Behörde für Schule und Berufsbildung

BQ 21 Monitoring, Evaluation und Diagnoseverfahren Evaluation: TheaterSprachCamp

Evaluation des Projekts TheaterSprachCamp

Evaluation: TheaterSprachCamp

Seit 2007 wird in Hamburg das TheaterSprachCamp (TSC) durchgeführt, eine besondere Fördermaßnahme für Kinder mit ausgeprägtem Sprachförderbedarf. Für drei Wochen fahren in der zweiten Hälfte der Sommerferien etwa 280 Kinder in verschiedene Camps an schönen Orten in der näheren und weiteren Umgebung Hamburgs.
Das TheaterSprachCamp ist ein Gemeinschaftsprojekt der Behörde für Schule und Berufsbildung und der Universität Hamburg. Die Trägerschaft und die Koordination der Camps übernimmt das Jugenderholungswerk (JEW).

Auftrag und Zielsetzung

Auftraggeber: Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB)
Kooperationspartner: Universität Hamburg, Jugenderholungswerk Hamburg
Laufzeit: seit 2007

Das seit 2007 als besondere Sprachfördermaßnahme im Rahmen des Hamburger Sprachförderkonzepts bestehende TheaterSprachCamp richtet sich an Kinder mit einem diagnostizierten additiven Sprachförderbedarf, die zuvor die dritte Klasse besucht haben und zusammen mit Fachpädagogen in den Sommerferien drei Wochen in einem Camp verbringen. Durch die Verbindung der drei Elemente Freizeitpädagogik, Sprachförderung und theatrale Methoden sowie die vergleichsweise lange gemeinsam verbrachte Zeit gelingt eine besondere Intensität der Förderung.

Das Hamburger TheaterSprachCamp wird seit seiner ersten Durchführung im Jahr 2007 vom IfBQ evaluierend begleitet. Für alle bisherigen Camps konnte jeweils ein nachweisbarer Fördererfolg und ein spezifischer Lernzuwachs für die in dieser besonderen Maßnahme geförderten Kinder nachgewiesen werden.

Zentrale Fragestellungen

Die Fragestellungen für die Evaluation beziehen sich auf folgende Bereiche:

  • Es soll die unmittelbare Wirksamkeit der Sprachförderung in Form des Sprachcamps auf die Sprachleistungen und auf lernbezogene überfachliche Kompetenzen von Kindern mit und ohne mehrsprachigen Hintergrund analysiert werden.
  • Es sollen darüber hinaus längerfristige Auswirkungen des Trainings auf die Lernentwicklung der Kinder untersucht werden – erstmals auch die Auswirkungen der Fortführung des Sprachtrainings über das gesamte Schuljahr in TheaterSprachKursen.

Anlage der Untersuchung

Design
Die Fragestellungen werden in einem längsschnittlichen Design mit Kontrollgruppe untersucht. Jede Kohorte wird zu drei Zeitpunkten getestet:

  • unmittelbar vor dem TheaterSprachCamp,
  • unmittelbar nach dem TheaterSprachCamp und
  • ein Jahr nach dem TheaterSprachCamp.

Mit der Vortestung unmittelbar vor dem Camp soll die Ausgangslage ermittelt werden, die erste Nachtestung nach den Sommerferien soll zeigen, ob und in welchen Bereichen durch das Training im TheaterSprachCamp feststellbare Verbesserungen erzielt werden. Die zweite Nachtestung am Ende des Schuljahres soll die Nachhaltigkeit dieser Veränderungen überprüfen.

Ablauf und Instrumente

Die Leistungen der Kinder im Deutschen werden mit standardisierten Tests (KEKS Deutsch, Stolperwörterlesetest, Itemauswahl HSP) erhoben. Zusätzlich zu den Leistungstests schätzen die Kinder ihre überfachlichen Kompetenzen und ihre Sprachkompetenz ein.

Ebenfalls jährlich werden die am Projekt beteiligten Pädagogen mit schriftlichen standardisierten Fragebögen befragt. Im Fokus stehen dabei die Vorbereitung auf das TheaterSprachCamp, die didaktischen Materialien sowie die strukturellen und konzeptionellen Rahmenbedingungen während der Durchführung.

