Behörde für Umwelt und Energie

climate 20 press conference 2017 Klimafakten als Grundlage für politische Entscheidungen

Presseinformation zum Stand der Forschung - Zusammenfassung

Der Meeresspiegelanstieg wird Folgen für Küstenmetropolen in G20-Staaten haben. Er bringt erheblicheRisiken für Wohn- und Lebensraum von hunderten Millionen von Menschen. Bauten und Infrastrukturenim Wert von Billionen US-Dollar sind unmittelbar durch den Anstieg des Meeresspiegels bedroht. Die heutigen Emissionen lassen langfristig weite Küstenstreifen unter dem Meeresspiegel liegen. Die Dringlichkeit erfordert ernsthaften Umgang mit Fakten. Schon jetzt sind irreversible Änderungen von Klimaprozessen in allen Regionen der Welt sichtbar. Es sind gemeinsame Maßnahmen aller Staaten auf globaler Ebene zum Schutz des Klimas unumgänglich. Hierzu zählen auch die Städte. Sie tragen eine große Verantwortung. Bereits bestehende Risse im gemeinsamen Haus Erde müssen jetzt gekittet werden. Um die Entscheidungsgrundlage stetig zu verbessern und den Erkenntnisprozess nicht abreißen zu lassen,
brauchen wir eine unabhängige Wissenschaft.

Klimafakten als Grundlage für politische Entscheidungen

Vor diesem Hintergrund stellen wir die wesentlichen Fakten zum Klimawandel zur Verfügung:


1. Die Luft an der Erdoberfläche hat sich bereits deutlich erwärmt: Drei Rekordjahre in Folge wurden noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnung registriert.
2. Seit mehreren Jahrzehnten zeigt sich ein klarer Aufwärtstrend: Seit den 1960er Jahren war jede Dekade wärmer als die vorherige.
3. Die Häufung von Temperaturrekorden in den vergangenen Jahren ist höchst ungewöhnlich.
4. Die Ozeane haben sich deutlich erwärmt: Die Ozeane sind in 35 Jahren um 0,5°C wärmer geworden.
5. Der größte Teil der globalen Erwärmung (93 Prozent) wird in den Meeren gespeichert.
6. Der Meeresspiegel steigt: Die Anstiegsrate beträgt aktuell 3,4 mm pro Jahr (± 0,4mm).
7. Der Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre nimmt stetig zu: Höchste CO2-Konzentration seit mindestens 800.000 Jahren.
8. Die Ozeane versauern: Säuregehalt der Meeresoberfläche in 150 Jahren um rund 30 Prozent gestiegen.
9. Grönland verliert massiv Eis: Verlust beträgt 250 bis 300 Milliarden Tonnen pro Jahr.
10. Gletscher und Schnee schwinden: 80 Prozent der beobachteten Gebirgsgletscher verlieren Eismasse.
11. Das Meereis rund um den Nordpol wird stetig weniger: Rekordminus im Winter 2016/17.
12. Auch in Deutschland ist der Klimawandel unübersehbar: Erwärmung seit 1881 beträgt 1,4 °C
13. Markante Zunahme von Hitzeereignissen (DE): Häufigere und intensivere Hitzewellen.
14. Das Risiko von Hochwassern nimmt zu. (DE): Kritischen Wetterlage tritt deutlich häufiger auf.
15. Schwere Gewitter richten größere Schäden an: Anzahl von schadenrelevanten Naturereignissen hat sich global verdreifacht, gewitterbedingte Schäden sind bereits gestiegen.
16. Der Meeresspiegel an den deutschen Küsten steigt. Nord- und Ostsee in 100 Jahren um 10 bis 20 Zentimeter gestiegen.
17. Pflanzen und Tiere reagieren auf die allgemeine Erwärmung (DE)
18. Land- und Forstwirtschaft spüren bereits deutlich Folgen des Klimawandels (DE)

Jens Kerstan, Senator für Umwelt und Energie der Freien und Hansestadt Hamburg:„Hamburg ist direkt vom Klimawandel betroffen. Wir müssen uns auf mehr Starkregen einstellen, auf häufigere Stürme und nassere Winter – und natürlich auf einen Anstieg des Meeresspiegels. Wir wollen unsere CO2-Emissionen bis 2030 um 50 Prozent senken, dafür arbeiten wir mit Hochdruck an der Verkehrswende – bauen den Radverkehr und das Bus- und Bahnnetz massiv aus. Bei der Wärmewende geht es um die Heizungen in hunderttausenden Haushalten, hier wollen wir weg von der Kohle und setzen auf maximal viel Erneuerbare Energiequellen. Gleichzeitig ist die Anpassung an die Klima-Veränderungen die zweite Säule unserer Klimapolitik: Wir erhöhen die Deiche, sorgen für vernünftige Versickerung von Regenwasser oder pflanzen klimaresistente Bäume in Straßen und Parks. Um das Zwei-Grad-Ziel von Paris nicht zu überschreiten, tragen die Städte eine große Verantwortung. Hamburg ist gerade vorgestern dem ,Covenant of Mayors for Climate and Energy‘ beigetreten, einem Klima-Netzwerk von Metropolen, Kommunen und kleineren Städten.“

