Behörde für Kultur und Medien

Interview „Denkmalschutz ist wichtig“

aus dem Sommergespräch mit Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien bei NDR 90,3 am 14. Juni 2017 

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Im Gespräch mit Catarina Felixmüller äußerte sich Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, auf NDR 90,3 auch zum Denkmalschutz.

 

Catarina Felixmüller: „Denkmalschutz gehört auch zu Ihrem Amt. Ein zahnloser Tiger? Fragen sich so manche in der Stadt, wenn sie beobachten, was im Zusammenhang mit den City-Höfen oder auch mit dem Bunker, der angeblich jetzt begrünt werden soll, passiert ist. Wie wichtig ist der Denkmalschutz in Hamburg? Welche Rolle spielt er?“ 

Dr. Carsten Brosda: „Der Denkmalschutz ist wichtig. Er ist allein schon deshalb wichtig, weil wir uns in einer Stadt bewegen, die sich so hochdynamisch verändert, wie Hamburg das immer getan hat. Da müssen wir das kulturelle und das baukulturelle Erbe in einer Stadt sichtbar halten.

Und man muss an der Stelle, glaube ich, sehr deutlich differenzieren: Wir haben weit über zwölftausend Denkmäler in der Stadt. Wir haben weit über tausend denkmalbezogene Verfahren pro Jahr, wo es darum geht: Darf man an einem Denkmal was verändern? Und der aller-, aller, allergrößte Teil funktioniert, ohne dass sich jemals in der Öffentlichkeit jemand darüber aufregt. Indem man einfach gemeinsam mit dem Denkmalschutz und den dortigen Kolleginnen und Kollegen redet. Die Kolleginnen und Kollegen helfen sehr praktisch und pragmatisch dabei, diesen dauerhaften Balanceakt zwischen der Nutzbarkeit einerseits und dem Erhalt der historischen und kulturellen Substanz andererseits in Verbindung zu bringen.   

Und dann gibt es die wenigen Symbolimmobilien, an denen sich dann die Debatten entzünden. Zwei davon haben Sie eben genannt. Das ist so. Ich glaube, das muss eine Stadt auch immer wieder aushalten, weil eine Stadt auch immer wieder in der Lage sein muss, mit sich selber zu verhandeln, wie sie mit ihrem Erbe umgeht.

Da gehen Entscheidungen mal so und mal so aus. Nicht immer sind am Ende von solchen Entscheidungen diejenigen, die aus denkmalfachlicher Sicht oder aus kulturpolitischer Sicht draufgucken, so vollständig glücklich mit dem, was dabei rausgekommen ist.

Catarina Felixmüller: „Wie oft sind sie es nicht?“

Dr. Carsten Brosda: „Naja, auch da muss man gucken… Ich war letzten Sommer in der Toskana im Urlaub, und wir waren in Volterra, unter anderem. Und in Volterra ist ein Amphitheater, ein wunderschönes, eines der schönsten der Region, das noch erhalten ist. Es ist deshalb erhalten, weil man es irgendwann mal umgenutzt hat als Badeanstalt. Das heißt der Eingriff in ein Denkmal mit dem Ziel der Nutzbarkeit in einer neuen Funktion hat dazu geführt, dass am Ende beides erhalten worden ist.

Ich bin auch beispielsweise beim Bunker Feldstraße der Meinung, wir haben nie so viel über diesen Bunker gesprochen, wie seit dem Moment, seitdem der Plan aufgekommen ist, das Dach dort zu begrünen und es aufzustocken. Und wir hätten wahrscheinlich auch nicht darüber gesprochen, sondern er hätte da weiter gestanden, und wäre der Medienbunker gewesen, in den man halt reingeht, wenn man zum Beispiel das Ensemble Resonanz hören will in dem wunderschönen Resonanzraum. Jetzt hab ich eine Diskussion, und unabhängig davon, ob ich es richtig oder falsch finde, das da zu machen, findet eine Auseinandersetzung in der Stadt mit dieser historischen Substanz statt. Das, finde ich, hat schon eine eigene Bedeutung an der Stelle. Und ich glaube, dass wir in aller Regel damit sehr umsichtig und sehr vernünftig umgehen und die Denkmalsubstanz, die wir in der Stadt haben, sehr wohl erhalten.  

Zudem haben wir die Situation, dass wir in der Stadt auch mehr Stadt ermöglichen wollen. Das heißt, wir wollen auch Menschen das Wohnen in der Stadt ermöglichen und nicht nur Wohnungen am Stadtrand bauen. Dann müssen wir aber auch in der bestehenden Substanz von Stadt etwas verändern, um das möglich zu machen, damit wir diese Urbanität leben können.

Und das Letzte vielleicht: Wir haben ja 2013 im Denkmalschutzgesetz das sogenannte Ipsa-lege-Prinzip eingeführt. Das heißt: Ein Denkmal ist aus dem Erkennen seines Denkmalwerts heraus schon ein Denkmal und braucht nicht mehr einen weiteren formellen Akt.

Dadurch haben wir eine Klärung herbeigeführt. Vorher gab es die merkwürdige Kategorie der erkannten Denkmale, nach dem Motto: Das könnte eins sein, wir wissen es aber noch nicht, weil wir noch nicht geprüft haben. Da ist ganz viel schiefgelaufen in dieser Zwischenkategorie. Diese Kategorie gibt es nicht mehr. Die erkannten Denkmale sind im Prinzip alle übernommen worden als Denkmale. Was aber natürlich auch zur Folge hat, dass es jetzt auch häufiger mal sein kann, dass ich jetzt einen Eingriff erlaube, als das vorher der Fall war, als ich nur über die gesprochen habe, bei denen ich am Ende eines sehr langen formalen Prozesses festgestellt habe: Das ist ein Denkmal. Mit entsprechend weniger Substanz, die ich dann da hatte. Da bin ich jetzt mehr im Aushandlungsprozess.

Was man insgesamt lernen kann: Dass es immer schlau ist von allen Beteiligten, die ein Denkmal haben, oder glauben, eins zu haben und dort etwas tun wollen, schon ganz früh mit dem Denkmalamt zu suchen. Dann findet sich dort in aller Regel eine Lösung, mit der alle Beteiligten Leben können.                     

 

Das vollständige Sommergespräch mit Kultursenator Carsten Brosda ist in der NDR-Mediathek unter diesem Link zu finden (das Statement zum Denkmalschutz zum Nachhören ab 00:18:45)