Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung

Hamburgs Universitäten Experten sehen großes Potenzial in MINT-Fächern für Wissenschaftsstandort Hamburg

MINT-Forschungsrat lobt Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften und empfiehlt gezielten Ausbau und Förderung von Schwerpunkten

Die Wissenschaft Hamburgs ist in vielen Bereichen der Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften (MINT) bereits sehr gut aufgestellt. Durch gezielten Ausbau und Förderung von Schwerpunkten und eine intensivere Zusammenarbeit können die MINT-Fächer weiter gestärkt werden und damit eine noch entscheidendere Rolle für die Zukunftsfähigkeit Hamburgs spielen. Zu dieser Einschätzung ist der MINT-Forschungsrat unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Ralph Eichler, emeritierter Präsident der ETH Zürich, gekommen. Die Empfehlungen zur Weiterentwicklung der MINT-Fächer des Wissenschaftsstandortes Hamburg wurden heute im Rahmen eines Pressegesprächs im Hamburger Rathaus vorgestellt.

Experten sehen großes Potenzial in MINT-Fächern für Wissenschaftsstandort Hamburg

Die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung hat den MINT-Forschungsrat auf Empfehlung des Wissenschaftsrates als unabhängiges Expertengremium Ende 2016 ins Leben gerufen. In dem Gremium wurden die Leitungen der relevanten Hamburger Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen von externen Experten dabei unterstützt, Schwerpunkte zu identifizieren, Kooperationen zu intensivieren und neue Potentiale der einrichtungsübergreifenden Zusammenarbeit zu heben.

Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung: „Die MINT-Fächer der Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind ein zentraler Entwicklungsmotor für Hamburg und von großer Bedeutung für die Zukunft unserer Stadt. Die Empfehlungen des MINT-Forschungsrates sind daher sehr wichtig und hilfreich, um den Ausbau des MINT-Bereichs gezielt voranzutreiben und bestätigen unseren Kurs, einrichtungsübergreifende Kooperationen zu fördern. Gerade die enge Zusammenarbeit kluger Köpfe verschiedener Einrichtungen bietet die große Chance, erfolgreiche und international sichtbare Forschungsschwerpunkte zu entwickeln. Davon wird der gesamte Wissenschafts- und Innovationsstandort Hamburg profitieren.“

Prof. Dr. Eichler, Vorsitzender des MINT-Forschungsrats: „Der Standort Hamburg wird gewinnen, wenn es gelingt, die besten Köpfe nach Hamburg zu holen und sie zu halten. Die Qualität einer Hochschule wird wesentlich von den Menschen bestimmt, gute Studierende ziehen gute Professoren an und umgekehrt. Die Attraktivität eines Firmenstandortes beispielsweise hängt von der Verfügbarkeit ausgezeichneter Informatiker und Ingenieure ab. Es braucht dazu attraktive Rahmenbedingungen mit der Möglichkeit, etwas zu bewegen. Die Empfehlungen des MINT-Forschungsrates zielen auf genau diese attraktiven Rahmenbedingungen für die besten Köpfe ab. Dazu gehören auch planbare Karrieremöglichkeiten.“

Besonderes Potenzial sieht der MINT-Forschungsrat darin, dass es in Hamburg eine Vielzahl von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in unmittelbarer räumlicher Nähe gibt, die sich fachlich und institutionell komplementär ergänzen. Um diesen Vorteil noch stärker zu nutzen, empfiehlt das Expertengremium den Ausbau der bereits bestehenden einrichtungsübergreifenden Zusammenarbeit der Hamburger Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, sowie der Naturwissenschaften mit den technisch-ingenieurwissenschaftlichen Fächern. Die aktuellen und zukünftigen Kooperationen sollten dabei auf allen institutionellen Ebenen stattfinden und durch neue Kooperationsformen erweitert werden.

Als Orte des Austauschs und der Zusammenarbeit bieten sich besonders die Wissenschaftscampi an. Diese sollten durch Ansiedlung neuer Wissenschaftseinrichtungen, aber auch forschender Unternehmen, ausgebaut und weiterentwickelt werden. Eine herausragende Rolle könnte dabei der Forschungscampus Bahrenfeld einnehmen. Hier gibt es bereits eine einzigartige Infrastruktur, die internationale Strahlkraft besitzt. Aber auch der Campus an der Bundesstraße mit seiner renommierten Klimaforschung, der medizinische Forschungscampus in Eppendorf und der Campus in Harburg haben großes Entwicklungspotenzial und sollten stärker zur Vernetzung von Wissenschaftlern und deren Einrichtungen genutzt werden.

