Das Wort Energiewende bezeichnet die Idee, aus der Kernenergie auszusteigen und auf fossile Energieträger, wie zum Beispiel Kohle und Erdöl, zu verzichten. Ziel ist es, die Energieversorgung so umzugestalten, dass mit Hilfe von Erneuerbaren Energien der Energieverbrauch mittel- und langfristig nahezu CO2-frei betrieben wird. Hierüber besteht ein breiter gesellschaftlicher Konsens, so dass diese Ziele mittlerweile energiepolitisches Allgemeingut darstellen. Der Begriff Energiewende entstand in den 1980er Jahren in Expertenkreisen. In den darauf folgenden Jahrzehnten haben viele Akteure dazu beigetragen, den Begriff „Energiewende“ wissenschaftlich zu fundieren, praktisch auszufüllen und gesellschaftlich akzeptierte Lösungsvorschläge für eine nachhaltige Nutzung von Energie zu machen. Einer breiteren Öffentlichkeit hierzulande ist der Begriff der Energiewende erst seit einigen Jahren als eingängiges Schlagwort für die entsprechende politische Gesamtstrategie vertraut.
Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt
Energiewende allgemein
Fragen und Antworten zur Energiewende
Wir beantworten wichtige Fragen rund um die Energiewende.
Teil 1: Die Energiewende allgemein
Was heißt Energiewende?
Warum brauchen wir die Energiewende?
Es gibt im Wesentlichen zwei Gründe: Wichtigstes Argument ist der Klimawandel, der durch Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Öl verursacht wird. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat die Wissenschaft bewiesen, dass diese Art der Energieerzeugung, auf die unser Lebens- und Wirtschaftsmodell im Westen seit der Industriellen Revolution basiert, große Mengen des Treibhausgases CO2 freisetzt und damit die Erdatmosphäre immer weiter aufheizt.Die Folge sind unkalkulierbare Risiken wie ein Anstieg des Meeresspiegels, Unwetterkatastrophen, Probleme bei der globalen Nahrungsmittelversorgung und eventuelle damit zusammenhängende Konflikte. Es gibt aber noch ein zweites Argument: Aufgrund des steigenden globalen Verbrauchs werden die begrenzt verfügbaren fossilen Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer knapper und teurer. Es ist daher strategisch klug, davon unabhängig zu werden und auf Erneuerbare Energien zu setzen.
Was sind Erneuerbare Energien?
Erneuerbare Energien sind Energien, die nach menschlichen Maßstäben in unerschöpflicher Menge vorhanden sind, sich also auf natürliche Art selbst „erneuern“. Dazu gehören die Sonnenenergie und die Windkraft, die sich für Strom- und Wärmeerzeugung nutzen lassen. Auch die Wasserkraft zählt dazu. Als Erneuerbare Energien gelten außerdem die Geothermie, bei der die natürliche Wärme des Erdbodens genutzt wird, sowie Biomasse. So nennt man nachwachsende Pflanzenrohstoffe wie Holz oder Stroh sowie Biogas, das bei der Zersetzung organischer Abfälle entsteht. Aus klimapolitischer Sicht sind Erneuerbare Energien interessant, weil bei ihrer Verwendung kein zusätzliches CO2 in den natürlichen globalen Kreislauf gelangt.
Was kostet den Verbraucher die Energiewende?
Eine ziemlich schwierige, seriös derzeit nicht abschließend zu beantwortende Frage. Zwar ist es relativ leicht möglich, die direkten Mehrkosten durch staatliche Umlagen zur Förderung für Erneuerbare Energien zu beziffern. Aber es ist sehr viel schwieriger, die entlastenden Effekte eines allmählichen Umbaus der Energieversorgung anzugeben. Es gibt zu viele Faktoren, die auf dem Energiemarkt eine Rolle spielen und Verbraucherpreise für Strom oder Heizwärme beeinflussen - und diese sind generell nicht mit einem Blick auf die Stromrechnung erkennbar.
