Abschlussbericht der Online-Diskussion zur Uni-Bauentwicklung liegt vor
Senatorin Gundelach bedankt sich für qualitativ hochwertige Beiträge, die Ergebnisse fließen in die Senatsentscheidung mit ein.
Im Rahmen des Diskussionsprozesses über die „Studie zur baulichen Entwicklung der Universität Hamburg“ hatte die Behörde für Wissenschaft und Forschung zu einer dreiwöchigen moderierten Online-Diskussion im Internet aufgerufen und damit die Grundlage für einen breiten Meinungsaustausch über die bauliche Zukunft der Universität Hamburg geschaffen.
Der Abschlussbericht der Internetdiskussion, mit dessen Konzeption und Durchführung die TuTech Innovation GmbH beauftragt worden war, liegt jetzt vor und steht zum Download bereit. Auf 152 Seiten sind die wesentlichen Elemente der Diskussion, die Diskussionsergebnisse, sogenannte Themen-Wikis sowie die Protokolle der Live-Diskussionen dargestellt.
In den drei Diskussionswochen haben 4.644 Personen die Plattform besucht und 80.307 Seitenaufrufe getätigt. Die 221 registrierten Teilnehmer formulierten ihre Anregungen und Argumente in 756 Beiträgen, aus denen zwölf gebündelte Themen-Wikis entstanden. Sie reichen von der Auflistung zukünftiger Anforderungen für die Hamburger Universität über die Vor- und Nachteile der in der Studie benannten Standorte sowie die ungeklärten Risikofaktoren bis hin zu alternativen Planungsentwürfen für die Universität als auch die betroffenen Gebiete.
Im Mittelpunkt der Internetdiskussion stand dabei die Frage, welche Konsequenzen ein Umzug der Universität auf den Grasbrook sowohl für die Universität als auch die betroffenen Stadtteile haben würde. Während sich einige Teilnehmer klar für oder gegen einen Umzug aussprachen, wurde im Laufe der Diskussion aber auch nach Möglichkeiten eines Interessensausgleichs gesucht. Trotz der Vielfalt der in diesem Kontext angesprochenen Themen und Perspektiven entwickelte sich die Diskussion sehr zügig zu einer Kontroverse zwischen den Verfechtern des Erhalts der Universität am derzeitigen Standort im Grindelviertel und den Befürwortern eines Umzugs zum Kleinen Grasbrook.
Hierbei spielte es eine untergeordnete Rolle, ob es sich dabei einerseits um die Sanierung/Modernisierung oder den Abriss und Neubau vor Ort bzw. andererseits um den Umzug auf den Kleinen Grasbrook ohne Nutzung des südlichen O’Swaldkais oder die Einbeziehung des gesamten Kleinen Grasbrooks handelt.
So führten die Vertreter des Verbleibs der Universität am derzeitigen Standort eine Vielzahl an Gründen an, die aus ihrer Sicht für eine Sanierung oder einen Neubau der Uni im Grindelviertel sprechen. Genannt wurden z.B. die umfassenden Verkehrsverbindungen, die gewachsene lebendige und auf den Bedarf der Universität ausgerichtete Infrastruktur, weniger Belastung des öffentlichen Haushalts durch geringere und besser kalkulierbare Planungskosten und Umsetzungsdauer sowie die Vielzahl potentieller Erweiterungsflächen und den Bestand der für universitäre Nutzung vorbehaltenen oder gerade erst ökologisch sanierten Gebäude.
Sie bekamen Unterstützung von einer Gruppe von Teilnehmern, die für die Belange der Hafenwirtschaft eintreten. Diese vertraten die Meinung, dass die Fläche des Kleinen Grasbrook mit ihrem Wasserzugang unter keinen Umständen aufgegeben werden dürfe. So benötige der Hafen aus ihrer Sicht grundsätzlich alle potentiellen Hafenflächen und andererseits fänden die derzeit dort angesiedelten Hafenbetriebe ein optimales Umfeld auf dem Kleinen Grasbrook vor, für das es keine geeigneten Ausweichflächen gäbe.
Die Befürworter des Umzugs auf den Kleinen Grasbrook dagegen machten Vorteile für die Ausstattung und internationale Bedeutung der Universität durch den neuen Gestaltungsspielraum geltend: moderne und nach neuesten Standards ausgestattete Neubauten an einem zentral und direkt an der Elbe gelegenen Standort. Dies böte ihrer Meinung nach eine große Chance, um die Hamburger Universität auch für internationale Wissenschaftler attraktiver zu machen und ihre Wettbewerbsfähigkeit sowie Spitzenforschung zu steigern. Der vorhandene Platz ermögliche nicht nur die Schaffung der im Zusammenhang mit Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge dringend benötigten zusätzlichen Räumlichkeiten, sondern auch die direkte Ansiedlung der aus der Universität hervorgehenden neuen und wissensintensiven Unternehmen. Sie sahen im Gegensatz zu den oben genannten Gruppen keine Probleme mit der Hafenlage, da dieses Gebiet gemäß der Planungen der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt mittelfristig aus der Hafenbindung entlassen werden solle und es bereits mehrere alternative Pläne für den Kleinen Grasbrook gegeben habe.
Um einen Interessenausgleich bemühte sich eine Gruppe von Teilnehmern, die für die Kompromisslösung eines Teilumzugs des naturwissenschaftlichen MIN-Campus von der Bundesstraße zum Kleinen Grasbrook eintraten. Hierdurch könnte für die dringend sanierungsbedürftigen Naturwissenschaften ein neuer und gut ausgestatteter technisch-naturwissenschaftlicher Campus auf dem Kleinen Grasbrook entstehen, der mit der bautechnischen HafenCity Universität sowie der Technischen Universität Hamburg-Harburg harmonieren und in das technisch-industrielle Hafenpanorama passen würde.
