Fachaustausch zur Gestaltung des Übergangs Familie – Kita
Sybille Franken, Geschäftsführung Margaretenhort, berichtete aus der Praxis über das „Netzwerk Frühe Hilfen“ in Harburg Phoenixviertel, Wilstorf und Heimfeld.
(BSB)
„Bildungsgemeinschaften von Beginn an stärken! Gestaltung des Übergangs Familie – Kita“, so lautete das Thema der Veranstaltung, an der über 60 Vertreter aus Kindertagesstätten, Bildungseinrichtungen, Beratungsstellen, behördlichen Institutionen und freien Trägern teilnahmen. Neben Fachvorträgen war dieses Treffen ein Forum für den Austausch und zum Kennenlernen, mit dem Ziel durch den fachübergreifenden Dialog eine gute Vernetzung im Bezirk voranzutreiben.
Initiator ist das Projekt „Lernen vor Ort“ der Bildungsbehörde. Es möchte Prozesse anstoßen, mit der Zielrichtung, den Menschen ein „Lebenslanges Lernen“ zu ermöglichen. Es beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit Fragen zur Gestaltung gelungener Übergange im Lebenslauf. Der Bezirk Harburg ist das Pilotprojekt für eine optimale Gestaltung des Übergangs von der Familie in die Kita. Das Projekt befasst sich mit Fragen, wie: Welche Bedingungen und Voraussetzungen sind vorhanden oder müssen geschaffen werden, damit der Übergang möglichst reibungslos und erfolgreich gelingt? Das Ziel ist eine strukturierte, gute Vernetzung und Kooperation verschiedener Einrichtungen.
Die Begrüßungsworte der Fachtagung sprach Holger Stuhlmann, Dezernent für Soziales, Jugend und Gesundheit, vom Bezirksamt Harburg. Er stellte die Frage: „Wie sind die Gelingungsbedingungen für eine gute Versorgung der Kinder? Welche Angebote fehlen in Harburg?“ Die Arbeitsergebnisse des Projektes können für die Gestaltung zukünftiger Prozesse und für die Weiterentwicklung bestehender Strukturen im Bezirk wichtige Impulse geben.
Projektleiterin Eva Pertzborn referierte im Überblick die Zielrichtung des Projektes „Lernen vor Ort“ und dessen grundlegende und thematische Aktionsfelder im Hinblick auf eine „Vernetzung und Verstetigung von Bildungsangeboten“. Das Projekt untersucht zum Thema Bildungsübergänge den Ist-Zustand: welche Vereinbarungen auf Trägerebene für eine ressortübergreifende Zusammenarbeit derzeit existieren, welche Aussagen oder Leitbilder auf Bezirksebene vorliegen und welche Rahmenkonzepte in den Fachbehörden zu finden sind.
Bisher findet die Beratung und Begleitung von Familien, in der Übergangsphase von der Familie in die Kita, oftmals am Rande statt und steht nicht im primären Fokus der betreuenden Einrichtungen. Darauf deutete Britta Walkenhorst mit ihren Ergebnissen einer qualitativen Stichprobe hin. Sie befragte im Herbst 2010 insgesamt 13 Harburger Institutionen aus dem Bereich der Familien- und Gesundheitshilfe.
Birte Engelberts und Astrid Engeln vom Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe e.V. Regionalnetzwerk) hielten einen Vortrag zum Thema „Die Bedeutung des Übergangsmanagements Familie – Kita“. Sie zeigten Aspekte des Wandels auf, die bei Eintritt in die Kita die Kinder und die Eltern betreffen. Im Rahmen eines wachsenden Kooperationsnetzwerkes in Niedersachsen wird dieser Prozess mit einem breit gefächerten Informations- und Beratungsangeboten unterstützt. Die Referentinnen gaben Hinweise auf die Strukturierungen von Netzwerken, deren verschiedene Kooperationsebenen, dem zeitlichen Rahmen und welche Schritte zur Etablierung notwendig sind.
Mit großem Interesse wurden die Ausführungen von Sybille Franken, Geschäftsführung Margaretenhort, verfolgt. Sie berichtete aus der Praxis über das „Netzwerk Frühe Hilfen“, eine Kooperation zwischen dem Margaretenhort, der Evangelischen Familien-Bildungsstätte und der Elternschule Harburg. Dieses gewachsene Netzwerk umfasst heute unter anderem Kitas, kirchliche Einrichtungen, Treffpunkte und Beratungsstellen in Heimfeld und Harburg Phoenixviertel und Wilstorf. Sybille Franken schilderte die Anfänge mit zwei Familienlotsinnen: „Die beiden Mütter waren mit ihren eigenen Kinderwagen auf Spielplätzen unterwegs, sprachen andere Mütter an, luden sie ins Elterncafe oder zu anderen vertrauten Orten ein und machten auf Veranstaltungen und Treffpunkte aufmerksam.“ So entstand ein guter Kontakt, der immer weitere Kreise zog und einen Zugang zu Einrichtungen schaffte, die ihrerseits gute Verbindungen zu Ärzten, Kitas und Beratungsstellen unterhielten. Inzwischen arbeiten die Netzwerkkoordinatoren auch sozialraumübergreifend mit Anbindung an die Regionalen Bildungskonferenzen (RBK).
Am Nachmittag setzten sich die Teilnehmer zu Arbeitsgruppen zusammen, um in der Folge wichtige Handlungsschritte zu benennen. Als Ergebnis wurde verabredet:
Innerhalb des bestehenden Arbeitskreis Früherkennung soll eine Expertengruppe gegründet werden, die sich mit dem Thema befasst: Wie werden Familien erreicht, die in den Kitas nicht ankommen?
Die Kitas entwickeln eine gemeinsame Strategie für die Bildungskonferenzen.
Die Zusammenarbeit am Übergang Familie – Kita stärken. Lernen vor Ort unterstützt, während der Projektlaufzeit bis 8/2012 (bei Projektverlängerung bis 8/2014), diesen Prozess maßgeblich z.B. durch Infoweitergabe, Datenaufbereitung o.ä.
Als erste konkrete Maßnahmen plant die Mütterberatung in Abstimmung mit Beteiligten einen Flyer zum Übergang zu erstellen. Weiterhin will Jürgen Marek (GAL) prüfen, ob die Bezirksversammlung eine mehrsprachige CD auf denen allgemeine Informationen zum Übergang Familie-Kita zu hören sind, fördern würde, denn viele Eltern nicht deutscher Herkunft können deutsche Texte nicht lesen.
Viele Teilnehmer begrüßten die Fachtagung, als erste dieser Art in Harburg. „Man kann hier persönliche Kontakte knüpfen, das ist im Arbeitsalltag sehr hilfreich“, sagte Manfred Scheer vom ASD Süderelbe. „Die Veranstaltung ist ein weiterer Puzzlestein in unserer Bildungslandschaft“, fand eine Teilnehmerin und äußerte den Wunsch dieses fachübergreifende Treffen zu wiederholen. Andere Stimmen äußerten Sorge vor einem „bürokratischen Overhead“ und fragten nach den „Auswirkungen für die Arbeitsebene“. Gerrit Petrich aus dem Kreiselternratsvorsitz begrüßte den Impuls, der von der Fachtagung ausgeht: „Ich finde diese Veranstaltung sehr wichtig, weil sie dabei hilft die verschiedenen Player in diesem Sozialraum zusammenzubringen.“

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