Prof. Dr. Mojib Latif, 1. Vorsitzender Deutsches Klima-Konsortium e. V. (DKK):
„Wir widersprechen vehement öffentlichen Beiträgen, die in der Bevölkerung zur Verunsicherung über die Faktenlage hinsichtlich des Klimawandels führen können. Angesichts der Dringlichkeit eines weltweiten Klimaschutzes möchten wir folgende Punkte herausstellen:
1. Der Klimawandel ist eine Tatsache und der Mensch die Hauptursache. Ohne die menschliche Aktivität, insbesondere die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, lassen sich die beobachteten Veränderungen im Klimasystem nicht erklären.
2. Der natürliche Wechsel von Kalt- und Warmzeiten erfolgt über Jahrzehntausende. Die derzeit beobachtete, im Vergleich dazu schnelle Erwärmung in nur etwa 150 Jahren mit ihren vielfältigen Folgen ist eine völlig neue Entwicklung. Der Vergleich mit früheren Warmzeiten ist unzulässig.
3. Fortgesetzte Emissionen von Treibhausgasen werden eine weitere Erwärmung und langanhaltende Änderungen aller Komponenten des Klimasystems verursachen und damit die Wahrscheinlichkeit von schwerwiegenden weitverbreiteten und irreversiblen Folgen für Menschen und Ökosysteme erhöhen.“

Dr. Paul Becker, Vizepräsident Deutscher Wetterdienst (DWD):
„Irreversible Änderungen globaler und lokaler Klimaprozesse sind heute schon in allen Regionen der Welt zu beobachten. Um die Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels auf unsere Gesellschaften zu begrenzen, sind gemeinsame Maßnahmen aller Staaten auf globaler Ebene zum Schutz des Klimas unumgänglich. Darüber hinaus werden aber mit weiteren Treibhausgasemissionen auch Anpassungsmaßnahmen auf lokaler Ebene immer mehr an Bedeutung gewinnen.“

Dipl.-Met. Inge Niedek, 1. Vorsitzende Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG), Chair International Association of Broadcast Meteorology (IABM):
„In Zeiten, in denen die Existenz von Fake-News wohlbekannt ist und sich diese dennoch verbreiten, brauchen wir, mehr als jemals zuvor,  eine seriöse Wissenschaft als neutrales Korrektiv. Wissenschaft ist der Schlüssel zur Vergangenheit, das Fundament für die Gegenwart und die Hoffnung für die Zukunft, und sie kennt keine Grenzen. Wir brauchen die Wissenschaft, um Erkenntnisse aus der Vergangenheit zu gewinnen, zu verstehen, um daraus zu lernen. Das ermöglicht es uns in der Gegenwart, unsere Aktionen und Maßnahmen zu bewerten, zu steuern und zu planen, um daraus hoffentlich die richtigen Schlüsse für die Zukunft zum Wohle zukünftiger Generationen zu ziehen.“

Frank Böttcher, Direktor Institut für Wetter- und Klimakommunikation, Vorstand Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG), Vorstand Verband Deutscher Wetterdienstleister (VDW), Vorstand Hamburger Klimaschutzstiftung:
„Stellen Sie sich ein großes Haus vor, aus dem nach und nach einzelne Wände und Stützen entfernt werden. Anfangs werden die Folgen nicht sichtbar sein. Nach einiger Zeit entstehen Risse. Schließlich bricht das Haus abrupt zusammen. Im System Erde sind die ersten Risse deutlich sichtbar und sie wachsen. Die Veränderungen in der Atmosphäre und im Ozean schreiten so rasch voran, dass erste Ökosysteme bereits massiv in Mitleidenschaft gezogen werden. Dabei sind zunächst Bereiche betroffen, für deren Erhalt stabile Verhältnisse die Grundlage sind und die bereits auf kleine Schwankungen empfindlich reagieren. Hierzu zählen u.a. die Korallenriffe, wie die im Great Barrier Reef. Große Teile dieses Ökosystems sind zusammengebrochen. Wie beim Haus, steht aber kein Zimmer für sich alleine. Jede Veränderung hat Einfluss auf die Statik des gesamten Systems. Es ist jetzt wichtig, die Risse im gemeinsamen Haus Erde zu  kitten und die Klimaziele von Paris umzusetzen. Die Veränderungen in unserer Umwelt erfordern das gemeinsame Handeln der G20. Grundlage des gemeinsamen Handelns ist der friedfertige und kooperative Umgang der Staaten und Kulturen. Hierauf sollten die G20-Teilnehmer mit all ihrer Kraft hinwirken.“

Details entnehmen Sie bitte der ausführlichen Presseerklärung.

Digitale Version: http://t1p.de/mhps 

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