Zoologisches Museum Verschwindende Vermächtnisse: Die Welt als Wald

Der britische Naturforscher und Naturaliensammler Alfred Russel Wallace erforschte die Artenvielfalt der Tropen und entwickelte Ideen zur Selektionstheorie. Doch wie sieht der (Regen-)Wald heute aus? Inwiefern haben Eingriffe des Menschen diesen Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen verändert oder sogar zerstört?

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Verschwindende Vermächtnisse: Die Welt als Wald

Zoologisches Museum - Centrum für Naturkunde

Adresse
Bundesstraße 52, 20146 Hamburg
Telefon
+49 40 42838-2276
E-Mail
info-cenak@uni-hamburg.de
Termin/e
10. November 2017 bis 29. März 2018
Eintritt
frei
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 9 bis 17 Uhr
Montag und an Feiertagen: geschlossen

Natur versus Kultur?

In der Kunst war der Wald seit jeher ein Mythos. Als Sehnsuchtsort, Lebenswelt und Ressource wurde er im Laufe der Epochen von vielen Künstlerinnen und Künstlern besungen, gemalt und beschrieben. Aber auch in Märchen, Legenden und Sagen wurde der Wald als Symbol für das Unbewusste, Geheimnisvolle oder auch Romantische oft thematisiert und ist somit fest in vielen Kulturkreisen verankert. 

Vor diesem Hintergrund behandelt die Ausstellung im Centrum für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg das aktuelle Problem von Artensterben, Entwaldung und Klimawandel mit zeitgenössischen Kunstwerken. Wie sieht der (Regen-)Wald heute aus? Inwiefern hat der Mensch durch Kolonialismus und Industrialisierung diesen Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen nach seinen Bedürfnissen verändert? Auf der anderen Seite werden heutige Erkenntnisse darüber, wie der Mensch aus diesen fruchtbaren Gefügen eigentlich gar nicht wegzudenken ist, offengelegt. In vielen Urwäldern sind indigene Kultivierungspraktiken verwurzelt, die erst durch großflächige Abholzungen zum Vorschein treten. Ist die Trennung von Natur und Kultur aus naturwissenschaftlicher Perspektive im heutigen Zeitalter noch haltbar?

Das Erbe von Alfred Russel Wallace

Anlass der Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit Kustodinnen und Kustoden der wissenschaftlichen Sammlungen des CeNak, des Herbarium Hamburgense und des Nutzpflanzenmuseums erfolgt, ist der 160. Jahrestag der Veröffentlichung der Darwin-Wallace-Papiere als einer der zentralen Abhandlungen der Biologie als wissenschaftliche Disziplin. Alfred Russel Wallace (1823-1913) war ein britischer Naturforscher und Naturaliensammler und unternahm im 19. Jahrhundert Expeditionen nach Südamerika und Südostasien, wo er mit der Amazonasregion und den Indo-Malaiischen Inseln zwei der artenreichsten Lebensräume der Erde erforschte. Seine umfassende Sammlung gilt als Grundlage seiner bahnbrechenden Selektionstheorie. Doch genau diese Biodiversität, die Wallace damals erforschte, geht durch die Abholzung der Regenwälder nach und nach allmählich verloren.

Ein Spannungsfeld

Audiovisuelle Installationen, Fotografien, Filme und Skulpturen internationaler Künstlerinnen und Künstler verwandeln die Ausstellungshalle in einen (bedrohten) Lebensraum Wald und zeigen auf diese Weise die Artenvielfalt im Spannungsfeld von Wissenschaft und Monokultur, futuristischen Naturbildern und historischen Naturalien, Realität und Fiktion, Schönheit und Schrecken. Die Welt als Wald präsentiert künstlerische Arbeiten von Maria Thereza Alves, Ursula Biemann, Bik Van der Pol, Shannon Lee Castleman, Revital Cohen & Tuur van Balen, Mark Dion, Radjawali Irendra / Akademi Drone Indonesia, Armin Linke mit Giulia Bruno und Giuseppe Ielasi, Barbara Marcel, Julian Oliver & Crystelle Vũ, Robert Zhao Renhui / The Institute of Critical Zoologists, SHIMURAbros und autonoma / Paulo Tavares.

Die Ausstellungskuratoren Anna-Sophie Springer und Dr. Etienne Turpin präsentieren botanische und zoologische Objekte, die auf eine Wandlung tropischer Ökosysteme seit deren Erschließung durch europäische Naturforscher vor gut eineinhalb Jahrhunderten hinweisen. 
Im Rahmen ihrer gemeinsamen Forschungsinitiative Reassembling the Natural befassen sich der Philosoph und Research Scientist am Massachusetts Institute of Technology und die freie Kuratorin und Publizistin seit 2013 mit dem Verlust der Biodiversität und Landnutzung. Vor dem Hintergrund aktueller Geschichtsschreibung laden Turpin und Springer Besucher auf eine spannende Reise mit vielen Fragen und Antworten ein: Welchen Beitrag leisten Einwohner Europas an der Zerstörung der Lebensräume im tropischen Regenwald? Alle 13 Werke, von denen acht eigens für die Sonderausstellung geschaffen und wieder andere bereits weltweit ausgestellt wurden, beschäftigen sich mit den aktuellen Umweltveränderungen tropischer Natur in Indonesien und im Amazonasgebiet.

Umfassendes Begleitprogramm

Begleitend zur Ausstellung wird ein Programm aus Führungen, Lesungen, Filmabenden und anderen Abendverstanstaltungen angeboten. Weitere Stationen von Verschwindende Vermächtnisse sind 2018 die Projektpartner, das Tieranatomische Theater der Humboldt-Universität zu Berlin und das Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Halle/Saale. Der Ausstellungszyklus ist eine Kooperation mit der Schering Stiftung und dem Goethe-Institut Singapur.

Nähere Informationen unter: Verschwindende Vermächtnisse

Verschwindende Vermächtnisse: Die Welt als Wald
Der britische Naturforscher und Naturaliensammler Alfred Russel Wallace erforschte die Artenvielfalt der Tropen und entwickelte Ideen zur Selektionstheorie. Doch wie sieht der (Regen-)Wald heute aus? Inwiefern haben Eingriffe des Menschen diesen Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen verändert oder sogar zerstört?
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