Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung

Projekt Wie sieht die Hamburger Lehrerausbildung der Zukunft aus?

Die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) und die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung (BWFG) haben ein Projekt initiiert, in dem wissenschaftlich begründete Vorschläge zur weiteren Reform der Lehrerausbildung in Hamburg erarbeitet werden sollen.

Hamburger Lehrerausbildung der Zukunft

Die Universität Hamburg und an der Lehrerbildung beteiligte Hochschulen haben ihre Mitwirkung in der Steuergruppe bzw. in der Projektgruppe zugesagt. Die Steuergruppe für dieses Projekt besteht aus den Leitungen (Staatsrätin und Staatsrat) der beiden Behörden, der Vizepräsidentin der Universität und den Amtsleitungen des Amtes für Schule (BSB), bzw. Hochschule (BWFG). Erste Ergebnisse werden in ca. einem bis 1,5 Jahren erwartet.

Schulstrukturen und Lehrämter im  Wandel

Anlass für dieses Projekt sind v.a. die sich ändernden Anforderungen an die pädagogische Arbeit in den Hamburger Schulen. Im Zuge der Schulreform von 2010 wurden strukturelle Veränderungen vorgenommen, die zu einer stärkeren organisatorischen und pädagogischen Profilierung der Schularten führten. So wurden die bisherigen Grundschulzweige zu organisatorisch eigenständigen Grundschulen und die unterschiedlichen nicht-gymnasialen Sek.I-Schulformen wurden zu Stadtteilschulen zusammengefasst, die über eigene gymnasiale Oberstufen verfügen. Für die Ausbildung erwächst daraus die Möglichkeit und zugleich die Aufgabe, in entsprechenden Lehrämtern eine stärkere Ausrichtung der Ausbildung auf die Arbeit in der Grundschule, bzw. auf die Arbeit in den Stadtteilschulen vorzusehen.

Bundesweit wird nur in Hamburg noch ein gemeinsames Lehramt für die Grundschule und die Sekundarschule I (KMK-Lehramtstyp 2) ausgebildet. Die o.a. stärkere Ausprofilierung der Schularten ist auch bundesweit zu beobachten und hat die Kultusministerkonferenz (KMK) zu einem Beschluss veranlasst, dass dieser Lehramtstyp 2 langfristig zugunsten eigenständiger Lehrämter für diese Schularten oder Stufen auslaufen soll. Es ist daher wichtig, dass bei allen Veränderungen die Vergleichbarkeit der Hamburger Abschlüsse und damit die länderübergreifende Mobilität der Hamburger Lehramtsabsolventinnen und -absolventen auch künftig gewährleistet bleibt. Das ist eine der wenigen bindenden Vorgaben, die dem Projekt seitens der Auftraggeber gemacht wurden – wichtig für die beteiligten Behörden und die Universität (aber natürlich besonders für die Absolventinnen und Absolventen!).

Heterogene Lerngruppen und Inklusion

Besondere Bedeutung bezüglich der pädagogischen Arbeit und damit für die künftige Ausbildung der Lehrinnen und Lehrer hat die wachsende Heterogenität der Lerngruppen sowie die  in Hamburg erfolgte Ausrichtung des Schulwesens auf die Inklusion. Inklusion beschränkt sich nicht auf die Integration sonderpädagogischer Förderung in die allgemeinbildenden Schulen, sondern umfasst weitere Handlungsfelder, wie z.B. die Förderung von leistungsstarken und hochbegabten Schülerinnen und Schülern, Interkulturalität und auch die Genderthematik. Für die Lehrkräfte geht es im Rahmen inklusiver Pädagogik darum, die individuelle Verschiedenheit der Schülerinnen und Schüler zum Ausgangspunkt für die Gestaltung des Unterrichts zu nehmen. Mehr noch als bisher sind Lernarrangements individuell auszurichten, um jeder Schülerin und jedem Schüler gerecht zu werden. Das schließt die Identifizierung und gezielte Förderung besonders leistungsstarker Schülerinnen und Schüler selbstverständlich ein.  Um die mit der Entwicklung zur inklusiven Schule einhergehenden Herausforderungen und Chancen meistern und nutzen zu können, ist es notwendig, in der Lehrerausbildung der ersten und zweiten Phase auf die veränderte berufliche Rolle und Verantwortung vorzubereiten. Wie das am besten und nachhaltigsten erfolgen kann, ist ein weiteres Erkenntnisinteresse, das mit diesem Projekt verfolgt wird.

