Zwischenzeugnis Mit einer Zwischenbeurteilung optimal aufgestellt

Wer ein Zwischenzeugnis vorlegen kann, hat im Fall der Fälle bei einem späteren Arbeitszeugnis besonders gute Karten. Ohne triftigen Grund darf das Arbeitszeugnis nicht schlechter ausfallen als das Zwischenzeugnis. 

Zwischenzeugnis

Mit einem Zwischenzeugnis auf der sicheren Seite

Es gibt Dinge im Arbeitsleben, die lösen Freudensprünge aus. Eine unerwartete Gehaltserhöhung etwa oder der Umstand, dass die lange Zeit vakante Stelle mit einem besonders netten Kollegen besetzt wird. Aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus ein Zwischenzeugnis anzufordern oder auszustellen, steht auf der Skala der willkommenen Ereignisse für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber hingegen weit hinten, schwebt über dem Vorgang doch hartnäckig der Verdacht, der Arbeitnehmer wolle sich mit dem Zwischenzeugnis weg bewerben und der Arbeitgeber solle ihm dafür auch noch einen wohlwollenden Freifahrtschein ausstellen.

Sollte Ihr Arbeitgeber mit diesem Verdacht Recht haben, ist diplomatisches Geschick Ihrerseits gefordert, um das bestehende Arbeitsverhältnis nicht unnötig schwer zu beschädigen.

Besser ist es, ein Zwischenzeugnis in einer weit weniger verfänglichen Situation anzufordern und dann für alle Eventualitäten „in petto“ zu haben. Als Arbeitnehmer haben Sie grundsätzlich keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Zwischenbeurteilung, allerdings gibt es neben möglichen tarifrechtlichen Vereinbarungen und Vereinbarungen im Arbeitsvertrag „triftige Gründe“, die Ihnen die Anfrage beim Vorgesetzten oder in der Personalabteilung erleichtert. Begeistert wird Ihr Ansprechpartner wegen der Mehrarbeit vermutlich immer noch nicht sein, aber Sie sind mit Ihrem Anspruch auf der sicheren Seite und können Ihre Beweggründe offen kommunizieren.

Ein Zwischenzeugnis anfordern

Triftige Gründe – oder auch "berechtigtes Interesse" – sind u. a. folgende Situationen: 

  • Sie arbeiten seit über 3 Jahren ohne Zwischenbeurteilung im selben Arbeitsverhältnis.
  • Sie wechseln firmenintern Ihren Arbeitsplatz oder Ihr Aufgabengebiet. (Beförderung, Versetzung)
  • Sie bekommen einen neuen Chef.
  • Ihr Arbeitsplatz ist von Outsourcing betroffen. 
  • Ihr Betrieb wird von einer anderen Firma übernommen.
  • Sie benötigen ein Zwischenzeugnis zur Vorlage bei einer Behörde oder einer anderen Institution.
  • Sie benötigen ein Zwischenzeugnis zur Vorlage bei einer Weiter- oder Fortbildung.
  • Sie sind für längere Zeit von Ihrem Arbeitsplatz abwesend. (Elternzeit, Wehr- oder Zivildienst, Auslandsaufenthalt, Sabbatical)
  • Ihr Arbeitsverhältnis wird durch Sie oder Ihren Arbeitgeber mit einem Aufhebungsvertrag beendet.

Eine Zwischenbeurteilung dient bei einer firmeninternen Versetzung z. Bdazu, Ihre Aufgabengebiete und Ihre Arbeitsleistung auf dem alten Arbeitsplatz für die Zukunft zu dokumentieren. So können Sie bei  einer späteren Bewerbung an anderer Stelle Kenntnisse und Erfahrungen in den jeweiligen Aufgabengebieten nachweisen. Die Situation bei einem Chefwechsel ist ähnlich gelagert: wer sagt, dass Ihr Verhältnis zum neuen Chef genauso gut sein wird wie es das langjährige Verhältnis zum alten Chef war? Wenn Sie sich in dieser Situation ein Zwischenzeugnis ausstellen lassen, können Sie darauf vertrauen, dass Ihre bisherige Arbeit wohlwollend beurteilt wird. Sollte es zu einem späteren Zeitpunkt Differenzen mit dem neuen Vorgesetzten geben oder sollten Sie gar gekündigt werden, kann Ihr neuer Vorgesetzter Ihre Arbeitsleistung im Arbeitszeugnis qua „Bindungswirkung“ des Zwischenzeugnisses nicht ohne triftige Gründe schlechter bewerten als in der Zwischenbeurteilung.

Zwischenbeurteilungen fallen häufig positiver als Arbeitszeugnisse aus, weil der Arbeitgeber den Mitarbeiter motivieren – oder aber wegloben! –  möchte. Ein Zwischenzeugnis ist für den Arbeitnehmer somit eine gute Möglichkeit, eine positive Bewertung der eigenen Arbeitsleistung verbindlich verschriftlich zu sehen. Sollte sich z. B. in einem Mitarbeitergespräch die Situation ergeben, dass Sie unverfänglich ein Zwischenzeugnis anregen können, sollten Sie die Gelegenheit – möglichst elegant – nutzen.  

