Hier spielt der FC St. Pauli Millerntor-Stadion – Hamburg

Auf dem Heiligengeistfeld steht ein inzwischen schickes Fußballstadion, das in den vergangenen zwei Jahrzehnten zur Legende geworden ist: das Millerntor-Stadion. Bei Führungen können Interessierte auch hinter die Kulissen des über die Stadtgrenzen Hamburgs bekannten Stadions schauen. 

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St. Pauli Millerntor-Stadion Hamburg

Es war über lange Jahre…

…technisch veraltet, dauerhaft renovierungsbedürftig und erfüllte die Ansprüche moderner Fußballarenen bei Weitem nicht. Trotzdem war und ist das Hamburger Millerntor weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt und bei den Hamburgern beliebt.

„Paadie" auf den Rängen

Grund dafür sind die alle zwei Wochen stattfindenden Fußballfeste, die der FC St. Pauli hier mit seinen Fans feiert. Nicht (nur) die sportlichen Leistungen sind es, die hier bis zu 29 063 zahlende Zuschauer zu Spielen der zweiten Liga locken. Die Stimmung auf den zumeist proppevollen Rängen gilt als „legendär“, „einmalig“ oder auch „brasilianisch“. Die Mannschaft läuft zu AC/DC's Hells Bells auf, die Fans, die ihre Spieler immer anfeuern, machen immer wieder durch besondere Choregraphien auf sich aufmerksam. 

Standort mit Tradition

Seit Ende der achtziger Jahre eilt dem Millerntor dieser Ruf voraus und treibt gegnerischen Mannschaften den Angstschweiß auf die Stirn. Das Stadion ist natürlich wesentlich älter. Auf dem Heiligengeist wird schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts Fußball gespielt. Das erste Stadion des Vereins entstand an der Ecke Glacischaussee/Budapester Straße. Durch die Internationale Gartenbauausstellung 1961 war der Klub dann allerdings zum Umziehen gezwungen. Am heutigen Standort entstand das neue Millerntor-Stadion das 1963 eingeweiht wurde.

Namensstreit

Wechselvoll wie die gesamte Stadiongeschichte ist auch der Name. Bis Ende der sechziger Jahre hieß die Vereinsanlage „Millerntor-Stadion“. Dann wurde das Stadion nach dem ehemaligen Vereinspräsidenten Wilhelm Koch benannt, der kurz zuvor verstorben war. Knapp 30 Jahre trug das Stadion nun Kochs Namen. Ende der neunziger Jahre wurde im Verein die NSDAP-Mitgliedschafts Kochs zum heftigen Streitgegenstand. Die Mitglieder entschieden sich schließlich für eine Rückumbenennung. Seit 1999 heißt das Stadion wieder schlicht Millerntor. 

„Bruchbude“ Millerntor

Nur mit Sondergenehmigungen konnte der FC St. Pauli seine letzten Bundesliga-Spielzeiten am Millerntor austragen. Fehlende Vip-Logen, mangelnde technische Infrastruktur und Spielerumkleiden mit dem Charme längst vergangener Tage unterstrichen den grundlegenden Modernisierungsbedarf. Mehr als ein Jahrzehnt lang wurde der Stadionneubau geplant. Über die Jahre fehlte es allerdings stets an einer soliden Finanzierung des Multi-Millionen-Projektes. 

Die Bagger rollen!

