Röhrenbunker Tarpenbekstraße Schutzraum, Altwarenhandel, Partykeller

Der Röhrenbunker in der Tarpenbekstraße wurde im Sommer 1940 als einer der ersten Röhrenbunker in Hamburg gebaut. Der Bunker bot im Zweiten Weltkrieg 100 Menschen Schutz vor Bombenangriffen. Nach dem Krieg wurde der Schutzraum als Altwarenhandel und Veranstaltungsraum genutzt.

1 / 1

Röhrenbunker Tarpenbekstraße

Röhrenbunker Tarpenbekstraße

Adresse
Tarpenbekstraße 66, 20251 Hamburg

Kein Schutz vor Volltreffern

Eine glänzende Aluminiumplatte im dichten Grün direkt am Fußweg, ein Geländer, das eine Treppe nach unten erahnen lässt – unweit der Kreuzung Tarpenbekstraße/Lokstedter Weg im Hamburger Stadtteil Eppendorf liegt der Eingang zum Röhrenbunker aus dem Zweiten Weltkrieg.

Die Bauweise des Bunkers ist schlicht: Zwei 16 Meter lange Betonröhren liegen knapp fünf Meter tief im Erdreich. Insgesamt hat der Bunker eine Länge von 20 Metern. Beim Bau wurde darauf geachtet, dass der Bunker feuersicher, gas- und rauchsicher, splittersicher, trümmersicher und verschüttungssicher ist. So gab es neben dem normalen Eingang auch einen Notausgang. Einem direkten Treffer hätte der Bunker mit seiner Wandstärke von nur knapp 60 Zentimetern jedoch nicht standgehalten.

Abwarten in den Röhren

In jeder Röhre des Bunkers war Platz für 50 Menschen, insgesamt fanden im Bunker an der Tarpenbekstraße also 100 Menschen Schutz vor den Bombenangriffen. Im Inneren saßen sich die Schutzsuchenden in den Röhren auf Bänken gegenüber. Wenn die Menschen bei Alarm in den Schutzraum flüchteten, waren es meist jedoch deutlich mehr als 100. Zeitzeugen erzählen von 300 bis 400 Personen, die sich in den Bunker flüchteten. Dort hielten sich während der Angriffe hauptsächlich Frauen und Kinder aus den umliegenden Häusern auf. Juden hatte keinen Zutritt.

Über den Bunkerwart, der in einer Öffnung im Inneren saß, war es auch möglich, zwischen den beiden Räumen zu kommunizieren. Zudem gab der Bunkerwart bei Gefahr Anweisungen. Der Röhenbunker war nur notdürftig eingerichtet. Es gab schlichte Bänke, Trockenklosetts und Licht, aber kein Wasser. Bei Stromausfall und völliger Dunkelheit sorgten Phosphorstreifen an den Wänden für Orientierung. Kerzen durften nicht angezündet werden, da diese zu viel des kostbaren Sauerstoffs in den Röhren verbraucht hätten.

Vom Altwarenhandel zum Partykeller

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bunker anderweitig genutzt. Von 1950 bis 1956 ließ sich zunächst ein "Plünnhöker", ein Altwarenhändler in den Betonröhren nieder. Den Eingangsbereich nutzte er als Verkaufsraum, in den Röhren lagerten die Waren. 1960 mieteten Jugendliche den Bunker und nutzten ihn als Partykeller und Übungsraum für Jazzmusiker. Von dieser Zeit zeugen noch heute Tapeten- und Farbreste an den Wänden. Das bunte Treiben endete 1962, als der Bunker von offizieller Seite für die Öffentlichkeit geschlossen wurde und wegen des Kalten Krieges wieder seine ursprüngliche Bestimmung erhielt – im Ernstfall sollte der Bunker Schutz bieten.

In den folgenden Jahrzehnten verschwand der Schutzraum aus dem Blickfeld und stand jahrelang unter Wasser. Die Feuchtigkeit hinterließ ihre Spuren. Als Kunstraum wurde der Bunker 1995 zum 50. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus schließlich wiederbelebt. Die Künstler Michael Batz und Gerd Stange riefen das Projekt "Subbühne" ins Leben und machten den Bunker zum begehbaren Mahnmal in Gedenken an den Dichter Wolfgang Borchert, dessen Geburtshaus nur 80 Meter entfernt vom Bunker liegt. Teil des Projekts war auch eine "Rhythmische Babylonische Wasserskulptur", die den Fluss der Erinnerungen symbolisieren sollte.

Seit 2002 ist der Bunker in den Händen des Eppendorfer Stadtteilarchivs, das die Trägerschaft übernommen hat und die Röhren instand hält und regelmäßig sowie auf Anfrage Führungen durch den Bunker anbietet. 

Weitere Informationen zu Führungen im Röhrenbunker Tarpenbekstraße unter: Stadtteilarchiv Eppendorf

Karte

Weiterführende Links

Schutzraum, Altwarenhandel, Partykeller
Der Röhrenbunker in der Tarpenbekstraße wurde im Sommer 1940 als einer der ersten Röhrenbunker in Hamburg gebaut. Der Bunker bot im Zweiten Weltkrieg 100 Menschen Schutz vor Bombenangriffen. Nach dem Krieg wurde der Schutzraum als Altwarenhandel und Veranstaltungsraum genutzt.
http://www.hamburg.de/image/272338/1x1/150/150/91ecbec564870ce397ec829e12279c86/gu/roehrenbunker-tarpenbekstrasse04.jpg
20170818 15:56:39