So führt die von den Stromkunden bezahlte EEG-Umlage von derzeit knapp 5,28 Cent je Kilowattstunde zwar zu Mehrkosten, die damit geförderten Anlagen für Erneuerbare Energie in Deutschland vergrößern aber das Stromangebot und ließen die Börsenpreise für Strom bereits sinken. Fossile Energieträger wie Erdöl und Kohle werden aufgrund der steigenden globalen Nachfrage zudem dramatisch teurer, was die Energiekosten der deutschen Volkswirtschaft seit dem Jahr 2000 bereits mehr als verdoppelt hat. Erneuerbare Energien entlasten die deutsche Volkswirtschaft vor diesem Hintergrund bereits heute um mehrere Milliarden Euro pro Jahr, weil sie diese ersetzen. Dieser Einspareffekt wird sich längerfristig deutlich erhöhen, zumal die Kosten für regenerative Energieerzeugung durch technischen Fortschritt weiter sinken werden.
Es gibt weitere Unwägbarkeiten, die die Rechnung verkomplizieren. Einerseits müssen wegen der Energiewende in den kommenden Jahrzehnten zwar immense Investitionen etwa in neue Gaskraftwerke und Stromleitungen getätigt werden. Die Bundesregierung schätzt diese auf 550 Milliarden Euro. Aber viele dieser Kosten würden auch ohne Energiewende anfallen, weil alte Anlagen modernisiert werden. Und bei Gebäudesanierung und Effizienzsteigerungen stehen anfänglichen Kosten langfristig Einsparungen gegenüber, die Verbraucher deutlich entlasten. Zu beachten ist auch, dass der Abschied von Atomkraft und fossilen Brennstoffen Geld spart, beispielsweise durch Vermeidung von Umweltschäden und Entsorgungskosten.
Wie setzt sich der Strompreis zusammen?
Der Strompreis besteht im Wesentlichen aus vier unterschiedlichen Komponenten. Etwa ein Drittel der Kosten, die der private Endverbraucher für eine Kilowattstunde elektrische Energie bezahlt, landet auf dem Konto seines Stromanbieters, der dafür den Strom erzeugt oder aufkauft, seine Vertriebsstrukturen bezahlt und natürlich möglichst Gewinn erwirtschaften will. Etwa ein Viertel erhält der Netzbetreiber, also das Unternehmen, das das Stromnetz betreibt. Einen Teil davon leitet dieser als Konzessionsabgabe an die Kommunen weiter, deren Straßen und Flächen er nutzt, um Kabel zu verlegen oder Hochspannungsleitungen zu errichten.Ein Viertel des Strompreises in Deutschland machen allgemeine Verbrauchssteuern aus, die der Staat kassiert. Vor allem die Mehrwertsteuer schlägt - wie bei anderen Produkten und Dienstleistungen - mit den üblichen 19 Prozent zu Buche. Beim Strom kommt zusätzlich noch die sogenannte Stromsteuer dazu. Die derzeit viel diskutierten Umlagen zur Förderung Erneuerbarer Energien und besonders effizienter Kraftwerkstechniken machen zusammen etwa 15 Prozent des Strompreises aus - also etwa ein Siebtel. Die EEG-Umlage, mit der der Betrieb von Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien finanziell bezuschusst wird, macht den Löwenanteil davon aus. Die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplungs-Umlage (KWK-Umlage) zur Förderung verbrauchsarmer Gaskraftwerke trägt weniger als 0,5 Prozent zum Endpreis bei.
Was passiert durch die Energiewende mit den Kosten für Heizung und Warmwasser?
