Vorstellungsgespräch Fragen Was sind Ihre Schwächen, was Ihre Stärken?

Mit einer Einladung zum Vorstellungsgespräch sind Sie eine Runde weiter. Herzlichen Glückwunsch! Mit etwas Vorbereitung auf mögliche Fragen bleiben Sie weiter auf Erfolgskurs. 

Vorstellungsgespräch Fragen

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Den Hintergrund von Fragen des Personalers entziffern

Wer sagt, er würde gerne an Vorstellungsgesprächen teilnehmen, sagt entweder die Unwahrheit oder ist gut vorbereitet auf die Fragen, die der Personalverantwortliche womöglich im Gepäck hat.

Vorstellungsgespräche werden als Einzel- oder Gruppengespräch geführt und ähneln sich im Aufbau und in den Inhalten. Das liegt zum einen daran, dass der Anlass ganz bestimmte Fragen z. B. zur Leistungsmotivation oder zur fachlichen Kompetenz gebietet und zum anderen lesen Personalverantwortliche dieselben Bewerbungsratgeber und Leitfäden wie Sie. Der Vorbereitung zum Vorstellungsgespräch deswegen wenig Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, läuft allerdings zu Ihrem Nachteil fehl. Auf Standardfragen erwartet der Personaler nämlich nicht etwa Standardantworten, sondern individuell gefasste Auskünfte, die die Informationen aus Ihren Bewerbungsunterlagen schlüssig ergänzen und die Ernsthaftigkeit Ihrer Bewerbung unterstreichen!

Im Vorstellungsgespräch übliche Fragen lassen sich in drei Bereiche bzw. drei Phasen gliedern:

1. Fragen zu Ihrer Bewerbungs- und Leistungsmotivation
2. Fragen zu Ihrem beruflichen Werdegang
3. Fragen zu Ihrer Persönlichkeit
4. Fragen zu Ihrer fachlichen Kompetenz
5. Fragen von Ihnen an Ihren Gesprächspartner

Mit ein wenig Vorbereitung – und ein wenig Übung! – entziffern Sie die Absicht der meisten Fragen ohne Schwierigkeiten und beantworten die Fragen zufriedenstellend. Auch durch Angstfragen lassen Sie sich mit entsprechender Vorbereitung nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Unerlaubten Fragen zu z. B. Gesundheit oder Lebensplanung erteilen Sie einen höflichen, aber bestimmten Platzverweis.

Beantworten Sie die Fragen im Rahmen des Möglichen glaubwürdig und machen Sie sich Notizen. Üben Sie die Fragesituation mit der Familie oder Freunden! 

Tipp: Beantworten Sie jede Frage ausschließlich berufsbezogen und lassen Sie sich durch persönliche Fragen weder aus dem Konzept bringen noch auf eine zu vertrauliche Gesprächsebene ein.

Fragen zu Motivation und Leistungswillen

  • Wie ist es zu Ihrer Bewerbung bei uns gekommen? 
  • Was finden Sie an der Aufgabe reizvoll? 
  • Warum wollen Sie in unserem Unternehmen arbeiten? 
  • Warum wollen Sie Ihre jetzige Tätigkeit aufgeben?
  • Haben Sie noch andere Bewerbungsverfahren laufen? 

Fragen dieser Art gehören zum Themenbereich "Bewerbungs- und Leistungsmotivation". Diese Fragen zielen auf die Ernsthaftigkeit Ihrer Bewerbung und auf Ihre Fähigkeit ab, komplexe Zusammenhänge nachvollziehbar darzustellen. 

Auf eine Standardfrage wie „Wie ist es zu Ihrer Bewerbung bei uns gekommen?“ sollten Sie in der Lage sein, mehrere Minuten interessant und informativ über Ihre Motivation zu sprechen. Denken Sie bei der Vorbereitung Ihrer Selbstpräsentation daran, dass der Personalverantwortliche Ihre Bewerbungsunterlagen bereits kennt und strukturieren Sie Ihren Minivortrag nach Schwerpunkten, die an diese Informationen anknüpfen oder diese ergänzen. Die Schwerpunkte Ihrer Präsentation sollten möglichst anschaulich und passgenau auf die ausgeschriebene Stelle und das Unternehmen zugeschnitten sein.

