
Einstellungstest für die Laufbahngruppe 1.2 (ehemals Mittlerer feuewehrtechnische Dienst)
Ein Mitarbeiter des Personalauswahlzentrums berichtet, wie er den Test erlebt hat.
Der erste Tag - Theorie
Nach einer langen Auswahl standen die Kandidaten/-innen für diesen Test fest.
Über das Jahr verteilt, erhalten wir ca. 2.000 Bewerbungen für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst. Die Bewerber, deren Bewerbungsunterlagen komplett sind und bei denen wir nach den vorgelegten Zeugnissen davon ausgehen, dass sie den Test bestehen könnten, terminieren wir Teilnahme am Test üblicherweise sechs bis acht Wochen nach Eingang der Bewerbung. Wir laden immer 17 Bewerber für einen Theorietest ein.
So war es auch bei dem nachfolgend beschriebenen Eignungstest. Zwei haben allerdings vorher telefonisch abgesagt und drei sind am heutigen Morgen nicht erschienen.
Ich glaube, dass die, die nicht erschienen sind, nicht wissen, welche Chance sie sich entgehen lassen. Eine Einladung zum Eignungstest ist nicht selbstverständlich. Von den 2.000 Bewerbern können wir nur ungefähr 500 testen.
Na gut, dann beginnen wir den Test eben mit zwölf Bewerbern. Die, die heute erschienen sind, waren alle pünktlich und machen einen ordentlichen und gepflegten Eindruck. Wir nehmen sie mit in einen unserer Sitzungsräume, der groß genug ist, um den Test durchführen zu können.
Ich beginne immer mit ein wenig Smalltalk, da die Bewerber häufig sehr aufgeregt sind. Ein guter Ansatz um ins Gespräch zu kommen, ist die Anfahrt der Bewerber, die eine weite Anreise hatten. Meine Empfehlung, am Vortag anreisen, damit man am Morgen des Tests ausgeschlafen ist. Hamburg ist, nebenbei gesagt, eine sehenswürdige Stadt, die mit und auch ohne Eignungstest eine Reise wert ist.
Nach ein paar erklärenden Worten zum Ablauf, und einiger notwendiger Formalitäten, starten wir mit dem ersten Deutschdiktat. Schon nach den ersten Wörtern höre ich einige Stöhnlaute. Damit die Bewerber erst einmal ein wenig Sicherheit gewinnen, beginnen wir eigentlich mit den etwas leichteren Wörtern. Sind sie vielleicht doch nicht so einfach?
Nach zwei Diktaten wechseln wir zur Mathematik. Eigentlich möchte ich es lieber Rechnen nennen, denn es handelt sich nur um Grundrechenarten, Prozent und Flächeberechnung und ein paar anderen einfachen Aufgaben. Einige schaffen es immer wieder, alle Aufgaben im Kopf zu rechnen. Die obligatorische Frage zum Taschenrechner wird gestellt und wird auch heute wieder mit einem nein beantwortet. Nach 15 Minuten ist Schluss und wir bitten die zwölf auf dem Flur zu warten und beginnen mit der ersten Auswertung. Drei sind in Deutsch und vier in Mathe unter den Anforderungen geblieben. Einer hat das Ziel knapp verfehlt. Ihm werden wir eine zweite Chance einräumen. Ein Kollege sortiert die Bewerbungen, ich gehe vor die Tür und informiere die Prüflinge.
Nacheinander gebe ich ihnen einzeln die Bewerbungsunterlagen zurück. Erkläre ihnen, warum sie durchgefallen sind, ob es sich lohnt, sich noch einmal zu bewerben oder was man bei einer Bewerbung in einem anderen Unternehmen besser machen könnte.
Dann geht es mit fünf Prüflingen weiter. Aufsatz. Logik- und Physiktests. Die Aufgaben sollten zu lösen sein. Aber wieder scheiterte ein Kandidat, trotz einiger Tipps und Erklärungen. Die Physik, oder das technische Verständnis, ist für einen Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau elementar. Wer hier nicht ausreichende Leistungen zeigt, der würde auch in der Ausbildung Schwierigkeiten haben. Na ja, also noch einen nach Hause schicken. Aber immerhin, mit vieren gehen wir zum Höhensicherheitstest.
Angemeldet hatten wir an der Feuerwache Berliner Tor den Einstellungstest schon lange vorher. Trotzdem, immer wieder sind die Kollegen überrascht darüber, dass wir donnerstags mit einigen Bewerbern zum Drehleitersteigen kommen. Ich habe das Gefühl, dass die Kollegen immer sehr neugierig auf die potentiellen Neuen sind. Einige Kollegen sprechen Mut zu, andere erzählen Geschichten von ihrem Einstellungstest. Damals hätte man noch einen Handstand oben auf der Drehleiter machen müssen, bei anderen musste man auf der Rückseite wieder runterklettern. Heute wäre das doch alles so leicht geworden. Die meisten können darüber Lachen und die Stimmung lockert sich auch dieses Mal zunehmend.
In all den Jahren, in denen ich den Test durchführe, ist bisher jeder die Drehleiter gestiegen. Wir gehen davon aus, dass sich auch nur die bei uns bewerben, die keine Höhenangst haben. Trotzdem werden wir diesen Test immer im Programm behalten.