Bei den Kosten für Heizung und Warmwasseraufbereitung wird sich die Energiewende für den Verbraucher bezahlt machen. Denn diese folgen letztlich den Weltmarktpreisen für fossile Energieträger wie Erdgas, Erdöl und Kohle. Und die kennen wegen des wirtschaftlichen Aufholprozesses großer Schwellenländer wie China seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Musste Deutschland nach Berechnung der Bundesregierung im Jahr 2000 etwa 59 Milliarden Euro für die Deckung seines Energiebedarfs zahlen, waren es zehn Jahren später bereits 124 Milliarden Euro. Entsprechend stiegen die Preise für den Betrieb von Heizkesseln. Und das ist ein großes Problem: Auch wenn öffentlich derzeit fast nur über den Strompreis diskutiert wird, entfallen mehr als Dreiviertel der Energiekosten von Privathaushalten auf Heizung und Warmwasser.Vor diesem Hintergrund wird die Energiewende den Verbraucher durch den verstärkten Einsatz von im Inland erzeugten Erneuerbaren Energien, die effizientere Bereitstellung von Heizenergie in sparsameren Kraftwerken und die konsequente Drosselung des Energieverbrauchs von Gebäuden durch Sanierungsmaßnahmen finanziell massiv entlasten. Eine jüngst vorgestellte Studie für das Bundesumweltministerium ergab, dass Privathaushalte in der EU allein durch Effizienzsteigerungen vor allem im Gebäude- und Heizungsbereich künftig 125 Milliarden Euro jährlich einsparen könnten, wobei sich 90 Prozent der Maßnahmen selbst tragen.
Was kann ich als Verbraucher tun, um die Energiewende zu unterstützen?
Die beste Energie ist diejenige, die gar nicht erst verbraucht wird. Denn dadurch entfällt die klimaschädliche Energieproduktion. So können die Verbraucher die Energiewende gleich auf mehrere Arten effektiv unterstützen. Einer der besten Wege ist es, in den eigenen vier Wänden für mehr Energieeffizienz zu sorgen. Das schont auch den eigenen Geldbeutel. Denn eines ist sicher: Energie wird teurer. Es ist daher sinnvoll, seinen Energieverbrauch durch intelligente Maßnahmen möglichst weit zu reduzieren. In der Summe entlastet das zugleich das gesamte Energieversorgungssystem und erleichtert den Umstieg auf Erneuerbare Energien. Denn je weniger Energie insgesamt benötigt wird, desto weniger neue Kraftwerke und Infrastrukturen müssen in Deutschland gebaut werden.Zusätzlich sollten Verbraucher darüber nachdenken, ihren eigenen Energiebedarf aus Erneuerbaren Energien zu decken. Viele Stromanbieter haben entsprechende Öko-Tarife, wobei es jedoch gewisse Unterschiede gibt. Am besten sind Anbieter, die in neue Erzeugungsanlagen investieren und damit das verfügbare Angebot von Ökostrom erhöhen. Auch für Gaskunden gibt es klimaschonende Alternativen wie den Bezug von CO2-neutralem Biogas. Die hundertprozentige städtische Tochter „Hamburg Energie GmbH“ ist z.B. so ein Anbieter von kohle- und atomfreie Strom- und Biogasprodukten. Wer seine Immobilie besitzt, kann auch direkt in Anlagen zur Nutzung Erneuerbarer Energien investieren - etwa in Solarthermie- oder Photovoltaik-Anlagen auf dem eigenen Dach.
Wie kann ich weniger Energie verbrauchen und damit Geld sparen?
Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Einige sind denkbar einfach: Kurzes Stoßlüften ist besser als die Fenster bei laufender Heizung den ganzen Tag auf Kipp zu stellen. Moderne Beleuchtungstechniken wie LED- und Energiesparlampen benötigen nur Bruchteile der Energie alter Glühbirnen. Und Elektrogeräte wie Fernseher oder Computer sollten nach dem Abschalten besser vom Netz getrennt werden, weil sie im Stand-by-Modus weiterhin unnötigerweise Strom verbrauchen. Derartige Tipps und Tricks sind keineswegs banal. Wer sie beachtet, kann aufs Jahr gerechnet bereits beträchtliche Mengen an Energie einsparen.Weitergehende Maßnahmen erfordern gewisse Investitionen, die sich aber längerfristig meist auszahlen. Höchst sinnvoll ist die Anschaffung neuer, effizienterer Haushaltsgeräte. Vor allem Wäschetrockner, Kühlschränke und Waschmaschinen verbrauchen viel Energie. Heutige Modelle sind um ein vielfaches effizienter als ihre Vorgänger vor fünf oder zehn Jahren. Zur Orientierung beim Kauf dient das verpflichtende Energieeffizienz-Label der EU. Ein Gerät der Klasse A+ verbraucht 25 Prozent weniger Energie als eines der nächstniedrigeren Klasse A, eines der Klasse A++ sogar 50 Prozent weniger. Insgesamt lässt sich durch konsequenten Gerätetausch nach Expertenangaben jährlich durchaus eine Summe von rund 180 Euro sparen.
