Berühmtheiten wie Rembrandt, Flinck, Bol, Lievens, Backer und anderen stand, wurde das mittlere Segment von der charakteristischen holländischen Malerei belegt. Am unteren Ende bewegte sich das Historienbild mit leicht verständlichen alttestamentlichen Geschichten, das als Massenware produziert wurde. 

Kunsthändler und Werkstätten

Der Kunstmarkt wurde immer stärker über Kunsthändler und Werkstätten organisiert. Im oberen Segment konkurrierten beispielsweise die Händler Hendrik Uylenburgh oder Johannes de Renialme. Letzterer scheint einer der ersten reinen Kunsthändler gewesen zu sein. Die meisten Kunsthändler waren noch gleichzeitig Künstler. Rembrandt investierte große Summen in den Kunsthandel Uylenburg und wurde dessen erster Werkstattleiter. Das obere Segment mit seinen Werkstätten bediente vor allem reiche Bürger, die Porträts in Auftrag gaben. In den knapp vier Jahren seiner Zusammenarbeit mit Uylenburgh malte Rembrandt fast die Hälfte seiner gesamten Porträts. Am unteren Ende des Marktes engagierten Kunsthändler unbekannte Maler, kauften die Materialien ein und gaben Themen vor. Bei der Popularisierung von Kunst am unseren Ende wurde auch auf neue Vermarktungsmethoden gesetzt wozu Lotterien, Würfelspiele und Schießwettbewerbe zählten. 

Weitere Informationen zur Ausstellung: Die Geburt des Kunstmarktes

 



Die Geburt des Kunstmarktes
Die Ausstellung zeigt, wie gesellschaftliche Veränderungen in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts einen neuen Kunstmarkt und eine ganze eigene Kunst hervorgebracht haben. Zu sehen sind Stillleben, Porträts, Seestücke, Zeichnungen und Genremalereien von Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und vielen weiteren Künstlern.
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