Einen Arbeitsplatzwechsel sollten Sie gut begründen können, ohne über Ihr derzeitiges Unternehmen, das Betriebsklima oder Ihre Kollegen schlecht zu reden. Sprechen Sie lieber über „Entwicklungsmöglichkeiten“. Zeigen Sie, dass Sie gut über Ihr Wunschunternehmen informiert sind und hier Ihre berufliche Zukunft sehen.

Die Frage, ob Sie sich noch auf andere Stellen beworben haben, zielt wieder auf die Ernsthaftigkeit Ihrer Motivation ab. Sprechen Sie möglichst nicht über Absagen oder mögliche Zusagen in anderen Bewerbungsverfahren. Je nach Bewerbersituation geht der Personaler davon aus, dass der Bewerber sich noch bei anderen Unternehmen beworben hat. Ihn über diesen Umstand zu informieren, ist aber nicht nötig.

Fragen zum beruflichen Werdegang

  • Wie verlief bisher Ihr Berufsweg?
  • Warum haben Sie Ihren Beruf so häufig gewechselt?
  • Warum haben Sie sich für eine Beschäftigung bei Unternehmen X entschieden?
  • Wie sieht Ihre jetzige Tätigkeit aus?
  • Wie bilden Sie sich fort?

Diese Fragen gehören zum Themenbereich "Erwerbsbiografie" und zielen darauf ab, die Informationen aus Ihren Bewerbungsunterlagen zu überprüfen und eventuelle Schwachstellen in Ihrer Darstellung auszumachen.

Arbeiten Sie in Ihrer Vorbereitung den „roten Faden“ in Ihrer bisherigen Erwerbsbiografie heraus und präsentieren Sie ihn souverän und gelassen. Angstfragen z. B. nach den Gründen für einen häufigen Berufswechsel müssen Ihnen, wenn Sie schlüssige Antworten parat haben und diese gelassen vortragen, nicht zu Ihrem Nachteil gereichen.

Fragen zur Ihrem jetzigen Arbeitsplatz sollten Sie so beantworten können, dass der Wunsch nach einem Arbeitsplatzwechsel nachvollziehbar ist. Eine zu negative – oder zu positive! – Schilderung Ihrer jetzigen Tätigkeit wirft kein gutes Licht auf Sie. Wer rundum zufrieden mit seiner Arbeit ist, bewirbt sich nicht in einem anderen Unternehmen, wer rundum unzufrieden mit seiner Arbeit ist, wird es vielleicht auch nicht auf einer neuen Arbeitsstelle.

Präsentieren Sie sich als kompetenter, der Zukunft zugewandter Mitarbeiter, der sich für seinen Arbeitsbereich begeistert und sich mit Fortbildungen oder Fachliteratur weiterbildet.

Fragen zur Persönlichkeit und Fangfragen

  • Erzählen Sie etwas über sich!
  • Wie würden Sie sich beschreiben?
  • Was sind Ihre Stärken, was Ihre Schwächen?
  • Was sind Ihre persönlichen Lebensziele?
  • Worüber können Sie sich so richtig ärgern?

Fragen dieser Art gehören zum Themenbereich „Persönlichkeit“. Viele Fragen aus diesem Bereich stammen aus der Psychodiagnostik und zielen darauf ab, Ihre Persönlichkeit aus der Perspektive des Arbeitgebers auszuleuchten: Sind Sie anpassungs-und teamfähig? Sind Sie vertrauenswürdig und loyal? Passen Sie zum Unternehmen? Und so weiter.

Wichtig bei der Beantwortung der Persönlichkeitsfragen ist, immer zuerst auf der beruflichen Ebene zu antworten: Welche Eigenschaften qualifizieren Sie besonders für die angestrebte Tätigkeit, welche Stärken können Sie in Ihre neue Beschäftigung einbringen? Was zeichnet Sie als Arbeitnehmer aus? Wo sehen Sie sich beruflich in 10 Jahren? Erst wenn die berufliche Ebene erschöpfend behandelt ist, sollten Sie sich, wenn überhaupt, „persönlich frei machen“.

Fragen wie die nach „Stärken und Schwächen“ – oder auch „Erfolgen und Misserfolgen“ – sind Fangfragen und besonders schwer zu beantworten, ohne entweder als Wichtigtuer oder als Versager dazustehen. Bleiben Sie bei Stärken und Erfolgen, wenn möglich, auf der beruflichen Ebene und wählen Sie für „Schwächen“ und „Misserfolge“ Beispiele aus einem Bereich, der nichts mit Ihrem Beruf oder Ihrer neuen Arbeitsstelle zu tun hat. Ein nicht sonderlich ausgeprägtes Talent für die Fußarbeit beim Degenfechten oder für das Kreieren veganer 5-Gänge-Menüs wird Ihnen keiner – wenn Sie sich nicht auf die Stelle eines Sporttrainers oder eines Kochs bewerben – als ernst zu nehmende Schwäche für die angestrebte Tätigkeit auslegen.