Weitere Energiespar-Tipps gibt Ihnen die Hamburger EnergieAgentur.
Teil 2. Die Hamburger Energiewende
Was sind die zentralen Maßnahmen der Hamburger Energiewende?
Bei der Hamburger Energiewende konzentriert sich der Senat auf die drei Bereiche, die für eine möglichst CO2-freie Energieversorgung am wichtigsten sind und in denen sich in einer Metropole wie Hamburg am schnellsten entscheidende klima- und umweltpolitische Fortschritte erreichen lassen. Die beste Energie ist die, die nicht erst produziert und verbraucht wird. So widmet der Senat sich zum einen der Steigerung der Energieeffizienz im Immobilien- und Gewerbebereich, um den Verbrauch von Strom und Heizwärme zu senken. Das spart riesige Mengen C02, entlastet Bürger und Unternehmen finanziell und erleichtert den Umbau der Energieversorgungssysteme, weil insgesamt weniger Energie benötigt wird.
Zweitens arbeitet der Senat an einem zukunftsweisenden Um- und Ausbau der Versorgungsnetze für Strom und Gas sowie der Fernwärmeversorgung (einschließlich Erzeugung). Er hat sich mit den in Hamburg tätigen Energieversorgern zusammengetan, um die Netze fit für die Einspeisung Erneuerbarer Energien zu machen und sparsamere hocheffiziente Kraftwerke in Betrieb zu nehmen. Dadurch wird etwa die CO2-Bilanz der für Hamburgs Energieversorgung wichtigen Fernwärme deutlich verbessert, zudem entstehen unter anderem neuartige Großspeicher für Windstrom.
Drittens forciert die Stadt den Ausbau der Erneuerbaren Energien, das heißt sie schafft die Grundlagen für den Bau neuer Windkraft-, Biomasse-, Photovoltaik- und Solarthermieanlagen. So soll die Windkraftkapazität der Hansestadt in den kommenden Jahren verdoppelt werden. Öffentliche Unternehmen wie der Versorger Hamburg Energie GmbH und die Hamburger Stadtreinigung sind am Ausbau der Erneuerbaren Energien auch direkt beteiligt, sie finanzieren und betreiben entsprechende Anlagen. So wird der Anteil Erneuerbarer Energien am Energiemix erhöht.
Was sind die Ziele der Hamburger Energiewende?
Zuallererst geht es um den Schutz des Klimas. Als zweitgrößte Stadt Deutschlands und Zentrum einer wichtigen Metropolregion mit vielen Millionen Einwohnern wird Hamburg seinen Beitrag zur Erreichung der deutschen Klimaziele leisten: Reduzierung der CO2‐Emissionen um 40% bis 2020 und um mindestens 80% bis 2050. Das geht nur, wenn die gesamte Energieversorgung möglichst CO2-frei umgestaltet und der Energieverbrauch der Stadt durch Effizienzsteigerungen zusätzlich deutlich abgesenkt wird.Aber das ist nicht alles: Die Energiewende wird vom Senat auch als ein zentrales industrie- und standortpolitisches Projekt begriffen, mit dem sich die Hansestadt für die Zukunft rüsten kann. Als national und international bekannter Wirtschaftsstandort wird sie als erfolgreiche Modellstadt für den Aufbruch in ein grünes Energiezeitalter ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und durch neues Know-how und neue Investitionen zukunftssichere Arbeitsplätze schaffen. Durch die Ansiedlung vieler Unternehmen wird Hamburg schon jetzt zur Hauptstadt der Windenergie und Gewinner der Energiewende.
Warum hat die Stadt 25,1 Prozent und nicht 100 Prozent der Energienetze zurückgekauft?
