Hamburger Kunsthalle Anita Rée - Retrospektive

Die Hamburger Künstlerin Anita Rée (1885-1933) zählt zu den besonderen gleichsam rätselhaften und faszinierenden Künstlern der 1920er Jahre. Ihr von Gegensätzen, Widersprüchen und Zweifeln geprägtes Leben spiegelt sich künstlerisch in der Suche nach Identität wieder. Die erste umfassende Museumsausstellung zeigt rund 200 Gemälde, Arbeiten auf Papier und gestaltete Objekte, die einmal mehr beweisen, dass Anita Rée eine Pionierin der Moderne war. 

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Anita Rée in der Hamburger Kunsthalle

Kunsthalle

Adresse
Glockengießerwall 5, 20095 Hamburg
Telefon
040 428 131 200
E-Mail
info@hamburger-kunsthalle.de
Termin/e
8. Oktober 2017 bis 4. Februar 2018
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Donnerstag: 10 bis 21 Uhr
Montag: geschlossen
vor Feiertagen: 10 bis 18 Uhr
Eintritt
Wochentags: 14 Euro | ermäßigt: 8 Euro |
Wochenende & feiertags: 14 Euro | ermäßigt: 8 Euro |
Donnerstag 18 bis 21 Uhr: 8 Euro | ermäßigt: 5 Euro
Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre: frei
Weitere Ermäßigungen finden Sie auf der Homepage der Kunsthalle
Öffentliche Führungen
samstags 15 Uhr, sonntags 12 Uhr

Leben zwischen den Welten

Anita Rée wird als zweite Tochter in eine alteingesessene jüdische Kaufmannsfamilie geboren und wird dennoch evangelisch getauft und protestanisch erzogen. Ihre katholische Mutter stammt aus Venezuela, ihr Vater Israel Rée hatte im Deutsch-Französischen Krieg gekämpft und 1871 die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Anita Rée genoss eine hervorragende Ausbildung dem gehobenen Bürgertum entsprechend, sprach Französisch und lernte Klavier spielen und musste trotzdem feststellen, wie schwer es als Frau war sich in der damaligen Kunstszene durchzusetzen. Sie und ihre Familie galten als vollkommen assimiliert und dennoch wurde die Ausnahmekünstlerin in den 30er Jahren immer häufiger Zielscheibe nationalsozialistischer Diffamierungen. 

Suche nach Identität

Dieses Leben zwischen den Welten drückt sich künstlerisch in der Suche nach Identität aus. Die Frauen ihrer Porträts wirken in sich versunken, reflektierend und gedanklich geradezu losgelöst von der Umgebung. Sie wenden den Blick vom Betrachter ab und erscheinen losgelöst vom Bildhintergrund. In ihren Selbstporträts starrt Anita Rée den Betrachter direkt an, in ihren Blick mischen sich Selbstzweifel und vielleicht sogar Angst. Doch obgleich es gerade die Frauenporträts und Frauenakte sind, die noch heute besonders berühren, ist die künstlerische Bandbreite Anita Rées weitaus größer. Südliche Landschaften, die sie vor allem ihrer Zeit in Positano malte, satte farbenfrohe Stillleben, Tiere in kargen Landschaften sind ebenso Motive ihrer Bilder. In ihrem facettenreichen Oeuvre sind dabei Einflüsse impressionistischer Freilichtmalerei, des Kubismus und der Neuen Sachlichkeit zu erkennen. 

Aufstieg und Tragik

Als Anita Rée sich nach dem Schulabschluss für eine Ausbildung als Malerin entscheidet, stößt ihr Wunsch auf wenig Begeisterung bei den Eltern. Noch bis in die zwanziger Jahre war allein Männern der Zugang zur Kunstakademie gewährt. Dennoch setzt sich die junge Anita durch und nimmt Maltunterricht bei Arthur Siebelist, der seinen Schülern die Plein-air-Malerei beibringt. Von Selbstzweifeln bezüglich ihrere Berufswahl geplagt, sucht sie bei dem damals einflussreichen Künstler Max Liebermann aus Berlin Rat. Obgleich dieser sofort ihr künstlerisches Talent erkennt und sie ermutigt ihren Weg als Künstlerin zu gehen, ist sie Zeit ihre Lebens von Selbstzweifeln geplagt. 1912/13 reist sie nach Paris und lernt die Kunst von Cézanne und Matissen kennen. Zurück in Hamburg wird Anita Rée zu einer gefragten Porträtistin der gehobenen Hamburger Gesellschaft. Sie ist 1919 eine der Mitbegründerin der Hamburger Sezession. Zwischen 1922 und 1925 lebt sie im süditalienischen Positano und kommt nur für Ausstellungen zurück in die Hansestadt. 1926 ist sie Mitbegründerin der GEDOK (Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künsterlinnenvereine aller Kunstgattungen). Innerlich zerbricht die Frau immer stärker an Selbstzweifeln, Einsamkeit, Rastlosigkeit und Unzufriedenheit. Mit dem Aufstieg der Nazis beginnen Anfang der 1930er Jahre die Diffamierungen. Aufträge bleiben aus oder werden zurückgezogen, von der Hamburgischen Künstlerschaft wird sie als "artfremdes Mitglied" ausgeschossen.
Anita Rée zieht sich vollkommen aus Hamburg zurück, lebt abgeschieden in einer Dachkammer auf Sylt und nimmt sich hier am 12. Dezember 1933 das Leben. 

In der Ausstellung sind 13 Gemälde und 25 Arbeiten auf Papier aus dem Bestand der Hamburger Kunsthalle zu sehen. Ergänzt wird die Ausstellungen durch Leihgaben aus privaten und öffentlichen Sammlungen Deutschlands, Englands, der Schweiz und USA. Zum Ende der Ausstellung wird ein neues Werkverzeichnis zur Künstlerin herausgegeben. 

Weitere Informationen zur Ausstellung: Anita Rée - Retrospektive


Anita Rée - Retrospektive
Die Hamburger Künstlerin Anita Rée (1885-1933) zählt zu den besonderen gleichsam rätselhaften und faszinierenden Künstlern der 1920er Jahre. Ihr von Gegensätzen, Widersprüchen und Zweifeln geprägtes Leben spiegelt sich künstlerisch in der Suche nach Identität wieder. Die erste umfassende Museumsausstellung zeigt rund 200 Gemälde, Arbeiten auf Papier und gestaltete Objekte, die einmal mehr beweisen, dass Anita Rée eine Pionierin der Moderne war. 
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