
Einstellungstest für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst bei der Feuerwehr Hamburg
Mein Einstellungstest - wie ich es gesehen habe…
Der erste Tag
Auf dem Flur des Personalauswahlzentrums ist von dem kalten Winterwetter nichts zu spüren. Es herrscht Hochspannung und ich warte hier mit ungefähr zehn anderen Bewerbern darauf, dass es endlich losgeht. Es ist 7.45 Uhr und zwei Beamte - einer davon mit einem lustigen Haarkranz - begrüßen uns freundlich, rufen unsere Namen auf und führen uns über einen langen Weg quer durch das Gebäude in einen großen Besprechungsraum. Den Weg würde ich nie wieder zurück finden. Hier also sollen wir getestet werden!
Nach kurzer aber freundlicher Einweisung in den Ablauf des Vormittages geht es los. Es beginnt mit zwei Deutschdiktaten. Noch nie hatte ich Probleme mit der Rechtschreibung, aber schreibt man Kollegen nun mit einem oder mit zwei "l"? Nach den Diktaten löst sich bei mir die Anspannung, Mathematik konnte ich schon immer gut, aber während der 15 Minuten ärgere ich mich schon darüber, dass ich mich in den letzten Jahren nur auf den Taschenrechner verlassen habe. Der - ist nämlich nicht erlaubt.
Der Herr mit dem lustigen Haarkranz erklärt uns nach dem Rechnen, dass wir nun eine kurze Pause machen und bittet uns, vor der Tür zu warten. Die ersten Ergebnisse sollen schon auswertet werden. Jetzt schon? Wir sind doch erst eine Stunde hier!
Nach ein paar Minuten geht die Tür auf und einer der beiden Prüfer kommt mit einer Liste heraus. Plötzlich ist Totenstille auf dem Flur, keiner wagt es zu Atmen. Er sagt uns, dass bereits jetzt einige durchgefallen wären, nennt die Namen und bittet einen der nicht bestanden hat, sofort in den Raum. Nachdem die Tür wieder zu ist hört man alle laut ausatmen. Habe ich richtig gehört, frage ich den der neben mir steht. Wie viele hat er vorgelesen? Hat er Deinen Namen auch vorgelesen? Nein, sagt er, aber ich habe das Gefühl, dass wir hier gleich alleine stehen. Die Tür geht wieder auf, einer kommt raus, ein anderer Bewerber muss rein. Es herrscht etwas gedrückte Stimmung und ich mag mich nicht so richtig freuen. Jetzt stehen wir noch zu fünft hier, die Tür geht wieder auf und der Prüfer sieht uns verständnisvoll an. Gratuliere, sagt er, es soll weiter gehen. Mir rutscht fast das Herz in die Hose, wir dürfen weitermachen.
Warum nehmen sie nicht einfach alle? - denke ich noch, aber da geht es schon weiter. Wir werden aufgefordert, uns jetzt gleichmäßig im Raum verteilen. Platz haben wir ja nun genug. Neue Zettel werden verteilt und wir sollen ein technisches Gerät beschreiben. Das soll ein Gerät sein? Ich glaube, ich erkenne nichts. Hab ich noch nie gesehen!
Dann erklärt einer der Prüfer die Aufgabe und langsam erkenne ich, was das sein soll. Ach so geht das. Alles klar! Ich habe lange nicht mehr geschrieben, aber der Prüfer hat gut erklärt und so schreibe ich eine ganze DIN A4 Seite voll.
Die Zeit vergeht wie im Fluge, nach dem Aufsatz kommen noch Logiktests und danach noch unendlich viele Fragen zur Physik. Dann sollen wir wieder vor die Tür gehen, man will wieder auswerten. Beim Warten vor der Tür geht es dieses mal etwas lockerer zu, einer sagt, die können doch nicht alle nach Hause schicken, die brauchen doch neue Leute. Da geht die Tür wieder auf und der Prüfer sagt, dass leider noch einer durchgefallen sei. Wir halten die Luft an, er nennt einen Namen - was hat er gesagt, ich habe ihn nicht verstanden, nein, er guckt den Mann neben mir an und bittet ihn hinein. Als die Tür wieder zu ist, gucken wir letzten vier uns an und sagen nichts. Ich habe das Gefühl, dass jeder weiß, wie es dem anderen geht, aber keiner wagt etwas zu sagen. Von wegen lustiger Haarkranz……..
Wir letzten vier werden wieder hinein gerufen und man gratuliert uns. Einer erklärt uns, dass wir jetzt zum Höhensicherheitstest gehen werden und wir in diesen Raum nicht mehr zurückkommen werden. Ich freue mich auf die frische Luft draußen!
Vor der Feuerwache angekommen, können wir noch zusehen, wie die Drehleiter aufgebaut wird. Der Prüfer gibt einige Anweisungen, die Feuerwehrleute helfen sich gegenseitig, Seile werden gezogen, Karabinerhaken befestigt, alles läuft geregelt ab. Ich spüre die gute Stimmung unter den Feuerwehrleuten. Es macht Spaß den Feuerwehrleuten zuzusehen und vor meinem geistigen Auge sehe ich mich selbst schon in Uniform hier arbeiten.
