Körpersprache Vorstellungsgespräch Gerader Blick und fester Händedruck

Jedes Vorstellungsgespräch ist immer auch eine Prüfungssituation. Neben der fachlichen Kompetenz machen auch nonverbale Signale Eindruck auf den Personaler und bestimmen über den Erfolg Ihrer Bewerbung. 

Körpersprache Vorstellungsgespräch

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Negative und positive Körpersprache im Vorstellungsgespräch

Ein eher gequältes Lächeln und um die Stuhlbeine gelegte Füße sprechen Ihnen in der Prüfungssituation eines Vorstellungsgesprächs eher aus dem Herzen als ein offenes Lächeln und eine entspannte Körperhaltung? Jeder, der schon einmal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde – also die meisten Menschen – werden diese Gefühlslage nachvollziehen können. Anspannung und Unruhe sind natürliche Empfindungen der meisten Bewerber in einer Gesprächssituation, in dem nicht nur Ihre fachliche Kompetenz, sondern auch ihre Persönlichkeit auf dem Prüfstand steht. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass man Ihnen diese emotionale Ausnahmesituation unbedingt anmerken muss.

Für den geschulten Personaler geben die nonverbalen Signale, die Sie mit Ihrer Körpersprache aussenden, genauso viel Aufschluss über Ihre Persönlichkeit, Ihre Motivation und Ihren Leistungswillen wie die inhaltlichen Aussagen, die Sie im Verlauf des Vorstellungsgesprächs diesbezüglich tätigen. Liegen die Eindrücke aus beiden Bereichen– verbal und nonverbal – weit auseinander, so wirft diese Diskrepanz beim Personaler unnötige Fragen auf, die sich mit ein wenig Aufmerksamkeit der eigenen Körpersprache gegenüber leicht vermeiden lassen.

Aber aufgepasst! Ziel kleinerer oder größerer Verhaltensänderungen kann nicht sein, dass Sie sich als jemand darstellen, der Sie nicht sind. Was bei der Bewertung der verbalen Antworten von Persönlichkeitsfragen und anderen Fragen häufig den Ausschlag gibt, gilt auch für die Beurteilung der nonverbalen Signale der Körpersprache: Mit einem der Bewerbungssituation angemessenen Maß an Natürlichkeit und Authentizität haben Sie über kurz oder lang bessere Karten als mit einer Meisterleistung an Verstellung. Nur wer ein stimmiges Gesamtpaket aus Bewerbungsunterlagen und persönlichem Auftreten anzubieten hat, ist in der Bewerbungssituation – und später im Job – überzeugend.

Was Sie allerdings ändern sollten, sind Verhaltensweisen, die über ein in der Bewerbungssituation angemessenes „normales“ Maß an Nervosität hinausgehen. Für letzteres hat der Personaler Verständnis, bei ersteren wird er womöglich negative Rückschlüsse auf Ihre Persönlichkeit und Ihre nervliche Belastbarkeit ziehen.

Lesen Sie sich in Ruhe die Tipps zur Körpersprache in den drei Phasen des Vorstellungsgesprächs (siehe unten) durch und beherzigen Sie die Hinweise. Nehmen Sie sich nicht zu viel vor: ein zu großes Maß an Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung verlangt zu viel Aufmerksamkeit und Energie, die Sie womöglich besser auf der inhaltlichen Ebene des Vorstellungsgesprächs investieren.

Fragen Sie auch einmal Freunde und Familie, welche typischen Verhaltensweisen Sie zeigen, wenn Sie nervös oder angespannt sind. So wird es Ihnen leichter fallen, etwaige Eigenheiten im Vorstellungsgespräch zu unterlassen.

Tipp: Wenn Sie einige der Hinweise zur Körperhaltung ausprobieren, werden Sie merken, dass sie einen positiven Einfluss auf Ihre Anspannung und Nervosität haben. Wer z. B. mit beiden Füßen „fest auf dem Boden steht“ – und die Füße nicht etwa um die Stuhlbeine legt – wird aus dieser Position sehr viel überzeugender für sich werben können.

1. Begrüßung 

Neben dem äußeren Erscheinungsbild entscheiden die verbalen und nonverbalen Signale der ersten Momente in einer Begegnung über Sympathie oder Antipathie.

  • Begrüßen Sie den Personaler mit einem offenen Lächeln und einem geraden Blick. Beides signalisiert Offenheit und Gesprächsbereitschaft. Halten Sie den Blickkontakt im weiteren Verlauf des Vorstellungsgesprächs aufrecht. Sie bauen damit ein Sympathiefeld auf.
  • Nehmen Sie eine aufrechte und Ihrem Gegenüber zugewandte Körperhaltung an. Manche Frauen tendieren zu einer „unsicheren“ Körperhaltung mit Standbein und Spielbein. Eine aufrechte Körperhaltung und ein fester Stand verschafft Ihnen schon in den ersten Minuten des Kontakts subjektiv Sicherheit und objektiv Respekt beim Gegenüber.
  • Warten Sie darauf, dass Ihnen der Personaler die Hand reicht. Ihr Händedruck sollte fest sein, aber Ihrem Gegenüber auch nicht gleich die Finger- oder Handknochen brechen. Ein angenehm fester Händedruck suggeriert Aufrichtigkeit und Vertrauen. Ist Ihr Händedruck übermäßig schlaff oder übermäßig stark, könnte man auf mangelnde Antriebsschwäche oder aber Angeberei oder Rücksichtslosigkeit schließen.
  • Bleiben Sie bei der Begrüßung stehen, bis der Personaler sich setzt oder Sie zum Setzen auffordert. Hat man Sie warten lassen, stehen Sie zur Begrüßung unbedingt auf und begrüßen Sie Ihr Gegenüber mit einem offenen Lächeln, um von Anfang an Sympathiepunkte zu sammeln.

