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DGIM-Preis Theodor-Frerichs-Preis an SFB 841 Wissenschaftler Prof. Samuel Huber

Theodor-Frerichs-Preis an SFB 841 Wissenschaftler Prof. Samuel Huber

Geschätzt 400.000 Menschen in Deutschland leiden unter Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Tendenz steigend. Bei beiden Erkrankungen ist die friedliche Koexistenz von Darmbakterien und Immunsystem gestört. Wissenschaftler um Prof. Dr. Samuel Huber konnten einen grundlegenden molekularen Hebel identifizieren, der mitverantwortlich ist, dass die Darmschleimhaut bei den Patienten nicht ausheilt und die Krankheiten chronisch werden. Ihre in Science veröffentlichte Arbeit wurde nun von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) mit dem renommierten Theodor-Frerichs-Preis 2017 ausgezeichnet.

“Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung. Ich möchte meiner Gruppe für die hervorragende Arbeit danken und zudem betonen, dass der Forschungserfolg nur durch die enge Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Nicola Gagliani, I. Medizinische Klinik sowie Klinik für Allgemein-,Viszeral- und Thoraxchirurgie des UKE, und Prof. Dr. Richard A. Flavell, Yale University, USA, möglich wurde”, sagt Prof. Huber, der Forschungsgruppenleiter an der I. Medizinischen Klinik des UKE und Projektleiter im SFB 841 ist.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) sind bislang nicht heilbar. Sie gehen mit zum Teil schweren Einbußen der Lebensqualität einher. Eine spezifische Therapie fehlt, auch weil bislang im Detail unverstanden ist, welche Signalwege die Entzündungsaktivitäten in der Darmschleimhaut auslösen und aufrechterhalten. Die Wissenschaftler kamen bei der Ursachenforschung einen entscheidenden Schritt voran. „Wir konnten nachweisen, dass bei CED-Patienten eine Fehlregulation der so genannten IL-22-IL-22BP-Achse vorliegt. Das Interleukin 22 (IL-22) ist essentiell für die Heilung der angegriffenen Schleimhäute. Dieser Botenstoff kann seine Rolle aber nicht erfüllen, da sein Gegenspieler, das Interleukin 22 Bindeprotein (IL-22BP), gleich zu Beginn der Entzündung von CD4+ T-Zellen im Übermaß produziert wird. Das IL-22 wird gebunden und damit außer Gefecht gesetzt, die Wundheilung kann nicht einsetzen, die Krankheit wird chronisch“, so Huber.

Ansatzpunkt für eine effiziente Therapie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen könnte daher sein, gezielt am IL-22BP anzusetzen. „Bisherige Therapieoptionen bei CED unterdrücken unspezifisch Entzündungsaktivitäten, sie haben nicht zu vernachlässigende Nebenwirkungen, wie etwa ein erhöhtes Infektionsrisiko. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Substanzen, die das Bindeprotein direkt blockieren, den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen könnten“, sagt Huber. Darüber hinaus vermuten die Wissenschaftler, dass die Fehlregulation der IL-22-IL-22BP-Achse nicht nur bei CED-Patienten eine wichtige Rolle spielt. Die neuen Erkenntnisse könnten die Erforschung anderer Entzündungs- und Autoimmunerkrankungen entscheidend voranbringen.

In einem kurzen Video-Interview erklärt Prof. Huber die Bedeutung der ausgezeichneten Forschungsarbeit: 

Nie wieder Hepatitis? — Fast Forward Science 2017

Fünf verschiedene Viren bedrohen die Leber. Die Hepatitis verursacht Leberzirrhose und Krebs, sie ist weltweit für zahlreiche Todesfälle verantwortlich. Aber die Wissenschaft macht große Fortschritte im Kampf gegen die Leberentzündung. Die WHO hat zum Welt-Hepatitis-Tag am 28.07.2017 das Motto "Hepatitis eliminieren" ausgerufen.

(Video: SFB 841)

Weitere Informationen zum Teilprojekt C8 “IL-22 und IL-22BP in Leberregeneration und -karzinogenese” finden Sie hier

Originalveröffentlichung:
Pelczar P, Witkowski M, Perez LG, Kempski J, Hammel AG, Brockmann L, Kleinschmidt D, Wende S, Haueis C, Bedke T, Witkowski M, Krasemann S, Steurer S, Booth CJ, Busch P, König A, Rauch U, Benten D, Izbicki JR, Rösch T, Lohse AW, Strowig T, Gagliani N, Flavell RA, Huber S
A pathogenic role for T cell-derived IL-22BP in inflammatory bowel disease
Science 2016; 354(6310): 358-362.
Der renommierte DGIM-Preis ist nach dem Internisten Friedrich Theodor von Frerichs benannt, dem Präsidenten des ersten Deutschen Kongresses für Innere Medizin im Jahr 1882. Mit dem Preis würdigt die DGIM die beste zur Bewerbung eingereichte, möglichst klinisch-experimentelle Arbeit auf dem Gebiet der Inneren Medizin im deutschsprachigen Raum. Er ist mit 30.000 Euro dotiert. Dieses Jahr wurde der Theodor-Frerichs-Preis an Prof. Samuel Huber und Prof. Sebastian Zeißig, Dresden, verliehen.