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Auswandererhafen Hamburg–Wie ergeht es den Auswanderern in Hamburg?
Eine Veröffentlichung der Staatlichen Pressestelle
Viele verdienen an den Auswanderern: Reeder, Zimmervermieter, die Unternehmen, die die Schiffe mit Proviant versorgen, Schiffahrtsagenten und schließlich die Stadt Hamburg - durch das erhöhte Steueraufkommen.
Der Hamburger Senat ist zwar an der Auswanderung interessiert, weil sie die Wirtschaft fördert. Jedoch möchte er nicht mittellose Auswanderer verpflegen und ist froh, dass die Reedereien ab 1890 die Versorgung der Reisenden übernehmen.
Neben dem Amerika-Kai errichtet die Hamburg-Amerika-Linie 1892 spezielle Auswanderbaracken. Seitens der Presse und der Kirche wird gegen dort bestehende hygienische Missstände protestiert. Auch nach deren Behebung sind keine großen Besserungen zu sehen.
Am Amerika-Kai bieten 10 Schlafsäle Platz für insgesamt 1400 Personen. Krankheiten verbreiten sich angesichts dieser Enge schnell. Auch bei der Cholera-Epidemie von 1892 erkranken hier viele Menschen. Wegen der Epidemie gilt ein Auswanderungsverbot.
Die Cholera-Epidemie von 1892 fordert ca. 10.000 Opfer. Russische Emigranten sollen die Erreger mitgebracht haben. Der Transitverbot des Senats wird aufgehoben, weil HAPAG- Direktor Albert Ballin droht, den Sitz der HAPAG nach Bremen zu verlagern.
An den deutschen Ostgrenzen werden auf Kosten und Vorschlag der HAPAG und des Bremer Lloyd Kontrollstationen mit ärztlicher Untersuchung und Desinfektion errichtet. Damit gilt als sichergestellt, dass keine Kranken nach Hamburg kommen.
Die Vereinigten Staaten lassen keine Träger ansteckender Krankheiten einreisen. Deswegen wird an den Kontrollstationen an der deutschen Ostgrenze, bei der Ankunft in Hamburg und bei Besteigen des Schiffes eine Augenuntersuchung durchgeführt.
Zwar verbessern sich seit 1901 die hygienischen Bedingungen und die Wohnverhältnisse für die Auswanderer. Dafür wird aber der Transit in Hamburg noch straffer durchorganisiert. Auswanderer berichten über eine seelenlose Atmosphäre bei der Abfertigung.