Gerade dieser Kompromiss wiederum wurde aber von manchen Teilnehmern vehement abgelehnt, da es bei der Modernisierung der Universität ihrer Ansicht nach insbesondere um eine bessere Verbindung der einzelnen Fachbereiche, gestärkte Interdisziplinarität und die Schaffung kurzer Wege gehen solle. Dem würde der angedachte Teilumzug auf den Kleinen Grasbrook jedoch vollständig zuwiderlaufen.
Unter einigen Teilnehmern des Forums herrschte eine gewisse Skepsis gegenüber mehreren Punkten der Studie, die sie als ungeklärt und risikobehaftet ansehen. So erschien manchen Nutzerinnen und Nutzern der veranschlagte Bauzeitraum als zu optimistisch. Daran anknüpfend wurden von diesen Teilnehmern auch die veranschlagten Kosten für die Szenarien angezweifelt und als unrealistisch eingeschätzt.
Einig waren sich viele Teilnehmer hingegen darin, dass die Qualität der Universität nicht allein von Räumlichkeiten abhängt, sondern zu einem großen Teil auch von der Ausstattung mit Personal und Sachmitteln. Die Investition in Bildung und Forschung wurde von den meisten Nutzerinnen und Nutzern sehr begrüßt und als ebenso richtiges und wichtiges Signal gewertet wie die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger, Mitarbeitenden und Studierenden bei der Klärung der Frage nach der zukünftigen Entwicklung der Universität Hamburg.
Wissenschaftssenatorin Dr. Herlind Gundelach: „Mit der Präsentation der Entwicklungsstudie Ende März haben wir einen breit angelegten Diskussionsprozess in der Stadt gestartet. Wir wollten wissen: Wie stellen die Hamburgerinnen und Hamburger sich die Lage und Gestaltung einer zukunftsfähigen Universität Hamburg vor? Welche Meinung haben sie zur allgemeinen Entwicklung des Wissenschaftsstandorts Hamburg?
Das Online-Bürgerforum war ein Teil des Prozesses. Die Internetdiskussion hat dabei viele qualitativ hochwertige Beiträge hervorgebracht. Wir werden uns nun mit den vorgebrachten Argumenten und Standpunkten auseinandersetzen. Die Ergebnisse des Online-Forums werden wie viele andere Anregungen und Vorschläge auch in die Senatsentscheidung mit einfließen.
Besonders danken möchte ich allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Online-Diskussion sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der TuTech Innovation GmbH. Sie haben zu einer interessanten und fruchtbaren Debatte beigetragen, in der die Vor- und Nachteile der vier Entwicklungsszenarien aus den jeweiligen Perspektiven ausführlich und kontrovers erörtert werden konnten. Trotz des zum Teil sehr emotionalen Engagements hat die Diskussion stets ein hohes inhaltliches Niveau gehalten, in dem die unterschiedlichen Positionen jeweils durch sachliche Argumente untermauert wurden.“
Diskussionsstruktur und -elemente:
Vom 6. bis 29. April 2009 konnten die Hamburgerinnen und Hamburger sowie alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sich auf der Internetplattform www.zukunft-uni.hamburg.de über die Ergebnisse der Entwicklungsstudie informieren, ihre Gedanken über die zukünftige Ausrichtung der Universität Hamburg äußern sowie mögliche Szenarien der dringend notwendigen baulichen Erneuerung diskutieren. Hierfür bot die Internetplattform unterschiedliche Beteiligungselemente an.
So konnten sich die Nutzer mit Hilfe des dargebotenen Informationsmaterials über die Studie und deren Ergebnisse sowie über stadtplanerische Maßnahmen der Stadt Hamburg als auch über die zugehörigen Chancen und Herausforderungen informieren. In fünf thematischen Foren konnten sie ihre Anregungen und Hinweise bezüglich der Universität und des Wissensstandorts Hamburg im Allgemeinen, der betroffenen Stadtteile Rotherbaum und Kleiner Grasbrook sowie der gesamtstädtischen Entwicklung einbringen und miteinander diskutieren.
Im Rahmen von vier zusätzlichen Live-Diskussionen hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, jeweils 90 Minuten lang direkt mit Experten ihre Fragen und Anregungen zu erörtern. Als Gesprächspartner standen zur Verfügung: Hamburgs Wissenschaftssenatorin Dr. Herlind Gundelach, der damalige AStA-Vorsitzende Benjamin Gildemeister und der CDU-Abgeordnete Rüdiger Kruse, Uni-Präsidentin Prof. Dr. Monika Auweter-Kurtz und Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter sowie die Bezirksamtsleiter von Eimsbüttel und Mitte, Dr. Jürgen Mantell und Markus Schreiber.
Mit dem Online-Forum hat die Stadt auch das Ziel verfolgt, neue und innovative Formen der informellen Bürgerbeteiligung über das Internet zu fördern und damit die Strategien des E-Government fortzuentwickeln.
Der Abschlussbericht steht hier am Ende dieser Seite und auf denen des Online-Portals zum Download bereit:
Für Rückfragen:
TuTech Innovation GmbH, Rolf Lührs,
Tel.: 040 76629-6371, E-Mail: luehrs@tutech.de, www.tutech.de

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