Das multiprofessionelle Team – Leitbild der pädagogischen Arbeit

An Schulen wird die pädagogische Arbeit und die Qualität von Schule und Unterricht entscheidend durch eine Kooperation der Lehrkräfte der allgemeinbildenden, der beruflichen und der sonderpädagogischen Lehrämter miteinander, aber auch mit Erzieherinnen und Erziehern, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie ggf. mit weiteren Berufsgruppen geprägt sein. Die dafür erforderlichen Kompetenzen müssen in der Ausbildung aller beteiligten Berufsgruppen, namentlich der Lehrerinnen und Lehrer, systematisch angelegt werden. Das Projekt wird sich also auch mit Vorschlägen befassen, wie die zur professionellen Kooperation erforderlichen Kompetenzen bereits in der Ausbildung systematisch angelegt werden können.

Zukunftsfähigkeit der beruflichen Fachrichtungen

Das Interesse an einer qualitativ guten Lehrerausbildung steht auch bei einem weiteren Erkenntnisinteresse im Vordergrund, das seitens der Auftraggeber mit diesem Projekt verfolgt wird: In einzelnen Schwerpunktfächern des Beruflichen Lehramtes – vor allem in naturwissenschaftlich-technischen Berufsfeldern – kann den quantitativen Bedarfen nicht zufriedenstellend entsprochen werden. Dieser nicht nur temporäre (Nachwuchs-) Mangel beeinträchtigt die Zukunftsfähigkeit der Ausbildung in einzelnen beruflichen Fachrichtungen. Die Auftraggeber erhoffen sich auch dazu Vorschläge.

Zielsetzungen und Interessen

Ziel des Projektes sind also wissenschaftlich begründete, konzeptionelle und organisatorische Empfehlungen, mit denen die Lehrerausbildung in Hamburg den o.a. Veränderungen besser gerecht werden kann, um im Ergebnis der Ausbildung, den qualitativen Bedarfen aller Schulformen in Hamburg noch besser zu entsprechen. Von besonderem Interesse, so die Auftraggeber, sind dabei:

  • Empfehlungen für ein eigenständiges, spezifisch ausgerichtetes Grundschullehramt, das der gestiegenen Bedeutung und den hohen pädagogischen Anforderungen der Grundschulen besser gerecht wird.
  • Empfehlungen für ein ausprofiliertes Lehramt für die pädagogische Arbeit in den Stadtteilschulen, das auf die ebenfalls gestiegenen fachlichen und pädagogischen Anforderungen dieser Schulform mitsamt ihrer Oberstufen ausgerichtet ist.
  • Empfehlungen, in welcher Weise in der Ausbildung für das gymnasiale und das berufliche Lehramt auf die Erfordernisse der größeren Heterogenität der Lerngruppen eingegangen werden kann.
  • Empfehlungen zur Verankerung basaler und anknüpfungsfähiger sonderpädagogischer Kompetenzen in der Ausbildung der o.a. Lehrämter.
  • Empfehlungen zur besseren inhaltlichen Ausrichtung der Ausbildung für das sonderpädagogische Lehramt auf die Anforderungen der Arbeit in inklusiven Regelschulen.
  • Empfehlungen für alternative Zugangswege für einzelne berufliche Fachrichtungen des Beruflichen Lehramts, in denen aufgrund der Veränderungen im Beschäftigtensystem ein großer Bedarf an Lehrkräften entstanden ist und für die auf konventionellem Wege nicht genügend Nachwuchskräfte gewonnen werden können.

Die Expertenkommission

Für die Expertenkommission konnten renommierte, unabhängige externe Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft sowie ein Experte mit herausgehobenen Erfahrungen in der Bildungsadministration gewonnen werden:

Herr Prof. Dr. Terhart, Münster, Allgemeine Didaktik / Schulpädagogik

Frau Prof. Dr. Moser, Pädagogik b. Beeinträchtigung des Lernens / Rehabilitationspädagogik

Frau Prof. Dr. Miller, Bielefeld, Grundschulpädagogik

Frau Prof. Dr. Gillen, Hannover, Berufspädagogik

Herr Dr. Schmitz, StR a.D.

Falls es thematisch erforderlich werden sollte, ist die temporäre Einbeziehung weiterer Expertinnen oder Experten möglich.

Die begleitende Projektgruppe

Wichtig für die Arbeit des Projektes ist die Begleitung und Unterstützung der Arbeit der Expertenkommission durch Vertreterinnen bzw. Vertreter aus beiden Phasen der Lehrerausbildung sowie der zuständigen Behörden. Dazu wurde eine Projektgruppe aus leitenden Fachleuten der BSB, der BWFG, der Universität, den an der Lehrerbildung beteiligten Hochschulen, dem Landesinstitut (LI) und dem Zentrum für Lehrerbildung (ZLH) gebildet.

Diese Projektgruppe soll zudem, sobald die Expertenempfehlungen vorliegen, diese aus der Perspektive der Institutionen, der Universität oder Behörde in einem gesonderten Text kommentieren.

Mit der Leitung der Projektgruppe und der Moderation der Expertenkommission wurde OSR a.D. Aart Pabst beauftragt.

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