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Ungeliebte Denkmäler: die Nachkriegsmoderne

Wenn Nachkriegsbauten unter Schutz gestellt werden, wird dies häufig kontrovers diskutiert - umso wichtiger ist es, sich genauer mit den Kriterien der Denkmalpflege zu befassen. Frank Pieter Hesse, Denkmalpfleger der Freien und Hansestadt Hamburg, erläutert zu den jüngeren Denkmälern unserer Stadt:

Erst seit wenigen Jahren befasst sich die Denkmalpflege mit den Zeugnissen der 60er und 70er Jahre, denn es braucht einen gewissen zeitlichen Abstand, um das bauliche Erbe einer Epoche richtig einschätzen zu können. Über den Denkmalwert entscheidet nicht der gerade herrschende Geschmack, sondern der Zeugniswert und der historische Gehalt der Bauwerke und Grünanlagen. Ein Denkmal muss deshalb weder uralt noch besonders schön sein!

Die Denkmalpfleger haben es nicht immer leicht, den Wert dieser jungen Anlagen zu vermitteln – zu nahe ist uns diese Epoche noch, zu heftig auch mancher städtebauliche oder architektonische Eingriff in die gewohnte Stadt. Ihre Qualitäten erschließen sich nicht jedem auf den ersten Blick und auch deshalb sind sie stark gefährdet. Die Gefahr ist groß, dass sie abgerissen oder grundlegend verändert werden, bevor die Gesellschaft Zeit hatte, diese Architektursprache lesen und schätzen zu lernen. Das ging übrigens den heute so geliebten historistischen Gründerzeitbauten seinerzeit kaum anders, so verurteilte beispielsweise Lichtwark sie in den 20er Jahren auf das Heftigste! Gerade die jüngeren Generationen haben aber bereits damit begonnen, die 70er Jahre richtig gut zu finden.

Unten finden Sie einige Bilder von Hamburger Denkmälern aus den 60er und 70er Jahren. Für nähere Beschreibungen klicken Sie bitte auf die Lupe!

Ab 1972 ließ der Mineralölkonzern Shell seine Hauptverwaltung in der City Nord durch Gerkan, Marg & Partner planen. Shell-Gebäude, Überseering 35

(Bildarchiv)

Das Wohnhaus mit Atelier (1972 -1975) wurde von dem Architekten und Bildhauer Thomas Darboven erbaut. Gottorpstraße 1, Othmarschen

(Bildarchiv)

Die 1974 erbaute Kirche des Architekten Jo Filke zählt zu den außergewöhnlichsten Kirchenbauten Hamburgs und steht in Wilhelmsburg. St. Maximilian Kolbe, Krieterstraße

(Bildarchiv)

Das zeitlos elegante Verwaltungsgebäude der HEW (1965-69) wurde von Arne Jacobsen entworfen. Verwaltungsgebäude der HEW, Überseering 12

(Bildarchiv)

Die Köhlbrandbrücke von 1974 gehört zu den wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Köhlbrandbrücke

(Bildarchiv)

Mitte der 1960er Jahre entstand das Spiegel-Hochhaus des berühmten Hamburger Architekten Werner Kallmorgen. Spiegel-Hochhaus, Brandstwiete 19 / Willy-Brandt-Straße 25

(Bildarchiv)