Im Sinne dieser Antwortstrategie sollten Sie sich auch nur über Dinge ärgern, über die sich alle aufregen: das Wetter, den Fußballverein usw..

Sollten Sie nach Ihrem Gesundheitszustand gefragt werden, müssen Sie übrigens nicht wahrheitsgemäß beantworten, solange die etwaige Krankheit nicht Ihre Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz beeinträchtigt.

Frauen, im besonderen junge Frauen und Frauen mit Kindern, haben in Vorstellungsgesprächen leider auch heute noch mitunter mit einer vermeintlich „frauenspezifischen“ Problematik zu tun: Die Frage nach den Lebenszielen ist hier fast immer als Frage nach dem Stand der Familienplanung oder der Organisation des Haushaltes mit Kindern gemeint. Bleiben Sie bei diesen ungebührlichen Fragen sachlich und professionell und weisen Sie ggf. auf Ihren Partner hin, mit dem Sie sich Kinderbetreuung und Haushaltsaufgaben zu je 50% teilen.

Bei allen Fragen zur Persönlichkeit gilt es, souverän und gelassen zu antworten. Zu spontanen Äußerungen sollten Sie sich möglichst nicht hinreißen lassen. Sollten Sie einmal eine Frage nicht prompt beantworten können, verschafft Ihnen höfliches Nachfragen („Wie meinen Sie das?“, „Ich habe Sie leider akustisch nicht verstanden!“) ein wenig Bedenkzeit. 

Auf einen persönlichen Plausch mit dem Personaler sollten Sie sich auf keinen Fall einlassen. Die Gesprächsatmosphäre mag einen solchen Austausch hergeben, aber im Fall eines Vorstellungsgesprächs kann ein Zuviel an Offenheit ein Eigentor sein.

Fragen zur fachlichen Kompetenz

  • Was war bisher Ihr Arbeitsschwerpunkt?
  • Haben Sie Artikel x gelesen?
  • Wie schätzen Sie die Chancen für Produkt x ein?
  • Was denken Sie über die aktuelle Marktsituation?
  • Warum sollten wir gerade Sie einstellen?

Auf Fragen zu Ausbildung und Arbeitsschwerpunkten sollten Sie in der Lage, souverän und fachlich professionell zu antworten. Bei Kenntnislücken geben Sie diese ruhig zu, solange Sie auf anderen Gebieten punkten können. Das erspart Ihnen risikobehaftetes Taktieren im weiteren Gesprächsverlauf.

Denken Sie daran, dass es auch bei diesen Fragen nicht ausschließlich auf den Inhalt Ihrer Antworten, sondern auch um die Reaktion auf die Frage und die Darstellung der Antwort ankommt.

Die Frage „Warum sollten wir gerade Sie einstellen?“ gibt Ihnen in der Schlussphase des Gesprächs noch einmal die Möglichkeit, Ihre fachliche Kompetenz und Ihre Eignung für die ausgeschriebene Stelle herauszuarbeiten.

Fragen selber stellen

Zum Abschluss des Vorstellungsgesprächs werden aufgefordert, eigene Fragen zu stellen. Auch hier empfiehlt sich eine gute Vorbereitung. Ihre Fragen sollten über Informationen, an die Sie in Eigenregie gelangen könnten, hinausgehen. Fragen Sie z. B. 

  • Was sind genau die Aufgabengebiete der ausgeschriebenen Position?
  • Was sind meine ersten Aufgaben?
  • Mit welchen Abteilungen werde ich zusammenarbeiten?
  • Wie sieht die Einarbeitungsphase aus?
  • Wo sieht sich das Unternehmen in 5 oder 10 Jahren?

Fragen nach Gehalt, Urlaub, Betriebsrente, Arbeitnehmervertretung o. ä. sollten Sie auf keinen Fall im ersten Vorstellungsgespräch stellen. Dies sind Themen für die zweite Runde oder bei Aushandlung des Vertrags.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Vorstellungsgespräch!