Der Senat ist der Überzeugung, dass sich die Stadt mit dem Erwerb von 25,1 % der Anteile an den Fernwärmeversorgung sowie den Gas- und Stromnetzen einen ausreichenden strategischen Einfluss sichert und die Energiewende unter dem Strich am besten unterstützt. Nur mit den Energienetzen allein gelingt die Energiewende nicht. Die hundertprozentige Netzübernahme, also eine komplette Rekommunalisierung, hat demgegenüber keine Vorteile für unsere Stadt. Schon finanzpolitisch wäre ein Rückkauf in Zeiten dringend nötiger Haushaltskonsolidierung nicht zu verantworten. Die Kosten dafür hätten mehrere Milliarden Euro betragen. Und das wäre noch nicht alles: Sämtliche Investitionen in die Instandhaltung der Netze und deren Umbau im Rahmen der Energiewende hätte die Stadt dann aus eigener Tasche finanzieren müssen, das gesamte unternehmerische Risiko läge bei einem solchen Modell allein bei ihr. Durch vereinbarte feste Ausgleichszahlungen („Garantiedividenden“) hat die Stadt Hamburg feste Einnahmen und minimiert dadurch im Sinne der Steuerzahler unternehmerische Risiken.
Die Forderung birgt zudem immense rechtliche Risiken. Die Stadt müsste langwierige Gerichtsverfahren mit offenem Ausgang abwarten und ob so eine volle Rekommunalisierung gelingen würde, wäre offen.Auf der anderen Seite hätte sie mit Blick auf ihre klima- und energiepolitischen Ziele nichts Entscheidendes gewonnen. Um ein Beispiel zu nennen: Der bloße Besitz der Netze verschafft noch keinen Einfluss auf die Art der Energieerzeugung in den Kraftwerken, die diese speisen. Insgesamt war es daher sinnvoller, sich als Miteigentümer der Netze langfristig mit den Energieversorgern zusammenzutun, die diese Anlagen betreiben. Als deren neue Partnerin hat sich die Stadt 2011 beim Einstieg in die gemeinsame Netzgesellschaft etwa den Bau eines hocheffizienten Fernwärmekraftwerks zusichern lassen, das für Hamburgs Klimaziele mitentscheidend sein wird. Derartiges funktioniert nur in einem solchen Kooperationsmodell.
Was hat Hamburg mit Vattenfall und E.ON vereinbart?
Die Stadt hat den beiden Unternehmen 25,1 Prozent der Anteile den Netzen für Strom und Gas sowie an der Fernwärmeversorgung (einschließlich Erzeugung) abgekauft und sitzt nun als Miteigentümerin der gemeinsamen Gesellschaften bei allen wichtigen Entscheidungen mit am Tisch. Sie erhält zudem einen entsprechenden Anteil der Einnahmen, die sogenannten Garantiedividenden, mit der sie finanziell verlässlich kalkulieren kann. Die für die Hamburger Energiewende entscheidendere Seite des Geschäfts aber sind die langfristigen Kooperationsvereinbarungen, die Stadt Hamburg und Energieversorger bei ihrem Zusammenschlusses vereinbart haben: Vattenfall und E.ON investieren demnach rund 1,6 Milliarden Euro in den Aus- und Umbau der Energieversorgung sowie zahlreiche Energieprojekte.
Das Geld fließt in den kommenden Jahren in mehr als 60 zukunftsweisende Einzelmaßnahmen und Projekte. Dazu zählen die Steigerung des Anteils Erneuerbarer Energien, der Aufbau neuer Energiespeicher, die Erhöhung der Energieeffizienz und die Verbesserung der Fernwärmeversorgung. Zentral ist dabei unter anderem der Bau eines innovativen und hocheffizienten Gas- und Dampf-Kombikraftwerks in Wedel, das große Teile Hamburgs auf klimaschonendere Art als bisher mit Fernwärme versorgen wird.
Warum arbeitet Hamburg bei der Energiewende mit den großen Energieversorgern zusammen?