Etablierte Forschungsschwerpunkte gezielt fördern

Eine weitere wichtige Empfehlung des MINT-Forschungsrates ist die Förderung bestehender Forschungsschwerpunkte. Die vier Cluster-Initiativen für eine Förderung im Rahmen der Exzellenzstrategie böten eine äußerst vielversprechende Chance für den gesamten Standort und sollten daher als Investition in die Zukunft betrachtet und gemeinsam von der Universität Hamburg, ihren Kooperationspartnern und der Stadt weiter unterstützt werden.

Neue Zukunftsfelder identifizieren und ausbauen

Neben der Förderung bestehender Forschungsschwerpunkte empfiehlt das Expertengremium auch gezielt neue Forschungsschwerpunkte zu identifizieren und als Investition in die Zukunft in kooperativen Zukunftsclustern („HamburgX-Projekte“) durch zusätzliche Unterstützung langfristig zur internationalen Exzellenz zu führen. Die Zukunftscluster sollten dabei ein breites Spektrum von Einrichtungen und Partnern einbeziehen und auch Anknüpfungspunkte an die lokale Wirtschaft und Industrie bieten.

Exzellente Wissenschaft durch herausragende Persönlichkeiten

Herausragende Persönlichkeiten in Forschung und Lehre sind nach Ansicht des Gremiums eine sehr wichtige Voraussetzungen für exzellente Wissenschaft. Deshalb sei es entscheidend für Hamburgs Zukunftsfähigkeit, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern attraktive und planbare Karrieremöglichkeiten zu bieten. Der Forschungsrat empfiehlt sogenannte Tenure-Track-Optionen stärker zu nutzen, um Nachwuchskräften die Möglichkeit zu bieten, ihr wissenschaftliches Potenzial weiterzuentwickeln und sich eine dauerhafte Anstellung zu erarbeiten. Die Ausgestaltung attraktiver Karrierewege für Nachwuchskräfte erhöhe somit sowohl die Chance, junge Talente an den Wissenschaftsstandort langfristig zu binden, als auch exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler für einen Wechsel nach Hamburg zu gewinnen.

Digitalisierung erfordert interdisziplinären Ansatz

Mit seinen einrichtungsübergreifenden Digitalisierungsprojekten und -initiativen wie zum Beispiel der Informatikplattform „ahoi.digital“, Hamburg Open Science (HOS) und der Hamburg Open Online University (HOUU) ist Hamburg laut dem MINT-Forschungsrat auf einem sehr guten Weg, künftig eine führende Rolle in der Digitalisierung zu übernehmen. Nach Ansicht der Expertinnen und Experten sollten die Projekte und Initiativen jedoch stärker in einen nationalen Kontext einbezogen werden, um an Förderinitiativen teilzunehmen und darüber hinaus langfristig auch internationale Sichtbarkeit zu erreichen.

Der MINT-Forschungsrat empfiehlt zudem ein Center for Data and Computing Science (CDCS) einzurichten. Das CDCS sollte als interdisziplinäres Wissenschaftszentrum in Anbindung an ahoi.digital auf dem Campus Bahrenfeld entstehen und Lösungen für die Herausforderungen wissenschaftlichen Rechnens und die Entwicklung moderner Technologien zur Verarbeitung und Analyse großer Datenmengen erarbeiten.

Innovation und Transfer stärken

Die Bedeutung des Transfers von Innovationen, Ideen, Wissen und Technologien aus der Wissenschaft in die Gesellschaft nimmt an Bedeutung deutlich zu und wird zunehmend als neue Kernaufgabe wissenschaftlicher Einrichtungen angesehen. Der MINT-Forschungsrat empfiehlt daher, die Transferstellen an allen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen strategisch und personell auszubauen. Zusätzlich sollten auch einrichtungsübergreifenden Transferaktivitäten gestärkt werden. So rät das Expertengremium, Transferstrategien und -aktivitäten enger zwischen den Einrichtungen abzustimmen und einen gemeinsamen Transferverbund der Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu errichten.

Die Hamburg Innovation GmbH als gemeinsame Transfergesellschaft aller Hochschulen spiele dabei eine besonders wichtige Rolle und sollte daher ausgebaut und ihr Beratungs- und Dienstleistungsangebot weiterentwickelt werden. Dadurch soll sie zum ersten Anlaufpunkt für wissensbasierte Gründungen werden und künftig weitere Felder des Transfers abdecken.

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