Behörde für Schule und Berufsbildung

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Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Peter Schlumbom

( Peter Christoph Schlumbom )
(1887-1959)
Kaufmann
Geschäftsadresse 1947: Große Bleichen 31/32, Z. 51

1939 erfolgte die Arisierung der Firma Schönfeld & Wolfers (Import von Leinen- und Baumwollwaren etc.). Das Geschäft bekam der Kaufmann Peter C. Schlumbom.
In seiner Biografie über Hugo Wolfers (1875, deportiert am 6.12.1941 nach Riga), für den am Hofweg 31 ein Stolperstein verlegt wurde, schreibt der HIstoriker Björn Eggert über den Kaufmann Peter Christoph Schlombom:

"Im Juni 1939 wurde dann mit dem Kaufmann Peter Schlumbom (1887–1959) ein Vertrag geschlossen. Über seinen Rechtsanwalt teilte der Käu­fer im Jahre 1947 seine Version der Übernahme mit. Über einen Hamburger Kaufmann habe er erfahren, 'dass der Kaufmann Hugo Wolfers, Inhaber der Firma Schönfeld&Wolfers für sein Handelsgeschäft einen Käufer suche, weil er zu seinem Sohn nach Australien auswandern wolle. Dieser Hinweis geschah nicht lange vor Ausbruch des Krieges. Der Berufungs­kläger (Schlumbom) hat sich daraufhin mit Herrn Hugo Wolfers in Verbindung gesetzt.

Die Verhandlungen führten am 29. Juni 1939 zum Abschluss des Kaufvertrages. Herr Wolfers wurde jedoch, obwohl er schon die Ausreiseerlaubnis erwirkt und die Passage belegt hatte, durch den Ausbruch des Krieges an der Ausreise gehindert.' Daraufhin sei die Übernahme noch hinausgezögert und erst am 25. September 1940 mit einem Vertragsnachtrag in Kraft gesetzt worden. Ob dies den tatsächlichen Gegebenheiten entsprach, wurde zumindest vom Berufungsausschuss für Entnazifizierungsverfahren im Juni 1948 angezweifelt. Dieser hatte den Eindruck gewonnen, 'dass der Berufungskläger (Schlumbom) die Zwangslage der jüdischen Verkäufer in unrechtmäßiger Weise ausgenutzt und sich auf deren Kosten bereichert hat.'

Peter Schlumbom, von 1934 bis 1938 glückloser Ostasienkaufmann in Japan, hatte noch aus dem Ausland seine "politische Rückfahrkarte" gebucht und war der Deutschen Arbeitsfront (1. Juni 1935) und der NSDAP (1. November 1936) beigetreten. 1939 folgte die Mitgliedschaft im "Reichsbund der Kinderreichen" (er hatte vier Kinder) sowie eine Tätigkeit als Blockhelfer/Blockleiter. Neben dem "Arisierungs-Kauf" von Schönfeld&Wolfers erwarb er zum 1. Januar 1942 die Firma des niederländischen Großhändlers für Berufskleidung Joseph Veffer (Amsterdam, Jodenbreestraat 15) über eine Firma, die von der deutschen Besat­zung­smacht mit dem Zwangsverkauf "jüdischer" Firmen beauftragt wurde.

Dem Kaufvertrag stimmte der Hamburger NSDAP-Reichsstatthalter im Oktober 1940 zu. Noch im selben Monat wurde ein notarieller Vertrag aufgesetzt: 'Das Geschäft ist mit dem Firmenrecht auf den Kaufmann Peter Christoph Schlumbom übertragen worden. Dieser führt das Geschäft als alleiniger Inhaber unter unveränderter Firma fort.' Am Ende des Vertrages wurde in einem einzigen Satz die Essenz der NS-Rassegesetze in die nüchterne Sprache der Behörden und Kaufleute übertragen und vom Notar besiegelt: 'Die zu 1), 2), 4) und 5) Genannten (Anmerkung: Hugo Wolfers, Elisabeth Gorden geb. Wolfers, Sigrid Hess geb. Wolfers, Natalie Kramer geb. Wolfers) sind Juden, die zu 3) Genannte (Anm.: Gertrud Wolfers geb. Fränkel) ist Mischling ersten Grades, der zu 6) Genannte (Anm.: Peter Schlumbom) ist Arier.' Reichsstatthalter Karl Kaufmann hatte den Kauf allerdings nur unter Auflagen genehmigt.

So hieß es in einem Passus: 'Die Beschäftigung des Herrn Wolfers als Angestellter wird zunächst nur bis zum 31. Dezember 1940 genehmigt.' Auch bezüglich der Firmenbezeichnung wurden Vorgaben gemacht: 'Der bisherige Firmenname darf auch mit einem die Nachfolgeschaft ausdrückenden Zusatz nur bis längstens bis zum 31. Dezember 1940 fortgeführt werden.' Hugo Wolfers quittierte am 2. April 1941 den Erhalt von 4026,33 RM für seine Firma inklusive Geschäfts­ausstattung und Warenlager. Laut Käufer Schlumbom wurde der ehemalige Firmeninhaber noch bis zum 31. März 1941 als Angestellter gegen Ent­gelt beschäftigt. Obwohl demütigend, sicherte es Hugo Wolfers in dieser Situation immerhin den Lebens­unterhalt. Die Jahreseinnahmen des "Ariseurs" Schlumbom vervierfachten sich durch die Firmen­zukäufe."

Über das weitere Schicksal von Hugo Wolfers und zu den Quellennachweisen siehe Björn Eggers Biografie über Hugo Wolfers unter: www.stolpersteine-hamburg.de

 

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