Ferienfreizeit auf dem DOM DOM-Spaß für 30 weißrussische Kinder aus Katastrophengebiet

Glänzende Augen und fröhliches Gekreische - 30 weißrussische Kinder haben den Sommerdom besucht. Sie stammen aus der vom Reaktorunglück rund um Tschernobyl betroffenen Region und verbringen im Rahmen einer Erholungsfreizeit vier Wochen in Hamburg. Die Freizeit wird seit 30 Jahren von der Luthergemeinde Bahrenfeld über Spenden finanziert und mithilfe ehrenamtlichen Engagements organisiert. 

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Kinder aus Tschernobyl auf dem Sommerdom

Sommerspaß auf dem Hamburger DOM

Fröhliches Lachen, leuchtende Augen und viel Gekreische - rund 30 Kinder aus Weißrussland sitzen in der Bauernschänke auf dem Hamburger DOM und beißen in klebrig-süße Berliner und trinken Limonade. Sie stammen aus Minsk, der Hauptstadt Weißrussland, und Bragin, einem Ort unweit der Sperrzone, die nach der Reaktorkatastrophe rund um Tschernobyl eingerichtet wurde. Die 15 Mädchen und 15 Jungen besuchen die Hansestadt im Rahmen eines Projektes, das die Luthergemeinde Bahrenfeld seit 1991 organisiert, um den Kindern aus der Katastrophenregion Erholung, gesunde Ernährung und seelische Entlastung zu bieten. 
Nach einer kurzen Begrüßung durch Benno Fabricius, dem stellvertretenden Distriktvorsitzenden Heiligengeistfeld und Inhaber der Bauernschänke, kann das Abenteuer Sommerdom beginnen. Für jeden ist etwas dabei. Ob High Energy, Sky Fall, Viva Mexiko, Irrgarten oder Geisterbahn - heute kommen alle Kinder der Freizeit auf ihre Kosten und lassen sich durch nichts die gute Laune nehmen. Sogar das Wetter spielt in diesem Jahr bei sonnigen 24 Grad mit. 

Ausflüge in Hamburg und Umgebung

Seit 1991 organisiert die Tschernobylgruppe der Luthergemeinde Bahrenfeld alle zwei Jahre eine Freizeit für Kinder im Alter von 8 bis 15 Jahren, die aus den durch den Reaktorunfall betroffenen weißrussischen Gebieten kommen. In diesem Jahr sind besonders viele ganz junge Kinder dabei. Untergebracht sind sie allesamt in der Freiluftschule Wittenbergen in Elbnähe, wo sie von Ehrenamtlichen aus Hamburg und Weißrussland betreut werden. Hier werden sie neben der guten Verpflegung des Freizeitheims zusätzlich mit viel Obst und Gemüse versorgt. Ziel der vierwöchigen Freizeit ist es, den Kindern eine entspannte, sorgenfreie Zeit zu ermöglichen. Die frische Luft genießen, spielen und einfach eine schöne Zeit verbringen steht dabei im Vordergrund. Die Betreuer setzen sich dafür mit viel Engagement ein. Das Gelände der Freiluftschule Wittenberge bietet Spielplätze zum Toben, ein Schwimmbad, einen Fußballplatz und Wälder, in denen Schnitzeljagden und Versteckspielen so richtig Spaß machen. Der DOM-Besuch ist nicht das einzige Highlight der Ferienfreizeit. Eine Fahrt mit der Fähre 62 nach Finkenwerder, eine Besuch des Heidepark Soltau sowie das Schnuppertauchen mit echten Sauerstoffflaschen kamen bei den Kindern besonders gut an. Außerdem führten die Kinder die Geschichte von David und Goliath in der Lutherkirche auf. Hierfür gestalteten sie sogar das Bühnenbild selbst. 

Gesundheitliche Folgen nach der Reaktorkatastrophe

Doch auch die medizinische Versorgung der Kinder ist ein Aspekt des Aufenthaltes in Hamburg. Fünf Hamburger Zahnärzte behandeln ehrenamtlich die 30 Kinder. Dabei spielt es keine Rolle, ob es lediglich um eine Füllung oder um eine schwierige Wurzelbehandlung oder die Versiegelung von Fissuren geht. 

Auf den ersten Blick sieht man den Kindern nicht an, dass sie aus dem Gebiet kommen, wo sich 1986 eine der schlimmsten Reaktorkastastrophen ereignete. Doch es sind die Langzeitfolgen, an denen diese Kinder zu leiden haben. Einige der Kinder haben Schilddrüsenerkrankungen oder leiden an Knochenschäden. Fast alle Kinder hätten ein schwaches Immunsystem, wodurch schwerwiegende Infekte entstehen könnten, erklärt Jutta Röhrs, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Projektes. Sie führt aus, dass viele Familien aufgrund ihrer prekären Lebenssituation auf Lebensmittel von der Datscha angewiesen seien. So gelangten niedrig verstrahlte Lebensmittel in den Nahrungskreislauf. Gerade deswegen sei die gesunde Ernährung während der Ferienfreizeit in Hamburg besonders wichtig. Die schönen Erinnerungen, von denen die Kinder nach ihrer Heimkehr zu Hause berichten, sind die seelische "Nahrung", von denen sie hoffentlich noch lange zehren. 

Spenden und ehrenamtliches Engagement

Das Projekt wird gänzlich aus Spendengeldern finanziert, die die Tschernobylgruppe der Luthergemeinde Bahrenfeld über einen Zeitraum von zwei Jahren sammelt. Rund 40.000 Euro kostet die Freizeit für die 30 Kinder und ihre Betreuer. Davon bezahlt werden die Anreise, die Unterkunft und Verpflegung sowie die Versicherung und Ausflüge.
Ausgewählt werden die Kinder nach ihrer Bedürftigkeit. Der DOM-Besuch ist seit der ersten Freizeit vor 28 Jahren fester Bestandteil der Sommerfreizeit. Ermöglicht wird der DOM-Besuch durch das Engagement der Schausteller, die kostenlose Fahrten zur Verfügung stellen sowie für die Verpflegung der Kinder auf dem Dom sorgen.

Das Reaktorunglück ereignete sich in der Ukraine (Tschernobyl), aufgrund der Wetterlage wurden jedoch besonders weite Teile Weißrusslands erheblich verstrahlt. Die Bevölkerung aus den betroffenen Gebieten musste umgesiedelt werden. Dafür entstanden teils riesige Trabantensiedlungen um andere weissrussische Städte. 

Mehr Infos zu: Die Tschernobylkinder kommen

Mehr Infos zu: Spenden für die Tschernobylkinder Hamburg


DOM-Spaß für 30 weißrussische Kinder aus Katastrophengebiet
Glänzende Augen und fröhliches Gekreische - 30 weißrussische Kinder haben den Sommerdom besucht. Sie stammen aus der vom Reaktorunglück rund um Tschernobyl betroffenen Region und verbringen im Rahmen einer Erholungsfreizeit vier Wochen in Hamburg. Die Freizeit wird seit 30 Jahren von der Luthergemeinde Bahrenfeld über Spenden finanziert und mithilfe ehrenamtlichen Engagements organisiert. 
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