Der Prüfer ruft uns zusammen und erklärt, dass wir die Drehleiter bis zum Korb steigen sollen. Oben wird ein Feuerwehrmann stehen, der uns gut zureden werde. Er gibt noch einige Hinweise, an die wir uns für unsere Sicherheit dringend halten sollen. Dann werden wir mit einem Gurt gesichert und bekommen noch einen echten Helm aufgesetzt. Ich steige als zweiter die Leiter hoch. Ein tolles Gefühl. 20 Meter, so hoch oben war ich noch nie. Oben am Korb angekommen fragt mich der Feuerwehrmann, ob es mir gut gehen würde. Es ist anstrengender als ich gedacht habe, aber ich fühle mich wunderbar, wie ein echter Feuerwehrmann. Der Ausblick ist atemberaubend.
Die anderen drei sind die Drehleiter auch problemlos gestiegen und wir haben nun eine Stunde Mittagspause. Eine lange Stunde noch warten! Danach sollen wir uns wieder vor dem Büro von heute Morgen einfinden.
Ich werde als erster aufgerufen und frage mich, ob der Prüfer wohl merkt, wie nervös ich bin. Als erstes gratuliert er mir zum bestandenen Theorietest. Er stellt sich selbst noch einmal etwas ausführlicher vor, erzählt mir, wie die nächste halbe Stunde ablaufen wird, dass er mich vieles fragen möchte, dass ich die Möglichkeit habe Fragen zu stellen und ich merke, wie ich langsam ruhiger werde. Hoffentlich merkt der Prüfer das auch.
Warum wollen Sie zur Feuerwehr Hamburg, trauen Sie sich den schweren Dienst überhaupt zu und was wissen Sie von den Aufgaben die Sie erwarten? Ja merkt er denn nicht, dass die Feuerwehr mein sehnlichster Wunsch ist? Ich weiß am Ende nicht mehr, was ich alles gefragt worden bin und erst recht nicht, was ich alles gesagt habe. Ich weiß nur, dass mir der Prüfer am Ende mit einem freundlichen Lächeln gesagt hat, dass er sich gut vorstellen könne, mit mir zusammen zu arbeiten. Ich bekomme eine Einladung zum Sporttest und dann erklärt er mir noch, wie ich mich gut vorbereiten kann. Hurra, der erste Teil wäre geschafft!
Der zweite Tag - Sporttest
Sechs Wochen später, sitze ich wieder auf dem Flur des Personalauswahlzentrums. Der Prüfer mit dem lustigen Haarkranz kommt auf den Flur, hakt seine Namensliste ab und dann gehen wir gemeinsam zur Sporthalle.
Nachdem wir uns kurz warm machen konnten, werden wir gefragt, ob wir uns alle wohl fühlen, bekommen Leibchen mit Nummern und werden kurz mit den Regeln vertraut gemacht. Dann geht’s auch schon los.
4000 m Ausdauerlauf. Einer der Prüfer läuft vorweg, wir sollen immer dran bleiben. Ich habe mich gut vorbereitet und kann gut mithalten. Nach einigen Runden fallen einige Mitstreiter ab. Mensch, können die nicht mal so’n bisschen laufen? Nach zehn Minuten haben drei mit dem Laufen aufgehört, Schade, die sahen alle so nett aus. Von der Seite kommen immer Zeitansagen, einige Mitläufer stöhnen und ächzen ganz schon. Einer hat wohl Seitenstiche, jedenfalls fasst er sich immer mit der Hand an den Bauch. 38igste,39igste und die letzte Runde. Geschafft! Weitergehen heißt die Ansage, nicht stehen bleiben. Von den dreien die mit dem Laufen aufgehört haben, ist keiner mehr zu sehen.
Dann folgen ein paar Dehnübungen und mir läuft der Schweiß in Strömen herunter. Ich werde ruhiger als ich sehe, dass auch der Prüfer ein paar Schweißtropfen verliert.
Im Anschluss folgt das Ziehen einer 40 Kg schweren Hantel. Danach der Fünfersprung - Springen konnte ich eigentlich schon immer gut. Verdammt, das hätte besser sein können. Aber ein Nicken der Prüfer beruhigt mich. So gehe ich positiv an den Hindernisparcours heran. Hier ist Geschick und Schnelligkeit gefragt, ich gehe bis an meine Grenzen, mehr geht nicht! Wenn das nicht reicht, dann weiß ich auch nicht, wer das schaffen soll? Dann ist der Test zu Ende, ab unter die Dusche. In der Umkleide ist die Stimmung wieder etwas gedrückt. Alle wissen, dass gleich die Info kommt, wer den Test bestanden hat, oder auch nicht.
Wieder in der Halle wird uns mitgeteilt, dass neben den dreien die mit dem Laufen aufgehört haben, vier weitere den Test nicht bestanden hätten. Vier Namen werden aufgerufen. Ich kann es fast nicht glauben. Meiner war nicht dabei!
Herzlichen Glückwunsch, die andern haben den Sporttest bestanden und nach einer positiven personalärztlichen Untersuchung können Sie bei der Feuerwehr Hamburg anfangen.
Ein paar Monate später, inzwischen haben wir den 1. April, stehe ich wieder im Flur des Personalauswahlzentrums. Von denen, die mit mir getestet wurden, kann ich keinen wieder entdecken. Eine Tür geht auf und wieder erscheint – nun ratet einmal? - genau, der Beamte mit dem lustigen………….
Ich hoffe, dass meine Schilderungen Euch ein wenig helfen konnten und Euch vielleicht auch ein bisschen von Eurer Unsicherheit nehmen konnten. Mir bleibt jetzt nur noch, Euch für Euren Einstellungstest viel Glück zu wünschen. Vielleicht sehen wir uns einmal an einer unserer Feuerwachen oder bei einem Einsatz.