Ergebnisse

Die Evaluation des TheaterSprachCamps wurde seit 2007 mit fünf verschiedenen Sprachtests zu jeweils drei Zeitpunkten pro Camp durchgeführt, um spezifische Trainingseffekte nachweisen zu können und die Lernentwicklung der Kinder zu verfolgen. Die Ergebnisse der Datenauswertung haben über die letzten Jahre gezeigt, dass die Campkinder überdurchschnittliche Lernerfolge in den im Camp geförderten Bereichen erzielen. Die positive Wirkung des TheaterSprachCamps auf die Sprachentwicklung der Kinder konnte bisher über fünf Campdurchgänge bestätigt werden. So fand sich in der Nachtestung unmittelbar nach dem TheaterSprachCamp in den folgenden Bereichen ein im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant höherer Lernzuwachs:

  • für das Camp 2007 in der Grammatik,
  • für die Camps 2008, 2010 und 2011 im Wortschatz,
  • für das Camp 2009 im sinnerfassenden Lesen (C-Test).

Daneben zeigten sich in diesen Durchgängen jeweils in anderen im Camp trainierten Bereichen ebenfalls Wirkungen, die jedoch nicht im Bereich statistischer Signifikanz liegen. Da sich in den im Camp nicht geförderten Bereichen Rechtschreibung und Lesegeschwindigkeit (Stolperwörterlesetest) jeweils kein höherer Lernzuwachs der Campkinder zeigte, sind die genannten Effekte des Camps tatsächlich als spezifisch zu interpretieren. Das heißt: Das Camptraining führt nachweislich zu höherem Lernerfolg der Kinder.

Zusätzlich zu den Leistungssteigerungen werden bei vielen Campkindern von den beteiligten Lehrkräften positive Veränderungen in ihren Einstellungen und ihrem Verhalten beobachtet. Für die Evaluation des TheaterSprachCamps 2010 wurden daher jeweils zum ersten und zum zweiten Erhebungszeitpunkt Einschätzungsbögen zu überfachlichen Kompetenzen  und zur Sprachkompetenz von den Lehrkräften ausgefüllt. Die Auswertung dieser Daten bestätigt die früheren Aussagen. Die Daten der Lehrer-Einschätzungsbögen vor und nach dem Camp zeigen für die Campkinder – auch im Vergleich zur Kontrollgruppe – einen deutlichen Anstieg

  • in der Motivation,
  • im Selbstbewusstsein,
  • in der Konzentrationsfähigkeit,
  • in der Fähigkeit, eine eigene Meinung zu vertreten sowie
  • eine optimistischere Einstellung in Bezug auf ihre schulischen Leistungen.

Um die Nachhaltigkeit der beobachteten Campeffekte zu überprüfen, wurden die Sprachtests jeweils ein Jahr nach dem TheaterSprachCamp am Ende des vierten Schuljahres wiederholt. Hier zeigte sich in den ersten Jahren der Durchführung ein Problem mangelnder Nachhaltigkeit: Die im Camp geförderten Kinder verloren den Schub, der sich durch die intensive Camp-Förderung ergeben hatte, über das Schuljahr zum großen Teil wieder. In einigen Fällen lagen ihre Leistungen in der dritten Erhebung sogar unter denen der Kontrollgruppe. Vielfältige Maßnahmen sind seitdem ergriffen worden, um eine bessere Nachhaltigkeit des Lernerfolgs der Campkinder herzustellen. Dazu gehört insbesondere eine stärkere Einbeziehung der beteiligten Lehrkräfte, u. a. mit Workshops, in denen die Methoden der TheaterSprachCamps vorgestellt werden. Im Schuljahr 2012/13 werden an Pilotstandorten für Teilnehmer des TheaterSprachCamps 2012 erstmals TheaterSprachKurse abgehalten.

Publikationen

Berichte 2007 bis 2010: www.schulenfoerdern.de

Ansprechpartnerin

Julia Hein