Arbeitszeugnis Vollständig und richtig

Ein Arbeitszeugnis begleitet Sie Ihr ganzes Arbeitsleben lang. Umso mehr sollten Sie darauf achten, dass es alle Vorgaben eines Arbeitszeugnisses erfüllt und alle Angaben richtig sind. Unsere Checklisten helfen Ihnen bei der Überprüfung. 

Arbeitszeugnis

Ein Arbeitszeugnis anfordern

Als Arbeitnehmer haben Sie bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses einen gesetzlichen Anspruch auf ein einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis. Ob der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis beendet hat, hat keinen Einfluss auf diesen Anspruch. Sollten Sie von sich aus gekündigt haben, steht Ihnen auch in dieser Situation ein Arbeitszeugnis zu. Der gesetzliche Anspruch auf ein Arbeitszeugnis erlischt auch dann nicht, wenn Sie gegen eine Kündigung durch den Arbeitgeber klagen. Fordern Sie auch hier zügig ein Arbeitszeugnis an und setzen Sie, falls nötig, Ihren Anspruch vor Gericht durch. Der gesetzliche Anspruch auf ein Arbeitszeugnis erlischt grundsätzlich nach zwei Jahren. Ein zeitnah ausgestelltes Zeugnis ist jedoch auch in Ihrem Interesse, da die Informationen zu Ihren Leistungen, Ihren Tätigkeitsbereichen und Ihrem Verhalten zu diesem Zeitpunkt noch frisch sind. Schon einige Wochen nach Ihrem Ausscheiden aus dem Unternehmen ist dies in den meisten Fällen nicht mehr der Fall. 

Einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis

Fordern Sie auf jeden Fall immer ein qualifiziertes Arbeitszeugnis an. In einem einfachen Arbeitszeugnis werden Beschäftigungsverhältnis und Tätigkeitsbereich des Arbeitnehmers zwar objektiv geschildert. Für einen Personalentscheider ist ein solches Zeugnis jedoch wenig aussagekräftig. In einem qualifizierten Arbeitszeugnis werden dagegen Leistungen, Kernkompetenzen und Verhalten des Arbeitnehmers umfassend gewürdigt und bewertet. Mit einem qualifizierten Arbeitszeugnis steigen demnach Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Auch wenn Sie eine schlechte Bewertung durch Ihren vormaligen Arbeitgeber befürchten: fordern Sie möglichst ein qualifiziertes Arbeitszeugnis an. Der Arbeitgeber ist durch den Wohlwollensgrundsatz angewiesen, negative Bemerkungen und Beobachtungen im Arbeitszeugnis zu unterlassen. Außerdem liegt die Beweispflicht bei einem Zeugnis, das schlechter ausfällt als „befriedigend“, beim Arbeitgeber. Die Chance, mit einem noch annehmbaren Arbeitszeugnis aus einer für Sie ungünstigen Arbeitssituation herauszukommen, ist also relativ groß. Ein einfaches Zeugnis löst beim nächsten Personalverantwortlichen hingegen eher Misstrauen und  – im Falle eines Vorstellungsgesprächs – entsprechende Nachfragen aus.

1. Checkliste für die Form eines Arbeitszeugnisses

Das Bundesarbeitsgericht hat klare Aussagen zur Form eines Arbeitszeugnisses getroffen. Wenn Sie Ihr Arbeitszeugnis in den Händen halten und die erste Lektüre abgeschlossen ist, sollte Ihr Augenmerk als erstes diesen Formalien gelten:

  • Wurde qualitativ hochwertiges Papier verwendet? Ist das Zeugnis sauber und ordentlich geschrieben? Ist das Zeugnis ohne Durchstreichungen, Radierungen oder Verbesserungen?
  • Entspricht die Form des Zeugnisses dem Inhalt? Wird in der Form sichtbar, dass sich der Ausstellende mit dem Inhalt identifiziert – und nicht etwa distanziert?
  • Ist das Zeugnis frei von Unterstreichungen, Ausrufungs-, Frage- oder Anführungszeichen? Ist es frei von Fettungen oder Kursivierungen?
  • Wurde das Zeugnis auf einem Firmenbogen, der den Aussteller des Zeugnisses kenntlich macht, geschrieben? Ist der Unterschrift des Zeugnisses ein Firmenstempel beigefügt?

2. Checkliste für den Aufbau eines Arbeitszeugnisses

Auch für den Aufbau eines qualifizierten Arbeitszeugnisses gibt es einen Standard, der in Ihrem Arbeitszeugnis möglichst eingehalten sein sollte. Ein Arbeitszeugnis sollte aus diesen Bausteinen bestehen: 

  1. Überschrift
  2. Personalien (Name, Geburtsdatum, Wohnort), Beginn und Ende des Beschäftigungsverhältnisses, Stellenbezeichnung
  3. Aufgabenbereich/Tätigkeiten/Funktion im Unternehmen
  4. Einzelbewertungen (Arbeitsmotivation, Arbeitskönnen, Arbeitsweise, Fachwissen, Arbeitsqualität, Sozialverhalten im Unternehmen, Sozialverhalten im Kundenkontakt)
  5. Besondere Arbeitserfolge
  6. Gesamtnote
  7. Schlussformel
  8. Unterschrift

3. Checkliste für Vollständigkeit und Richtigkeit eines Arbeitszeugnisses

Überprüfen Sie im nächsten Schritt die gemachten Angaben auf Richtigkeit und Vollständigkeit:

  • Hat das Zeugnis das richtige Ausstellungsdatum?
  • Ist die Überschrift zutreffend`
  • Sind die Angaben zur Person korrekt?
  • Ist das Enddatum des Arbeitsverhältnisses regelgerecht?
  • Sind Ihre Kernkompetenzen vollständig und genau beschrieben?
  • Sind besondere Fachkenntnisse und Erfahrungen umfassend und detailliert geschildert?
  • Sind Ihre Leistungen angemessen beurteilt? 
  • Ist der Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses genannt?
  • Ist die Schlussformel angemessen? Dankt Ihnen der Arbeitgeber für Ihre Dienste und wünscht Ihnen alles Gute für Ihre berufliche und private Zukunft?  

Sollten Sie z. B. bei der Frage nach der angemessenen Beurteilung Ihrer Leistungen oder der Richtigkeit der Schlussformulierung auch nach mehrmaliger Lektüre unsicher sein, begründet sich dieses leichte Unverständnis vermutlich in den Eigenheiten der Zeugnissprache in Arbeitszeugnissen. Was sich hinter den hölzern anmutenden Formulierungen verbirgt, erfahren Sie hier.