Ich erkläre den Bewerbern die Aufgabe und mache sie mit dem Sicherheitssystem vertraut. Einige gucken etwas skeptisch, andere kennen das offensichtlich schon. Einer fragt, warum wir denn keine 30 Meter steigen würden, so wie in anderen Städten. Meine Antwort: Wer Höhenangst hat, der wird keine 20 Meter steigen und wer 20 Meter schafft, dem bringen wir den Rest schon bei.
Auch heute sind alle problemlos gestiegen. Einige haben oben sogar noch ein Foto gemacht. Meinen Respekt, diese Ruhe hätte ich bei meinem Einstellungstest auch gerne gehabt.
Mittagspause, sowohl für die Bewerber, als auch für uns. Meine Kollegen und ich unterhalten uns während der Pause über die Bewerber, sprechen ab, wer sich mit wem unterhält. Dann geht es weiter. Wir bitten den ersten zum Vorstellungsgespräch, ich erkläre ihm, was er in den nächsten 30 bis 45 Minuten zu erwarten hat. Nach anfänglicher Nervosität kommt er langsam zur Ruhe und erzählt uns ausführlich aus seinem Leben, wie er sich den Beruf des Feuerwehrbeamten in Hamburg vorstellt und das es schon sein Kindheitstraum war, Feuerwehrmann zur werden. Er hat sich gut über die Feuerwehr informiert, weiß was auf ihn zukommt und überzeugt uns, dass er sein Leben fest im Griff hat. Unsere Fragen pariert er gut, reagiert schnell und wirkt ehrlich. Er überzeugt uns vielleicht mehr, als sich selbst, denn sein Gesicht ist sehr überrascht, als wir ihm mitteilen, dass wir ihn uns gut als Feuerwehrbeamten vorstellen können.
Jetzt gibt’s noch ein paar Worte zum Sporttest und einige Empfehlungen, wie man sich gut vorbereiten kann. Es freut mich jedes Mal wieder, lächelnde Bewerber zu verabschieden.
Ein Bewerber konnte uns leider nicht überzeugen. Er hatte ein völlig falsches Bild eines Feuerwehrbeamten in Hamburg. So haben wir ihn über den Beruf informiert, den er sich nun nicht mehr vorstellen konnte. Er bedankte sich für die erklärenden Worte. Passiert uns auch nicht jeden Tag. Normalerweise sind Bewerber tief enttäuscht, wenn sie eine Absage erhalten. Auch nach all den Jahren, erlebt man immer wieder neue Dinge.
Heute haben wir drei Einladungen zum Sport aussprechen können. Wir hätten uns gewünscht, dass es ein paar mehr wären, da wir den Nachwuchs dringend benötigen.
Der zweite Tag - Sporttest
Sechs Wochen später der Sporttest. 21 Bewerber/-innen aus mehreren Theorietests haben wir für heute eingeladen und alle sind erschienen. Zu Beginn gebe ich einige einleitende Worte, stelle die Sportübungsleiter der Landesfeuerwehrschule und die Gleichstellungsbeauftragte (heute nehmen auch Frauen am Sporttest teil) vor, erkläre den Ablauf und um alle sicher zuordnen zu können, verteilen wir Leibchen mit Nummern. Jeder hat nun fünf Minuten Zeit, sich warm zu machen. Der Test beginnt.
Ausdauerlauf: Schon nach acht Runden langsamen Joggens, steigt der erste aus. Kurze Zeit später hören noch zwei auf zu laufen.
Obwohl wir im persönlichen Gespräch genau informieren, was auf die Bewerber zukommt, können wir nicht verstehen, wie man nach acht Minuten mit dem Laufen aufhören kann. Verständnislos sehen wir uns an.
Beim Hantelziehen sieht es dann etwas besser aus, allerdings hat auch hier ein Bewerber nicht ausreichend Kraft und wird ausscheiden.
Der Beruf des Feuerwehrbeamten oder der Feuerwehrbeamtin ist körperlich sehr fordernd. Ausreichende Kraft und Kraftreserven sind daher für den Einsatzdienst enorm wichtig.
Danach geht es zum Fünfersprung und anschließend zum Hindernisparcours. Er wird zeigen, ob die Bewerber/-innen genug Schnelligkeit und Ausdauer haben. Wir geben noch einmal den Tipp, hier alles zu geben!
Sieben von einundzwanzig Bewerben/-innen haben den Sporttest nicht bestanden.
Von den drei Bewerbern des beschriebenen Theorietestes, sind noch zwei dabei. Uns bleibt zu hoffen, dass beide ein positives ärztliches Gutachten erhalten.
Acht Wochen später erhalten wir die Nachricht, dass leider nur einer von beiden tauglich ist. Von den 17 zum 1. Testteil (Theorietest) eingeladenen Bewerbern kam nur einer ans Ziel. Vor wenigen Tagen sahen wir ihn, bei seiner offiziellen Einstellung wieder und wissen, dass sich die mühsame Arbeit, allein schon für diesen einen Kollegen gelohnt hat.
Ihm und den anderen neuen Kolleginnen und Kollegen, die den Test ebenfalls bestanden haben, wünschen wir, das Team des Personalauswahlzentrums, alles Gute für ihren neuen herausfordernden Beruf.