Da bei aller Diplomatie und Loyalität bei der Nachfrage nach einem Zwischenzeugnis jedoch immer ein Restverdacht beim Arbeitgeber zurückbleibt, der Mitarbeiter wolle sich außer Haus bewerben, sollten Sie sich den Schritt, ein Zwischenzeugnis anzufragen, gut überlegen. Für eine Bewerbung aus einem bestehenden Arbeitsverhältnisses heraus ist ein Zwischenzeugnis nicht unbedingt nötig, da die Arbeitgeber um die Sensibilität des Themas wissen. Mit einem Zwischenzeugnis haben Sie, gerade weil Zwischenzeugnisse eher selten sind, vielleicht einen Vorteil gegenüber Mitbewerbern. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich unverfänglich um Zwischenbeurteilungen bemühen, wenn Sie die Möglichkeit dazu haben!

TIPP: Im Arbeitsvertrag können Zwischenbeurteilungen vereinbart werden. Achten Sie bei einem neuen Arbeitsvertrag auf eine solche Regelung oder regen Sie eine solche Regelung an. 

Ein Zwischenzeugnis formulieren

Ein Zwischenzeugnis unterscheidet sich nur geringfügig von einem Arbeitszeugnis. Wenn Sie eine Zwischenbeurteilung anfragen, sollten Sie daher – wie beim Arbeitszeugnis – unbedingt ein „qualifiziertes“ Zwischenzeugnis anfragen. Im Unterschied zum „einfachen“ Zwischenzeugnis, das ausschließlich objektive Angaben zu Tätigkeiten und Beschäftigungsdauer enthält und für einen Personalentscheider wenig aussagekräftig ist, enthält ein qualifiziertes Zwischenzeugnis außerdem eine Bewertung der Arbeitsleistung und des Verhaltens des Arbeitnehmers.

Im Aufbau unterscheidet sich das qualifizierte Zwischenzeugnis nicht vom qualifizierten Arbeitszeugnis. Ihr Zwischenzeugnis sollte dementsprechend wie folgt aussehen: 

  1. Personalien (Name, Geburtsdatum, Wohnort), Beginn des Beschäftigungsverhältnisses, Stellenbezeichnung
  2. Aufgabenbereich im Unternehmen
  3. Einzelbewertungen (Arbeitsmotivation, Arbeitskönnen, Arbeitsweise, Fachwissen, Arbeitsqualität, Sozialverhalten gegenüber Kollegen, Sozialverhalten gegenüber Kunden)
  4. Besondere Arbeitserfolge
  5. Gesamtnote
  6. Schlussformel

Im Unterschied zum Arbeitszeugnis, das in der Vergangenheitsform geschrieben ist, wird im Zwischenzeugnis durchgängig – mit Ausnahme der Beschreibung abgeschlossener Aufgaben – in der Gegenwartsform formuliert:„Herr R. arbeitet im Fachlager…“, „Herr R. ist verantwortlich für folgende Aufgabenbereiche …“ etc. Ein Zwischenzeugnis, das in der Vergangenheitsform geschrieben ist, lässt den Verdacht aufkommen, das Arbeitsverhältnis sei schon beendigt.

Anstelle der guten Wünsche in der Schlussformel des Arbeitszeugnisses findet sich im Zwischenzeugnis an dieser Stelle der Grund für das Ausstellen eines Zwischenzeugnisses und eine Formulierung, die auf den Wunsch nach einer weiteren Zusammenarbeit abstellt. Fehlt eine solche Formulierung, ist dies ein Indiz dafür, dass der Mitarbeiter „weggelobt“ werden soll!

In der Bewertung der Arbeitsleistung und des Verhaltens des Arbeitnehmers ist der Arbeitgeber wie beim Abfassen eines qualifizierten Arbeitszeugnisses an den Wahrheits- und Wohlwollensgrundsatz gebunden. Die Bewertung muss demnach nachvollziehbar sein und darf keine unnötigen negativen Formulierungen enthalten. Wie beim qualifizierten Arbeitszeugnis werden Sie es demnach auch beim Zwischenzeugnis mit einem vereinheitlichten "Geheimcode" zu tun bekommen, den es zu dechiffrieren gilt. 

TIPP: Überlegen Sie sich, ob Sie Ihrem Vorgesetzten aus Gründen der Arbeitserleichterung vorschlagen, einen Entwurf für ein Zwischenzeugnis vorzulegen. Setzen Sie sich in diesem Fall ausführlich mit verklausulierten Formulierungen in Arbeitszeugnissen auseinander! 

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg! 

 

 

Mit einer Zwischenbeurteilung optimal aufgestellt
Wer ein Zwischenzeugnis vorlegen kann, hat im Fall der Fälle bei einem späteren Arbeitszeugnis besonders gute Karten. Ohne triftigen Grund darf das Arbeitszeugnis nicht schlechter ausfallen als das Zwischenzeugnis. 
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