Ernst Barlach Museum Wedel Gottfried Helnwein - Das Kind

Die Bilder von Gottfried Helnwein provozieren, verunsichern, verwirren und schockieren. Mit der Abbildung von sanften Kindergesichtern, denen Blut, Narben, Wundmale und Bandagen zugefügt wurden, trifft er sprichwörtlich einen wunden Punkt in der Gesellschaft: die Angewohnheit, vor dem Bösen die Augen zu schließen.

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Gottfried Helnwein im Ernst Barlach Museum Wedel

Ernst Barlach Museum Wedel

Adresse
Mühlenstraße 1, 22880 Wedel
Telefon
04103 918291
E-Mail
kontakt@ernst-barlach.de
Termin/e
19. November 2017 bis 8. April 2018
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 11 bis 18 Uhr
für Gruppen und Schulklassen auch Sonderöffnungszeiten
Eintritt
Erwachsene: 8 Euro | ermäßigt: 6 Euro |
Weitere Ermäßigungen auf der Homepage des Ernst Barlach Museum Wedel

Bekannt und umstritten

Der österreichisch-irische Künstler Gottfried Helnwein wurde 1948 in Wien geboren und setzt sich in seinen Werken überwiegend mit den Themen Schmerz, Verletzung und Gewalt auseinander. Diese betreffen Körper und Psyche in gleichem Maße. Als einer der bekanntesten, aber auch umstrittensten deutschsprachigen Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg erzielten seine Ausstellungen bisher etliche Besucherrekorde. Seine Bekanntheit erlangte Helnwein vor allem durch seine hyperrealistischen Bilder von verwundeten und bandagierten Kindern. Neben der Darstellung des Kindes verarbeitet der Sohn eines Beamten insbesondere auch das Thema Nationalsozialismus in seinen Werken, die dabei nicht selten auch Tabu- und Reizthemen der jüngeren Geschichte berühren. Gottfried Helnweins Arbeiten zeichnen sich durch eine hohe schmerzhafte Unmittelbarkeit aus, dessen Energie weit über den Bildrahmen hinaus geht und den Betrachter ergreift.

Nicht wegschauen

Die Bilder von Gottfried Helnwein empören, berühren, verunsichern, verwirren und schockieren. Obwohl man sich der Fiktion der Motive bewusst ist, scheinen die Arbeiten des österreichischen Künstlers einen schwachen Nerv beim Betrachter zu treffen. Er entlarvt die Abgestumpftheit und Angewohnheit der Gesellschaft, immer nach einer heilen Welt zu streben und die Augen vor der Realität und den grausamen Dingen wie Krankheit, Misshandlung, Gewalt, Tod, Folter und Verletzung zu verschließen. 

Von Disneykultur und Horrorbildern

Helnweins Herkunft spiegelt sich auch in seinen Arbeiten wieder. Aspekte des phantastischen Realismus des österreichischen Malers Rudolph Hausner, der von 1969 bis 1973 sein Professor an der Akademie der bildenden Künste Wien war, finden sich in den surreal anmutenden Überzeichnungen des Bildgegenstandes ebenso bei dem umstrittenen Künstler wieder, wie die Inszenierung von Blut, Gewalt und Perversion, die schon mit Hermann Nitsch im Wiener Aktionismus thematisiert wurde. Seine Arbeiten vereinen ebenso das Triviale der Manga- und Disneykultur, wie auch Untergangsvisionen der Seele oder die Göttlichkeit des Kindes in sich, die Horrorbildern von Kinderschändung gegenübergestellt wird. Eine Mischung aus Groteske und Erschrecken entsteht, indem Helnwein Dinge realistisch zusammenführt, die nach unserer Erfahrung nach nicht zusammengehören. Zusammengehalten werden die Gestalten, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, durch die Gewalt und das Böse.

Gewalt gegen Mädchen und Frauen

Vielfach sind die sanften Kindergesichter durch Verletzungen entstellt und werden von Blut, Narben, Wundmalen oder Bandagen durchzogen. Als Symbol für Unterdrückung und Bedrohung, Angst, Gewalt, Grausamkeit und Zynismus wird meist das weibliche Kind, das unschuldige Mädchen, zur Stellvertreterin des ohnmächtigen Menschen mit seinen Autoritäts- und Verdrängungsmustern. Männliche Kinder kommen in Helnweins Arbeiten kaum vor. Denn gleichzeitig verdeutlicht der Künstler, dass Gewalt gegen Mädchen und Frauen weltweit die häufigste Menschenrechtsverletzung darstellt.

Weitere Informationen: Gottfried Helnwein - Das Kind

Gottfried Helnwein - Das Kind
Die Bilder von Gottfried Helnwein provozieren, verunsichern, verwirren und schockieren. Mit der Abbildung von sanften Kindergesichtern, denen Blut, Narben, Wundmale und Bandagen zugefügt wurden, trifft er sprichwörtlich einen wunden Punkt in der Gesellschaft: die Angewohnheit, vor dem Bösen die Augen zu schließen.
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