Behörde für Schule und Berufsbildung

Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand April 2017)

Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Zuletzte eingetragene Namen
Dezember 2016 Anne Becker, Hildegard Krüger, Annemarie Dose
Januar 2017 Barbara Kisseler, Tatjana Iwanow, Susanne Lothar, Maja Maranow
Februar 2017 Anne Volk, Hedwig von Brandenstein, Rosemarie Fiedler-Winter, Gerlinde Fischer-Diehl, Marie von Roskowska
März 2017 Hildegard Wohlgemuth, Hildegard Wohlgemuth (geb. Skedzun), Clara Sutor
April 2017 Annelie Kümpers-Greve, Fanny Müller, Angie Stardust

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2505 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 380, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

Behörde für Schule und Berufsbildung

Irene Wosikowski

(geb.: 3.2.1910 in Hamburg - hingerichtet: 27.10.1944 in Berlin-Plötzensee)
Organisationsleiterin des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands, leistete in der Emigration illegale Widerstandsarbeit
Weidenstraße (Wohnadresse)
Kantstraße 6 (Besuch der Volksschule in ihrer Kindheit)
Ohlsdorfer Friedhof: Grab-Nr: L5, 256-310 (Ehrenhain der Widerstandskämpfer)
Irene, die Tochter von Alice Wosikowski , war politisch durch ihre Eltern geprägt. Im Alter von 14 Jahren wurde sie Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschland (KJVD) und war zwischen 1926 und 1930 politische Leiterin in der KJVD Gruppe-Hamburg.
Irene Wosikowski besuchte die zweijährige Handelsschule und war anschließend als Stenotypistin, zunächst in einer Exportagentur in der Mönckebergstraße , danach in der Sowjetischen Handelsvertretung in der Steinstraße , tätig. 1930 wurde sie in die Filiale der Handelsvertretung nach Berlin versetzt. Dort blieb sie bis 1934 und arbeitete auch hier in der KPD - ab 1933 in der Illegalität. 1934 sollte Irene Wosikowski verhaftet werden, sie wurde jedoch gewarnt und konnte noch rechtzeitig in die Tschechoslowakei emigrieren. 1935 kam sie in die Sowjetunion und studierte dort zwei Jahre an der Internationalen Leninschule der Kommunistischen Internationale in Moskau. 1937 ging Irene Wosikoski, die sich jetzt in der Illegalität Helga nannte, nach Paris. Dort arbeitete sie als Stenotypistin und politische Mitarbeiterin in der Zeitungsredaktion der "Deutschen Volkszeitung". Die französische Regierung gewährte ihr zwar Asylrecht, aber keine Arbeitserlaubnis. So musste Irene Wosikowski starke Entbehrungen hinnehmen. Sie wurde zeitweilig durch die Liga für Menschenrechte und durch das Rothschild-Komitee unterstützt. Die finanziellen Zuwendungen waren jedoch sehr gering. Irene Wosikowski lebte deshalb in billigen Emigrantenhotels.
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, mussten sich am 13. Mai 1940 alle deutschen Frauen den französischen Behörden stellen. Irene Wosikowski wurde in der Nacht davor verhaftet und in ein Internierungslager bei Bordeaux gebracht. Dort gelang es ihr und einigen ihrer Genossinnen nach einiger Zeit auszubrechen. Sie fuhren mit dem Zug nach Marseille, weil sie hofften, sich dort der Widerstandsbewegung anschließen zu können. Aber - gerade aus dem Zug ausgestiegen - wurde Irene von der französischen Polizei verhaftet und wieder für einige Monate inhaftiert.
Nach ihrer Freilassung schloss sich Irene Wosikowski der deutschen Widerstandsgruppe in Marseille an, die z.B. Eßpakete für die Gefangenen in den französischen Internierungslagern organisierten. Als 1942 die Hitlerarmee auch den Süden Frankreichs besetzte, änderten die deutschen Widerstandskämpfer- und -kämpferinnen ihre politische Arbeit. Sie gaben nun die Zeitung "Soldat am Mittelmeer" heraus, verteilten sie an deutsche Soldaten und versuchten, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, um sie von der Sinnlosigkeit dieses Krieges zu überzeugen. Bei solch einem Gespräch kam Irene Wosikowski in Konkakt mit einem Spitzel, der sie an die Gestapo verriet. In einem Vermerk der Sicherheitspolizei in Marseille vom 27.7.1943 heißt es: "Aufgrund der Denunziation des Matrosen Hermann Frischalowski erfolgte am 26.7.1943 die Verhaftung der deutschen Emigrantin Irene Wosikowski in Marseille." 1
Irene Wosikowski wurde nach Deutschland zurückgebracht und am 13. September 1944 vom Volksgerichtshof in Berlin wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zum Tode verurteilt und am 27. Oktober 1944 im Alter von 34 Jahren in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
(Vgl.: "Mutter, ich bleibe unserer Sache treu". Irene Wosikowski. Eine Dokumentation der DKP-Kreisorganisation Hamburg-Wandsbek, Mai 1985.)
Text: Dr. Rita Bake
 

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