Senatskanzlei

Kontakte Deutsche Immigranten in Chicago

Die Kontakte zwischen Hamburg und Chicago begannen nicht erst 1990 mit den beiderseitigen Bemühungen um eine Städtepartnerschaft, sondern existierten seit Mitte des 17. Jahrhunderts. Rege Handelsbeziehungen, die auch während des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs nicht abgebrochen wurden, verbanden Hamburg mit den britischen Kolonien. 

Deutsche Immigranten in Chicago

Handel mit der Neuen Welt

Mit der Anerkennung der amerikanischen Unabhängigkeit fiel das britische Handelsmonopol, den Hamburger Kaufleuten öffneten sich damit die viel versprechenden US-Märkte. Der Import von Reis, Zucker, Kakao, Kaffee, Tabak und Baumwolle aus den USA, der Export von Textilien und anderen Waren trugen in Hamburg Ende des 18. Jahrhunderts zu einem beachtlichen Wirtschaftsaufschwung bei. Chicago etablierte sich als Umschlagplatz verschiedenster Waren und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts Anlaufstelle und Heimat für zahlreiche deutsche Immigranten, deren Aufbruch in die Neue Welt nicht selten in Hamburg begann. 

Chicago ist in seiner multiethnischen und multikulturellen Zusammensetzung ein Spiegelbild der amerikanischen Bevölkerung. Und auch die deutschen Immigranten, deren Nachfahren noch heute einen großen Bevölkerungsteil Chicagos stellen, haben einen maßgeblichen Beitrag zur kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der nordamerikanischen Metropole geleistet.

Deutsch-amerikanische Community in Chicago

Vor allem im 19. Jahrhundert, als der Mittlere Westen zum Hauptansiedlungspunkt für deutsche Einwanderer wurde, entwickelte sich Chicago zum zentralen Siedlungsgebiet der Deutschen. Eine deutsch-amerikanische „community“ bildete sich heraus, zahlreiche Vereine wurden ins Leben gerufen. Gesangs-, Turn- und Wohltätigkeitsvereine mit einem umfangreichen Freizeitprogramm zählten ebenso dazu wie Unterstützungsvereine und Berufsorganisationen, die Hilfe in beruflichen und finanziellen Notlagen boten. Auf Maskenbällen, Konzerten, Basaren oder gemeinsamen Picknicks blieben ihre Mitglieder doch vor allem unter sich, pflegten den Gebrauch der deutschen  Sprache. 

Der Einfluss der deutsch-amerikanischen Bevölkerung änderte sich allerdings mit den beiden Weltkriegen. Insbesondere vor Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 machte sich in Chicago eine starke anti-deutsche Stimmung breit. Teilweise unter Druck erfolgte die vollständige Integration in die amerikanische Gesellschaft. Viele Deutsch-Amerikaner legten ihre deutschen zugunsten amerikanischer Namen ab, deutsche Straßen wurden umbenannt.

Dennoch: Auch heute noch lebt die deutsch-amerikanische Kultur. Nahezu 80 deutsch-amerikanische Vereine, deutsche Restaurants und eine deutschsprachige Zeitung – die „Amerika-Woche“ – zeugen von den Aktivitäten der fast einer halben Million Chicagoer Bürger mit deutschen Wurzeln, die durch die aktive Kulturarbeit des Goethe-Instituts ergänzt werden. 

Die Stadt hat eine Goethe Street und eine Schiller Street. Zentrum von „Little Germany“ ist der Lincoln Square. Die alljährlich Ende September stattfindende Steubenparade bildet den Höhepunkt der deutsch-amerikanischen kulturellen Veranstaltungen. 

Chicago ist außerdem Sitz des „German American National Congress“, kurz D.A.N.K., des Dachverbandes aller deutsch-amerikanischen Vereine. Rund 300 deutsche Unternehmen haben Niederlassungen im Staat Illinois, ein Großteil davon in Chicago.