Arbeitsmarkt von Morgen
Hamburger Fachkräftestrategie
Nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes wird in Hamburg der Umfang der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 20 und 65 Jahren von 2020 an zurückgehen. Dem auf lange Sicht schrumpfendem Angebot an Arbeitskräften steht ein steigender Bedarf an Fachkräften bei den Hamburger Unternehmen gegenüber.
Der Senat reagiert auf diese Herausforderung mit einer Fachkräftestrategie, die unter der Federführung der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) mit der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) und allen anderen Fachbehörden im intensiven Dialog mit der Agentur für Arbeit Hamburg, dem Jobcenter team.arbeit.hamburg, der Handelskammer Hamburg, der Handwerkskammer Hamburg, dem Deutschen Gewerkschaftsbund Hamburg sowie dem Unternehmensverband Nord entwickelt wurde.
Ausgangslage
Schon heute stehen Unternehmen und Betriebe in einigen Branchen – insbesondere etwa im Gesundheits-, Pflege- und Erziehungsbereich oder bei den elektrotechnischen und metallverarbeitenden Berufen – vor der Herausforderung, ihre freien Stellen zu besetzen.
Eigentlich sind noch genügend Arbeitskräfte vorhanden – ein Indikator hierfür ist die Rekordzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die dem Hamburger Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und die sich gegebenenfalls auch beruflich verändern und entwickeln wollen.„Die wirklichen Herausforderungen durch den demografischen Wandel liegen noch vor uns, wenn in den 2020er Jahren das Erwerbspersonenpotenzial auch in Hamburg zurückgeht“, sagt Arbeitssenator Detlef Scheele. „Hier setzt die Fachkräftestrategie an. Wir wollen schon heute die Strukturen schaffen, die wir in der Zukunft dringend brauchen, um alle vorhandenen Erwerbspersonenpotenziale zu nutzen."
Handlungsfelder
Die Fachkräftestrategie für Hamburg (PDF, 1,7 MB) legt vier Handlungsfelder fest. In allen wollen die Partner zukünftig gemeinsam auf die demografische Entwicklung reagieren und Lösungen entwickeln:
- Fachkräfte qualifizieren: Der Senat wird seine Anstrengungen in der Ausbildungs-, Weiterbildungs-, Hochschul- sowie der Arbeitsmarkt- und Clusterpolitik weiter optimieren und auf die zukünftigen Bedarfe ausrichten.
- Inländische Erwerbspersonenpotenziale stärker nutzen und die Erwerbsbeteiligung erhöhen: Der Fokus liegt dabei auf fünf Zielgruppen, in denen das Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft worden ist. Dies betrifft Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund, ältere Erwerbspersonen, jüngere Menschen am Übergang von der Schule bzw. vom Studium in den Beruf sowie Menschen mit Behinderung.
- Fachkräfte aus dem In- und Ausland gewinnen und Willkommenskultur verbessern: Die einschlägigen demografischen Projektionen zur Bevölkerungsentwicklung weisen darauf hin, dass auf lange Sicht der Rückgang der Erwerbsbevölkerung nicht allein durch die Einbindung vorhandener Erwerbspotenziale in den Arbeitsmarkt kompensiert werden kann.
- Arbeitsbedingungen attraktiv gestalten: Es sind letztlich gerade attraktive, familienfreundliche Arbeitsbedingungen, über welche die Anreize zur Fachkräftegewinnung gesetzt werden.
Hamburger Fachkräftenetzwerk
Um die enge und gute Zusammenarbeit aller Beteiligten fortzusetzen, wird im Rahmen eines Festaktes am 12. Juni 2013 das bereits seit Jahren erfolgreiche „Aktionsbündnis Bildung und Beschäftigung“ zu einem Hamburger Fachkräftenetzwerk weiterentwickelt, in dem alle Beteiligten Lösungen zur Sicherung der Fachkräftebasis entwickeln und die vorliegende Strategie umsetzen.
In einem Fachkräftemonitoring wird zukünftig zweijährig die Entwicklung und Situation des Fachkräftebedarfes in Hamburg mit unterschiedlichen zeitlichen Perspektiven analysiert: Kurzfristig (1-2 Jahre) in Hinblick auf aktuelle Stellenbesetzungsengpässe in einzelnen Berufsgruppen; mittelfristig (3-10 Jahre) als Analyse von erwartetem Ersatzbedarfen und Beschäftigungstrends in verschiedenen Branchen, Clustern und Berufsgruppen; langfristig (über 10 Jahre) zur demographischen Entwicklung.
Hintergrundinformationen
Die Bundesagentur für Arbeit hatte im letzten Jahr darauf hingewiesen, dass das Arbeitskräftepotenzial sich in Deutschland bis zum Jahr 2025 um rund 6,5 Millionen Personen reduzieren wird. Auch in Hamburg ist mit einem sinkenden Angebot an Erwerbspersonen zu rechnen.
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Entwicklung der erwerbsfähigen Bevölkerung (Bild: FHH)
Nach der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts (Basis 31.12.2008) wird demnach in Hamburg der Umfang der erwerbsfähigen Bevölkerung (20-65 Jahre) zunächst von derzeit 1.146.000 Einwohnern auf 1.178.000 bzw. 1.191.000 Menschen im Jahr 2020 ansteigen – je nachdem, ob die deutschlandweite Nettozuwanderung 100.000 oder 200.000 Menschen pro Jahr umfasst. (Im Durchschnitt lag die Nettozuwanderung in den Jahren 2000-2010 in Deutschland bei jährlich 90.000 Personen.) Von 2020 an nimmt die Zahl in Hamburg aber wieder ab.
Es muss daher langfristig versucht werden, die Erwerbsquote zu steigern. Diese Quote gibt den Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter an, der entweder erwerbstätig ist oder eine Erwerbstätigkeit sucht.
In Hamburg liegt die Erwerbsquote bei 77,1 Prozent und damit leicht über dem Bundesschnitt von 76,6 Prozent (Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2010). Dies zeigt, dass immerhin 22,9 Prozent der Erwerbsfähigen in Hamburg keiner Erwerbstätigkeit nachgehen bzw. eine solche suchen – das entspricht fast 180.000 Personen.
Hamburg verfügt daher über ein erhebliches Potenzial an zusätzlichen Erwerbspersonen.
Kontakt
Haben Sie Fragen oder Hinweise zur Hamburger Fachkräftestrategie? Bitte senden Sie eine E-Mail an fachkraefte@basfi.hamburg.de







