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Postmodernes Denkmal Hanseviertel unter Denkmalschutz

Die postmoderne Einkaufspassage in der Hamburger Innenstadt folgt der Neuen Staatsgalerie Stuttgart.

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Hanseviertel unter Denkmalschutz

15. Januar 2018, erste Meldung im Hamburg Journal: Das Hanseviertel steht jetzt unter Denkmalschutz. „Ja! Gerettet! ...werden viele sagen. Ein Stück Hamburg bleibt nun doch erhalten: Das Hanseviertel“, leitet Moderator Ulf Ansorge ein.


Eine der ersten „Wohlfühl-Einkaufszonen“

Das 1978 bis 1980 vom Hamburger Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp) erbaute Hanseviertel ist ein stadtgeschichtlich, städtebaulich und architektonisch herausragendes Bauwerk der Postmoderne in Hamburg. Die eingeschossige Einkaufspassage mit mehreren Zugängen erschließt ebenerdig den Blockinnenbereich zwischen Poststraße, Großen Bleichen, Hohen Bleichen und Heuberg. Inmitten des sogenannten Passagenviertels, einem von Fleeten durchzogenen Bereich zwischen Rathaus und Binnenalster, bildet es einen wesentlichen Anziehungs- und Orientierungspunkt. Auf dem Portal moderne-regional.de wird das Hanseviertel als eine der ersten „Wohlfühl-Einkaufszonen“ gewürdigt, für die das „Star-Büro Gerkan, Marg und Partner … eine lichtdurchflutete Komfortzone entwarf“.

Denkmalgutachten: Tradition berühmter Einkaufspassagen, hohe Qualität, an Hamburger Stadtgeschichte orientiert

Das Gutachten des Denkmalschutzamts vom Dezember 2017 begründet die Erhaltung des Hanseviertels, welche aus stadt- und baugeschichtlichen, aus künstlerischen Gründen sowie aufgrund seines Beitrags zu den charakteristischen Eigenheiten des Stadtbildes im öffentlichen Interesse liegt.

Das Hanseviertel steht in der Tradition berühmter historischer Einkaufspassagen europäischer Großstädte. Zugleich sind Architektur, Materialien und Details konsequent an hamburgischer Baukultur und Stadtgeschichte orientiert und in hoher handwerklicher Qualität ausgeführt: Außenfassaden in Anlehnung an den Kontorhausbau, außen und innen dominierender roter Backstein als traditionsreiches Baumaterial in Hamburg, grünfarbiges Metall als Anlehnung an die Kupferdächern im Stadtbild, Messingeinlegearbeiten mit Inschriften nach hamburgischen Urkunden und Zitaten aus Handel und Schifffahrt. Damit ist es ein Beispiel für den Regionalismus innerhalb der Baukunst der Postmoderne.

Mit all dem korrespondiert die Konzeption als gehobene Einkaufspassage mit durchdachter Mischung aus kleinen Einzelhandelsgeschäften und Gastronomie, die von Beginn an auch als Ort mit hoher Aufenthaltsqualität eine hohe Anziehungskraft auf Einheimische und Touristen ausübte. Städtebaulich sehr gelungen ist die Einfügung in die bestehende Blockbebauung.

Denkmal Hanseviertel: „auf Nutzungsanforderungen kreativ eingehen, solange alles Wesentliche erhalten bleibt"

Landeskonservator Andreas Kellner unterstreicht die Bedeutung des Hanseviertes, auch „…weil es in Hamburg nicht allzu viele Beispiele der Postmoderne gibt. Vor allem in dieser besonderen Qualität, die ja auch international eine breite Wahrnehmung erfahren hat. Sie wurde mit Architekturpreisen und vielen Fachpublikationen gewürdigt.“ Architekt Volkwin Marg zeigte sich erleichtert, dass mit der Unterschutzstellung der Erhalt der Passage im ursprünglichen Sinn gesichert ist.  

Auch Sat1 berichtete über das neue Denkmal. Andreas Kellner im Interview: „Wie bei anderen Unterschutzstellungen müssen sich die Eigentümer mit uns über eventuelle Veränderungsabsichten verständigen. In aller Regel gelingt das. Wir haben in vielen Fällen bewiesen, dass wir auf Nutzungsanforderungen kreativ eingehen können, solange alles für die Unterschutzstellung Wesentliche erhalten bleibt.“

Denkmalerfassung: jüngere Zeitschichten prüfen  

Der Eigentümer hatte beim Denkmalschutzamt eine Anfrage zum Denkmalwert der Passage gestellt. Entgegen anders lautender Pressemeldungen wird das Denkmalschutzamt jedoch nicht ausschließlich auf Anfrage aktiv. Die Hamburger Denkmalliste umfasst derzeit gut 12.000 Objekte. Diese werden vor allem bei anstehenden Sanierungen intensiv durch die praktische Denkmalpflege begleitet. Pro Jahr betrifft das im Durchschnitt mehr als 1.000 Fälle – also fast ein Zehntel des Denkmalbestandes. Parallel dazu untersuchen die Kunsthistoriker der Inventarisationsabteilung, ihrem gesetzlichen Auftrag entsprechend, auch neuere Zeitschichten wie die Spät- und Postmoderne. Anhand gesetzlich festgelegter Kriterien prüfen die Denkmalschützer, ob die Denkmalliste punktuell um herausragende Zeugnisse der jüngeren Baugeschichte erweitert werden muss. 

Postmodernes Denkmal: Neue Staatsgalerie Stuttgart

Auch in anderen Bundesländern stehen schon Bauwerke der Postmoderne unter Denkmalschutz. Ein berühmtes Beispiel ist die Neue Staatsgalerie Stuttgart, die – fast zeitgleich mit dem Hanseviertel – 1979 bis 1984 von James Stirling errichtet wurde. Bereits seit 2014 ist die Neue Staatsgalerie Stuttgart ein eingetragenes „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“.     

Historischer Baufilm zum Hanseviertel

Das Video „City unter Glas“ (Strabag, 1982) gibt Einblicke in Planung, Bau, Eröffnung und Nutzung des Hanseviertels.  Der damalige Erste Baudirektor Dr. Klaus-Dieter Ebert vermittelt die Planungsabsichten der Stadt, mit Vorhaben wie dem Hanseviertel, die Innenstadt zu beleben und aufzuwerten. Architekt Volkwin Marg erläutert am Modell das Konzept für die Passage. Zu sehen sind auch die sensible Einfügung in den Bestand unter Erhalt historischer Fassaden sowie die Ergänzung des 1925/26 von Fritz Höger geplanten Broschek-Hauses in rotbraunem Klinker (Große Bleichen / Heuberg, heute Renaissance Hotel).