2. Interview

Im Hauptteil des Vorstellungsgesprächs geht es darum, einen souveränen und gelassenen Eindruck zu machen und inhaltliche Aussagen mit der entsprechenden Körpersprache zu unterstützen. Geben Sie sich so authentisch wie möglich und so gelassen wie nötig.  

  • Nehmen Sie beim Sitzen selbstbewusst die ganze Sitzfläche ein und stellen Sie beide Füße fest auf den Boden. Wenn Sie auf der Stuhlkante sitzen und Ihre Füße vielleicht noch um die Stuhlbeine legen, kann der Eindruck eines alarmierten Zustands und großer Unsicherheit entstehen. Mit beiden Füßen fest auf dem Boden strahlen Sie hingegen Selbstsicherheit aus.
  • Stellen Sie Ihre Beine locker nebeneinander. Vermeiden Sie auseinanderklaffende Beine. Sie signalisieren Respektlosigkeit. Frauen können ihre Beine auch übereinander schlagen.
  • Nehmen Sie eine angemessene Körperhaltung mit einer angemessenen Körperspannung ein. Sie sollten sich weder auf dem Stuhl fletzen noch eine übermäßig steife Haltung einnehmen. Ersteres verweist auf eine gewisse Nachlässigkeit letzteres auf ein Übermaß an Angst, die allzu offensichtlich überspielt wird.
  • Erzeugen Sie eine offene und gesprächsbereite Atmosphäre, indem Sie sich leicht vorbeugen.
  • Halten Sie Ihren Kopf gerade. Manche Frauen tendieren dazu, im Gespräch den Kopf seitwärts zu neigen und ihr Gegenüber von unten anzuschauen. Vermeiden Sie diese Demut und Unterwürfigkeit signalisierende Kopfhaltung und treten Sie Ihrem Gegenüber mit geradem Blick auf Augenhöhe gegenüber.
  • Halten Sie die Arme locker an den Seiten. Vermeiden Sie unbedingt, die Arme vor der Brust zu verschränken oder sich an den Armlehnen des Stuhls festzuklammern. Ersteres ist eine Abwehrgeste, die dem erwünschten Eindruck von Offenheit und Gesprächsbereitschaft entgegensteht, letzteres ein Signal großer Anspannung oder sogar Aggressivität.
  • Legen Sie die Handflächen mit den Handflächen nach oben in den Schoß. So signalisieren Sie Offenheit und Vertrauen. Vermeiden Sie Handhaltungen wie z. B. das Spitzdach. Zu einem Dach zusammengelegte Hände können Ihnen als Aggressivität ausgelegt werden, weil die Fingerspitzen auf das Gegenüber zeigen.
  • Setzen Sie Gesten gezielt ein. Vermeiden Sie den Eindruck, Sie würden „mit den Händen herumfuchteln“ und Ihr Temperament nicht unter Kontrolle haben,
  • Vermeiden Sie Mikrogesten wie sich an der Nase zu kratzen, sich durch die Haare zu fahren oder mit dem Ring an Ihrem Finger zu spielen. Diese Gesten können Ihren Gesprächspartner irritieren und Ihnen als Unsicherheit und Nervosität ausgelegt werden.
  • Halten Sie während des gesamten Gesprächs Blickkontakt mit Ihrem Gegenüber und lächeln Sie auch bei schwierigen Fragen freundlich und offen. So halten Sie das Sympathiefeld aufrecht und signalisieren, dass Sie ein angenehmer und belastbarer Gesprächspartner sind, der sich auch in Stresssituationen nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Tipp: Gestalten Sie die Gesprächssituation aktiv mit, indem Sie die Körpersprache Ihres Gegenübers „spiegeln“. Wenn sich Ihr Gesprächspartner vorbeugt, beugen auch Sie sich vor etc.. Diese Kommunikationstechnik aus dem Neuro-Linguistic Programming (NLP) hat einen positiven Einfluss auf Gespräch und Gesprächsverlauf, ist allerdings nur etwas für sehr souveräne Bewerber, die sich in einer Prüfungssituation wie dem Vorstellungsgespräch auf diese Ebene einlassen können, ohne dass die inhaltliche Ebene des Gesprächs ins Hintertreffen gerät.

3. Verabschiedung 

In der Schlussphase runden Sie Ihre Selbstpräsentation überzeugend ab und unterstreichen mit der entsprechenden Körpersprache noch einmal Ihr Interesse an der ausgeschriebenen Stelle. 

  • Warten Sie, bis der Personaler aufsteht und Ihnen die Hand reicht. Nehmen Sie Blickkontakt auf und verabschieden Sie sich mit einem angenehm festen Händedruck und einem souveränen „Auf Wiedersehen“. Dass dies der Fall sein wird, sollte unbenommen sein.
  • Behalten Sie Ihre Körperspannung auch nach der Verabschiedung bei und entfernen Sie sich gemessenen Schrittes. Halten Sie Gefühlsäußerungen negativer oder positiver Art möglichst solange zurück, bis Sie außerhalb des Gebäudes und außer Sichtweite sind.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!



Gerader Blick und fester Händedruck
Jedes Vorstellungsgespräch ist immer auch eine Prüfungssituation. Neben der fachlichen Kompetenz machen auch nonverbale Signale Eindruck auf den Personaler und bestimmen über den Erfolg Ihrer Bewerbung. 
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