Weil sich so mehr erreichen lässt. Vattenfall und E.ON sind etablierte Energieversorger, die die Stadt seit vielen Jahren mit Strom und Wärmeenergie versorgen und über das entsprechende Know-how und die nötige Erfahrung für diese anspruchsvolle Aufgabe verfügen. Es sind zudem große Unternehmen mit entsprechenden Finanzierungs- und Investitionsmöglichkeiten. Die Stadt wäre schlecht beraten, dieses Potenzial nicht einzubinden und die Energiewende gegen die etablierten Energieversorger vorantreiben zu wollen, statt mit ihrer Hilfe ein besonders ehrgeiziges Energiekonzept zu verwirklichen. Die Folge wäre nicht klimapolitischer Fortschritt, sondern Stillstand auf einem für Hamburgs Zukunft entscheidenden Feld.
Kann Hamburg seinen Bedarf nur aus Erneuerbaren Energien decken?
Theoretisch ist das möglich. Allein die in Hamburg verfügbare natürliche Sonnenenergie würde dafür locker ausreichen. Ob sich eine Komplettversorgung aus Erneuerbaren Energieträgern in absehbarer Zeit technisch bewerkstelligen lässt, steht auf einem anderen Blatt. Es gibt trotz großer Fortschritte beim Ausbau von Wind-, Sonnen- und Biokraft in Deutschland nach wie vor zahlreiche Herausforderungen zu meistern. So decken Erneuerbare Energien zwar schon weit mehr als 20 Prozent des Strombedarfs und haben damit die Atomkraft überholt, aber ohne die mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerke wird es wohl noch längere Zeit nicht gehen.
Das hat verschiedene Gründe, die auch mit dem komplexen Gesamtgefüge der Energieversorgung zu tun haben. Um die Stromnetze trotz schwankenden Verbrauchs stabil zu halten, müssen beispielsweise ständig flexible Kraftwerkskapazitäten an- und abgeschaltet werden, während andere Anlagen möglichst konstant ein gewisses Maß an Grundbedarfs-Energie bereitstellen. Moderne Erdgaskraftwerke eignen sich anders als etwa Windparks hervorragend für schnelle Lastwechsel, was sie auf absehbare Zeit zu einem wichtigen Baustein der Energiewende macht. Hinzu kommt, dass die Einsatzmöglichkeiten für Erneuerbare Energien nicht überall gleich gut sind. Bei der Wärmeversorgung oder im Verkehrssektor lässt sich auf fossile Brennstoffe schwerer verzichten als im Strom-Bereich.
Müssen auch in Hamburg neue Leitungen und Netze gebaut werden?
Hamburg ist kein Flächenland, deshalb wird es in Hamburg keine neuen Hochspannungstrassen zum Anschluss von Windparks oder ähnliche Großprojekte geben. Der Ausbau der Netze im Zuge der Energiewende wird sich in der Hansestadt sehr viel unauffälliger vollziehe. Deutlich wird dies etwa bei der Ausweitung der Nah- und Fernwärmeversorgung, die im Interesse einer CO2-ärmeren Energiebereitstellung forciert wird. Da die Fernwärme-Hauptleitungen bereits existieren, wird es eher darum gehen, einzelne Häuser und Straßen neu anzuschließen. Im Einzelfall wird es auch neue Bauwerke geben, etwa eine Erdgaskessel-Anlage in Altona. Diese wird aber in einem Gewerbegebiet errichtet.
Der Umbau der Stromnetze besteht in Hamburg im Anschluss einzelner neuer Erzeugeranlagen wie Blockheizkraftwerke oder Windräder, was allenfalls örtlich begrenzte Baumaßnahmen erfordert. Größere Bauprojekte wie die Windstrom-zu-Wärme-Speicher an den Kraftwerken Wedel und Tiefstack werden auf dem Gelände ohnehin bestehender Anlagen realisiert. Im Wesentlichen wird es darüber hinaus um den Aufbau eines intelligenten Stromnetzes (Smart Grid) gehen, das sich eher durch den Einsatz neuer computergestützter Regeltechnologie und innovativer Energiemanagement-Strategien auszeichnet als durch zusätzliche Kupferleitungen.
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