Behörde für Schule und Berufsbildung

Zweiter Brief von Schulsenatorin Christa Goetsch an die Hamburger Schulen

In einem zweiten Brief an die Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler die Eltern sowie die Schulsekretariate, Hausmeister und Betriebsarbeiter aller staatlichen Schulen und Schulen in freier Trägerschaft in Hamburg informiert die Senatorin Christa Goetsch über den Stand der Hamburger Schulreform.

Zweiter Brief von Schulsenatorin Christa Goetsch an die Hamburger Schulen

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Eltern,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

das Schuljahr geht zu Ende und Sie alle freuen sich schon auf die Sommerferien. Ich möchte Sie vor Beginn der Sommerpause mit diesem zweiten Schulbrief über den Stand der Hamburger Schulreform 2008 – 2012 informieren: Welche Neuerungen hat es in der Zwischenzeit gegeben? Was wird das neue Schuljahr bringen? Was ist als Nächstes nach den Sommerferien geplant?

Wir haben die Zeit seit dem ersten Brief vom 19. Mai für die ersten Schritte auf dem Weg der Schulreform genutzt:

  • Zum neuen Schuljahr werden keine neuen 7. Hauptschulklassen mehr eingerichtet; nach den Sommerferien werden Haupt- und Realschülerinnen und -schüler nach der 6. Klasse gemeinsam in der 7. Klasse weiter unterrichtet und können nach der 9. Klasse den Haupt- und nach der 10. Klasse den Realschulabschluss machen. Die 8. und 9. Hauptschulklassen bleiben bestehen.
  • Mit 60 neuen Lehrerstellen wird im kommenden Schuljahr der Unterricht in den oftmals sehr großen 3. und 4. Klassen an den Grundschulen verbessert. Die Klassen können zeitweise geteilt oder von zwei Lehrerinnen und Lehrern gleichzeitig unterrichtet werden.
  • In Wilhelmsburg und Finkenwerder werden vom neuen Schuljahr an vier Schulen zu Ganztagsschulen ausgebaut. Dafür werden 28 neue Lehrerstellen geschaffen. Der Ausbau geschieht in Schritten mit dem Ziel gebundener Ganztagsschulen zum Schuljahr 2010/11. Gebundene Ganztagsschulen bieten von 8 bis 16 Uhr über den Tag verteilten Unterricht mit Bewegungs- und Entspannungsphasen sowie einer Mittagspause mit warmem Essen.
  • Für die bestehenden Ganztagsschulen werden 28 neue Pädagogenstellen bereitgestellt. Mit ihnen werden unter anderem zügig Honorarstellen in feste Pädagogenstellen umgewandelt, um eine verlässliche Beziehung zu den Kindern zu gewährleisten.

Damit gehen wir die ersten Schritte der Hamburger Schulreform 2008-2012. Gleichzeitig haben wir begonnen die weiteren Maßnahmen sorgfältig vorzubereiten.

Für die Dringlichkeit einer grundlegenden Reform gibt es drei wesentliche Gründe: Erstens: Der Schulerfolg der Kinder ist nach wie vor an die soziale Herkunft gebunden. Das ist nicht gerecht und ein großer Verlust für Hamburg. Zweitens: 30% der Hamburger Schülerinnen und Schüler sind laut PISA sogenannte „Risikoschüler“ mit wenig Chancen auf Ausbildung und Arbeit. Drittens: Hamburgs Schülerinnen und Schüler sind nicht weniger klug, als Schülerinnen und Schüler aus Finnland, Kanada oder der Schweiz. Trotzdem liegen deren Schülerinnen und Schüler mit ihren Lernerfolgen immer weit vor den Hamburgern. Hier gehen Talente und Potenziale der Schülerinnen und Schüler verloren.

Bei der Umsetzung der Schulreform setzt die Behörde für Schule und Berufsbildung gezielt auf einen Dialog mit Ihnen allen. Hierzu werden von September 2008 bis Mai 2009 regelmäßige „Regionale Schulentwicklungskonferenzen“ mit Schulleitungen, Lehrkräften und Vertretungen der Eltern sowie der Schülerinnen und Schüler eingerichtet. Sie entwickeln in diesem für Hamburg neuen Modell Empfehlungen für geeignete Schulstandorte mit optimalen Bildungsangeboten in ihrer Schulregion. Diese Empfehlungen sind Grundlage für die Entscheidungen der Behördenleitung.

Im neuen Schuljahr startet auch die Fortbildungsoffensive für Lehrerinnen und Lehrer. Das Landesinstitut für Lehrerfortbildung und Schulentwicklung schult Klassen- und Fachlehrer für die Modernisierung des Unterrichts, in deren Mittelpunkt Methoden gemeinsamen Lernens und die optimale individuelle Förderung auch von besonders Begabten oder von Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten stehen.

Die Behörde für Schule und Berufsbildung lädt ausdrücklich alle Beteiligten und Interessierten ein, sich konstruktiv an diesem Prozess zu beteiligen. Wir sind überzeugt, dass sich der Einsatz lohnt – für alle Kinder und Jugendlichen unserer Stadt.

In dem Informationstext: „Eine kluge Stadt braucht alle Talente - Die Hamburger Schulreform 2008 – 2012“ können Sie die wichtigsten Informationen und Entwicklungsschritte der nächsten Monate nachlesen. Sie finden den Text als Anlage zu diesem Brief und im Internet unter: www.bbs.hamburg.de

Ihnen allen wünsche ich erholsame Sommerferien, allen Schulabgängerinnen und Schulabgängern wünsche ich einen erfolgreichen Start in das Leben nach der Schule.

Ich freue mich auf das kommende Schuljahr mit Ihnen.

Herzliche Grüße
Ihre

Christa Goetsch