Im Sommer 2006 wurden schließlich die endgültigen Pläne für den Stadionneubau veröffentlicht. Schrittweise sollen bis voraussichtlich 2015 die vier Tribünen des Stadions erneuert werden. Zunächst wurde die Südkurve seit Dezember 2006 neu gebaut und am 18. Juli 2008 mit einem Spiel gegen die Kubanische Fußballnationalmannschaft offiziell eröffnet. Hier sind neben den gewünschten Logen (hier: Separeés) nun auch Umkleidekabinen und Geschäftsstelle untergebracht. Außerdem wurde die – bis dahin vollständig aus Stehplätzen bestehende – Nordtribüne Anfang 2008 durch eine provisorische, überdachte Sitzplatztribüne überbaut, die am 7. Februar 2008 im Heimspiel gegen FC Carl Zeiss Jena erstmals genutzt wurde. Im Januar 2010 wurde mit dem Bau der neuen Haupttribüne begonnen. Sie wurde mit Beginn der Saison 2010/2011 am 28. August 2010 eröffnet. Gleichzeitig entstand als Eckbebauung, zwischen Süd- und neuer Haupttribüne, die weltweit erste Kindertagesstätte in einem Fußballstadion für ca. 100 Kinder. Insgesamt 29 063 Fans konnten derzeit die Darbietungen auf dem Rasen verfolgen. Nach dem DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund am 28. Oktober 2014 begann nun mit dem Abriss der Nordtribüne und der Flutlichtmasten der letzte Bauabschnitt. Geplante Bauzeit: acht Monate. Kosten: mehr als 4,5 Millionen Euro. Nach der Fertigstellung aller geplanten Umbauten wird die Stadionkapazität bei knapp 30 000 Zuschauern liegen.


Einzigartig

Es war die erste Spielstätte, in der das Rufen von faschistischen oder rassistischen Parolen verboten wurde. Auch das Tragen der Kleidermarke „Thor Steinar“ ist untersagt. Die Marke wird allgemein als ein Erkennungsmerkmal der rechtsextremen und neonazistischen Szene gesehen. Übrigens: Auch im Bundestag darf die Kleidung nicht getragen werden.

Noch eine Besonderheit: 2010 erhielt das Stadion den PETA Progress Award als „tierfreundlichstes Fußballstadion“, da bei den Heimspielen des FC St. Pauli eine große Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten angeboten wird.


Der Fußball regiert

Neben den Heimspielen des FC St. Pauli finden am Millerntor nur wenige Veranstaltungen statt. Zeitweilig nutzten die Footballer der Blue Devils das Stadion. Der Rockmusiker Prince spielte 1988 am Millerntor, Mitte der neunziger Jahre standen sich hier Graciano Rocchigiani (Berlin) und Dariusz Michalczewski (Hamburg) bei der Box-WM im Halbschwergewicht im Boxring gegenüber. Jedes Jahr im Sommer wird das Stadion zum Open-Air-Kino und im Spätsommer zeigen beim „Tag der Legenden“ Fußball-Stars vergangener Tage ihre Künste.


Daten und Fakten

Adresse:
Auf dem Heiligengeistfeld
20359 Hamburg

Baujahr:
1961 (Ausbau Tribüne Gegengerade 1988, Abriss und Neubau 2012/13, Abriss und Neubau Südtribüne 2007, Abriss und Neubau Haupttribüne 2010, Abriss und Neubau Nordtribüne 2014/15)


Derzeitige Zuschauerkapazität:
insgesamt 29 063;
12 323 Sitzplätze inklusive Business-Seats (alle überdacht),
16 740 Stehplätze (teils unüberdacht)
39 Séparées (Logen)

Eintrittskarten
Seit dem Aufstieg in die 1. Liga ist es besonders schwierig, Karten im freien Verkauf für Heimspiele des FC St. Pauli zu bekommen. Informationen dazu im Servicecenter am Millerntor: Tel: 040 / 31 78 74-51 (nicht für Kartenbestellungen)

Führungen
Eine Übersicht aller Führungstermine finden Sie hier: Stadionführung


Öffnungszeiten Servicecenter
Mo./Di./Do./Fr.: 10:00 – 18:00 Uhr
Mi./Sa.: 10:00 – 15:00 Uhr

Telefon-Hotline für Kartenbestellungen: 01806 99 77 19.
Montag bis Freitag 8 bis 20 Uhr, Sonnabend 9 bis 18 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr

Anfahrt
U-Bahn: U3 Haltestellen St. Pauli oder Feldstraße

Mit dem Auto: Auf dem Heiligengeistfeld stehen genügend Parkplätze zur Verfügung. Bei parallel stattfindendem Dom (Jahrmarkt) sollte auf eine Anreise per Auto verzichtet werden!

Fanshop: in der Südtribühne

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