Katrin Bethge auf dem Elbfest.Hamburg Lichtbarkasse

Im Rahmen des Elbfestes wird die Lichtkünstlerin Katrin Bethge auf einer Barkassenfahrt vergangene Hafenzeiten zu neuem Leben erwecken. Im Interview erklärt Katrin Bethge, was die Besucher auf der ungewöhnlichen Fahrt durch den Sandtorhafen erwartet und welchen Reiz Lichtprojektionen im Hafenambiente haben. 

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Lichtbarkasse - Katrin Bethge

Elbfest.Hamburg - Lichtbarkasse

Adresse
Sandtorhafen/Traditionsschiffhafen, 20457 Hamburg
Termin
Samstag, 17. September 2016, 21 Uhr
Weitere Infos
Katrin Bethge

Frau Bethge, Sie schaffen seit über 10 Jahren alleine oder gemeinsam mit Musikern und Schauspielern Lichtprojektionen. Im Zusammenklang von Licht, den Oberflächen und Volumen des Raumes, auf die das Licht fällt, entstehen vollkommen neue Räume. Aus einer kahlen Wand werden im Spiel des Lichtes dreidimensionale Räume, die der Betrachter nun anders wahrnimmt. Was erwartet den Besucher auf der Lichtbarkassenfahrt?
Bei der Lichtbarkassenfahrt lasse ich von der Barkasse aus Projektionen auf der Kaimauer auftauchen, historische Bilder, Flüssigkeiten, Glasplatten, die das Licht brechen. Es wird eine stille Performance sein, ohne Musik. Es sind weniger Räume die dabei entstehen, als Bilder, die plötzlich in die Gegenwart geholt werden, indem sie auf die Architektur treffen, die heute dort im Sandtorhafen vorzufinden ist.

Es handelt sich um analoge Lichtprojektionen und historische Bilder. Woher kommen die historischen Aufnahmen und aus welcher Zeit stammen diese?
Das sind zum Teil Bilder, die sich über die Jahre bei mir angesammelt haben, da ich bereits verschiedene Lichtprojekte im Hafen realisieren durfte. Mich berühren diese Bilder sehr, da sie von einer Zeit erzählen, die es so nicht mehr gibt und uns daran erinnern, dass auch unsere Zeit irgendwann eine solche Vergangenheit sein wird.

Ist die Lichtbarkassenfahrt Ihre erste Lichtprojektion im Hafen? 
Nein, ich habe bereits 2005 mit dem Musiker John Eckhardt und Rolf Kellner von "über normal null" die Installation "Projektion Kaispeicher A - Bauen mit Licht und Klang" inszeniert. Das war eine Licht- und Klanginstallation, die über den Zeitraum von 8 Wochen am Kaispeicher A zu erleben war. Damals war noch keine Spur von der Elbphilharmonie und das Gelände vom Kaiserdamm war noch komplett unbebaut, eine Tabula Rasa.
Danach hatte ich dann 2006 am Sandtorhafen die Installation "Schwebende Archive" mit einer Segeltuchinstallation des Künstler Jens J. Meyer und ebenfalls mit Rolf Kellner.
In beiden Installationen aber besonders in den schwebenden Archiven ging es auch um den Hafen und seine Geschichte. Bilder von Gesichtern von Hafenarbeitern, Gebäuden, Kränen, die schemenhaft erschienen und wieder verschwanden, so wie die Bilder in unserer Erinnerung.

Welche Reize hat eine Lichtprojektionen im Hafen und auf einer fahrenden Barkasse (im Gegensatz zu statischen Flächen)?
Die Projektion von der Barkasse aus hat etwas sehr Flüchtiges, wie unsere Erinnerungen. Und etwas spontanes! Mein Projektor steht in einer Art Schaukel, die ich in alle Richtungen wenden kann. Ich reagiere auf den Ort, an den ich mit der Barkasse gelange und lasse dort meine Bilder entstehen. Menschen und Gebäude tauchen im Hafen auf, wo Sie vielleicht einmal waren und längst nicht mehr sind.
Das Boot wird sicher auch schaukeln und so fangen die Bilder an über die Wände zu tanzen und erinnern an die Vergänglichkeit und auch Verletzlichkeit der Menschen und ihrer Werke.

Wird die Projektionen von anderen Klängen als den natürlichen des Hafens und der Barkasse begleitet? Oder werden die Bilder kommentiert?
Nein, es wird eher eine poetische Einladung, sich zu erinnern und wenn es gelingt, ein wenig verzaubern zu lassen.

Planen Sie weitere Projekte im Hamburger Hafen?
Tatsächlich hat mich das Ensemble Resonanz eingeladen, ein Kinderprojekt Anfang 2017, Dvoraks "Reise in die neue Welt" in der Elbphilharmonie mit meinen Projektionen zu begleiten.

Über die Lichtkünstlerin Katrin Bethge

Nach einer Ausbildung zur Theatermalerin an der Hamburgischen Staatsoper studierte Katrin Bethge Zeichnung an der HAW Hamburg, u.a. bei Anke Feuchtenberger und Yoram Merose. Die Overheadprojektionen von Katrin Bethge verwandeln als vergängliche Malerei die Oberflächen des Raumes, in den sie fallen. Unter Verwendung von lichtbrechenden Objekten, Flüssigkeiten und alltäglichen Materialien direkt auf der Arbeitsfläche des Projektors entstehen kosmische wie mikroskopische Räume aus Licht. Katrin Bethge begleitet Projekte aus den Bereichen Tanz, Theater und Musik auf internationalen Bühnen und Festivals, etwa in der Schweiz, in Polen, Finnland, England, Tschechien sowie in den Niederlanden und den USA. Gemeinsam mit dem Bassisten John Eckhardt entwickelte sie das audiovisuelle Duo „visual bassic“. Die konzertante Oper "Echnaton" von P. Glass wurde mit ihren Projektionen im Hangar in Tempelhof, Berlin, inszeniert. Sie arbeitete u.a. mit dem Schweizer Künstlerkollektiv „400 Asa“, dem Ensemble Resonanz, Kommando Himmelfahrt und der Choreografin Ursina Tossi. Seit 2001 ist Katrin Bethge Dozentin an der Akademie JAK, Hamburg. Ausstellungen ihrer Zeichnungen in Kombination mit Projektionen waren u.a. im beim TON:arten Festival, Sasbachwalden, im Westwerk und in der Galerie Kunstnah, Hamburg, zu sehen.





Lichtbarkasse
Im Rahmen des Elbfestes wird die Lichtkünstlerin Katrin Bethge auf einer Barkassenfahrt vergangene Hafenzeiten zu neuem Leben erwecken. Im Interview erklärt Katrin Bethge, was die Besucher auf der ungewöhnlichen Fahrt durch den Sandtorhafen erwartet und welchen Reiz Lichtprojektionen im Hafenambiente haben. 
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