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Klimaentwicklung Erzählt vom Urzeit-Klima: Stalaktit von Jacques Cousteau

Erzählt vom Urzeit-Klima: Stalaktit von Jacques Cousteau

Stalaktiten, wie wir sie aus Kalkhöhlen kennen, werden im großen Umfang und mit viel Erfolg zur Rekonstruktion der Klimaentwicklung eingesetzt. Ein ungewöhnlicher Stalaktit wurde 1970 vom französischen Erforscher der Meere Jacques Cousteau aus dem berühmten Blue Hole vor Belize geborgen. Anders als bei den meisten Stalaktiten bestehen bei dem Blue Hole-Stalaktiten die äußeren Schichten aus marinen Ablagerungen. Nach nun fast fünfzig Jahren und nachdem der Blue Hole-Stalaktit in Vergessenheit zu geraten drohte, gibt dieser bemerkenswerte, 2,84 Meter lange und gut eine Tonne schwere Stalaktit seine Geheimnisse preis. Die konzentrischen Lagen des Stalaktits erlauben eine detaillierte Klimarekonstruktion für das Pleistozän und das Holozän. So dokumentiert zum Beispiel der unter Süßwassereinfluss gebildete Kern überraschend trockene Bedingungen während der letzten großen Eiszeit.

Erschwert wird die detaillierte Klimarekonstruktion allerdings durch den Umstand, dass sowohl die am Festland als auch die im Meerwasser gebildeten Schichten unter dem Einfluss von Mikroben entstanden sind. Die Studie zum Cousteau-Stalaktiten entschlüsselt nun die Arten mikrobieller Aktivität, die während seiner Bildung die Kalkabscheidung beeinflusst haben. Die neue Publikation liefert so die Grundlage, um das Potential von Stalaktiten mit komplexer Bildungsgeschichte für die Rekonstruktion von Paläoumweltbedingungen besser auszuschöpfen. 

Zum Fachartikel: A giant under water, encrusted stalactite from the Blue Hole, Lighthouse Reef, Belize, revisted: a complex history of biologically induced carbonate accretion under changing meteoric and marine conditions. 

Kontakt

Prof. Dr. Jörn Peckmann
Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN)
Telefon: +49 40 42838-4996
E-Mail: joern.peckmann@uni-hamburg.de

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