Behörde für Umwelt und Energie

Baukosten-Studie Energiesparhäuser müssen nicht teurer sein

Energiesparhäuser müssen nicht teurer sein

Die energetischen Standards im geförderten Wohnungsbau in Hamburg sind keine Preistreiber bei den Baukosten. Das ergibt eine aktuelle Studie im Auftrag der Behörde für Umwelt und Energie. In der empirischen Untersuchung hat das Büro „F + B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt“ die Baukosten von 4.780 Wohneinheiten im öffentlich geförderten Wohnungsbau in Hamburg aus vier Jahren verglichen. Die Ergebnisse sollen ein Beitrag sein für die Diskussion zu den tatsächlichen Kostentreibern im Wohnungsbau.

Jens Kerstan, Senator für Umwelt und Energie erklärt dazu: „Wir brauchen in Hamburg bezahlbare Wohnungen und eine Diskussion über preiswerte Baukosten. Mit den Ergebnissen dieser Studie wissen wir heute, dass der Vorwurf an die energetischen Vorgaben falsch ist: Energiesparende Häuser sind nicht zwangsläufig teurer. Das bedeutet, dass unsere Klimaschutzziele und preiswertes Wohnen keinen Widerspruch darstellen.  Das ist eine gute Nachricht für Hamburg. Das Ziel muss es sein, jetzt die tatsächlichen Gründe für steigende Kosten herauszufinden und die geplanten Wohnungen in Hamburg so zu bauen, dass die Mieten wie auch die Heizkosten bezahlbar bleiben. Wir wollen die Ergebnisse jetzt zeitnah mit den Partnern im Bündnis für das Wohnen erörtern und gemeinsam Lösungen suchen, wie wir dem Klimaschutz im Wohnungsbau gemeinsam gerecht werden können.“

Die Umweltstandards und Vorgaben zur Energieeffizienz wurden zuletzt immer wieder für Kostensteigerungen im Wohnungsbau verantwortlich gemacht. Es wurde der Eindruck erweckt, dass höhere energetische Standards ein zentraler Hemmnisfaktor für bezahlbare Wohnungen sein. Mit der nun vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchung ist dieses Argument nicht haltbar. Es wird deutlich, dass es sehr verschiedene Faktoren sind, die das Bauen in Hamburg teuer machen.

Die zentralen Ergebnisse der Studie sind:

  • Es gibt keinen signifikanten statistischen Zusammenhang zwischen Baukosten und energetischen Kenngrößen. Die Mittelwerte (Mediane) der Baukosten der verschiedenen Effizienzhausstandards unterscheiden sich nicht signifikant.
  • Die Streuung der Baukosten innerhalb jeder Effizienzhausgruppe ist sehr groß. Die Streuung ist beim gesetzlichen Standard sogar am größten.
  • Sowohl bei den energetisch besten als auch bei den energetisch schlechtesten Gebäuden gibt es teure und günstige Bauprojekte. Ein wesentlicher Anteil der Niedrigenergiehäuser hat sogar Bauwerkskosten (bereinigt ohne Tiefgaragen, Kostengruppen 300+400) von unter 1.800,-€/m2.

Für die Untersuchung wurden ca. 120 der rund 200 von der IFB (Hamburgische Investitions- und Förderbank) in den Jahren von 2011 bis 2014 bewilligten und anschließend realisierten Wohnungsbauprojekte eingehend erfasst und statistisch ausgewertet. Die Auswertung umfasste damit rund 4.780 Wohneinheiten. Datengrundlage waren die vorliegenden Bau- und Förderakten der IFB. Damit ist dies bundesweit breiteste Datenbasis für eine vergleichende empirische Baukostenanalyse.

Auswertung der Baukosten nach Effizienzhausklassen in €/m²

Ergebnis der Gesamtbaukosten nach energetischem Standard (Effizienzhausklasse) in €/m²

Erläuterung zur Grafik: Die Baukosten der ausgewerteten Vorhaben sind in jeder Effizienzhaus-Gruppe gereiht von kleinen zu großen Werten dargestellt. Die erste Gruppe entspricht dem damaligem gesetzlichem Standard (Energieeinsparverordnung EnEV 2009 i.V.m. Hamburger Klimaschutz-Verordnung) Der heutige gesetzliche Standard entspricht fast (nicht ganz) dem Effizienzhaus-70.
Die angegebenen Mittelwerte sind als Median für die Kostengruppen 300 bis 700 dargestellt. Dies sind die Baukosten inkl. Planungs- und Nebenkosten, aber ohne Grundstückkosten und grundstückbezogene Mehrkosten. In vielen Gutachten und Veröffentlichungen werden auch nur die reinen Bauwerkskosten (Kostengruppen 300 und 400) dargestellt, die entsprechend niedriger liegen, dies ist beim Vergleich zu beachten.Die Streuung der Baukosten innerhalb jeder Gruppe ist allerdings groß, weshalb der Unterschied der Medianwerte nicht signifikant ist.

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