Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration

Standorte und Hintergründe Unbegleitete minderjährige Ausländer

In Hamburg leben viele Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern aus ihrem Heimatland geflohen sind und in anderen Ländern Schutz vor Verfolgung suchen.

Unbegleitete minderjährige Ausländer - Flüchtlinge UMA UMF MuFl Hamburg

Zuständigkeit

Seit März 2014 ist der beim Kinder- und Jugendnotdienst eingerichtete „Fachdienst Flüchtlinge“ des Landesbetriebes Erziehung und Beratung (LEB) für die Inobhutnahme dieser unbegleiteten minderjährigen Ausländer (UMA) sowie für alle jugendamtlichen Aufgaben während der Inobhutnahme einschließlich ihrer Beendigung zuständig.

Voraussetzung für eine Inobhutnahme ist die Minderjährigkeit. Sofern keine Papiere vorliegen, findet eine Alterseinschätzung statt, die in Zweifelsfällen durch ein medizinisches Gutachten unterstützt wird.

Übersicht der Betreuten Einrichtungen für Flüchtlinge

BezirkStandortPlätze
BergedorfBillwerder Billdeich26
EimsbüttelKollaustraße*10
EimsbüttelBötelkamp19
HarburgCuxhavener Straße26
HarburgNöldekestraße37
NordHaldesdorfer Straße12
NordLerchenfeld19
NordJugendparkweg24
NordOehleckerring35
NordTannenweg41
MitteBullerdeich**20
WandsbekAuf dem Königslande22
WandsbekPetunienweg23
WandsbekStapelfelder Straße21
WandsbekStargarder Straße26
WandsbekKielkoppelstraße40
WandsbekHammer Straße 50
GESAMT451

*Clearingstelle für psychisch besonders belastete unbegleitete minderjährige Flüchtlinge 
**Clearingstelle für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge mit deviantem Verhalten
Letzte Aktualisierung: 30.05.2017

Hinweis: Zu den oben genannten Einrichtungen kommen weitere Plätze in Jugendhilfeeinrichtungen wie zum Beispiel Wohngruppen und Jugendwohnungen hinzu.

Inobhutnahme und Alterseinschätzung

In Deutschland können nur junge Menschen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres in Obhut genommen werden. Wenn Ausweispapiere fehlen, muss eine Alterseinschätzung vorgenommen werden. Wie in allen Bundesländern beginnt dieses Verfahren auch in Hamburg mit einem persönlichen Gespräch, das zwei erfahrene Sozialpädagogen durchführen. Ein/e Dolmetscher/in ist anwesend. Alle Jugendlichen, die ohne Zweifel das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, werden in Obhut genommen.

Bestehen Zweifel, darf eine Inobhutnahme nicht vorgenommen werden.

In allen anderen Bundesländern (außer in Hamburg und Berlin) werden die Personen abgelehnt und an die Zentrale Erstaufnahme für erwachsene Flüchtlinge verwiesen. In Hamburg und Berlin haben junge Menschen die Gelegenheit, die Zweifel durch Mitwirkung an einer medizinischen Alterseinschätzung auszuräumen, wobei alle beiden Teile (Inaugenscheinnahme und Röntgen) abgelehnt werden können. Allerdings kann dann keine gutachterliche Aussage getroffen werden.

Die medizinische Alterseinschätzung ist freiwillig. Findet zumindest das Röntgen statt und führt dies zu der Einschätzung, dass der junge Mensch zum Beispiel  zwischen 17 und 19 Jahre alt ist, wird er als 17-Jährige/r in Obhut genommen. In einem anderen Bundesland wäre dieser junge Mensch nicht als Minderjähriger aufgenommen worden, weil das Aufnahmegespräch mit Zweifeln an der Minderjährigkeit endete. Dieses Verfahren wird seit über 15 Jahren in Hamburg angewendet.

Entwicklung

Die Zahl der nach Hamburg reisenden Flüchtlinge war in den vergangenen Jahren starken Schwankungen unterworfen. Dies trifft auch auf die minderjährigen Flüchtlinge zu, die unbegleitet nach Deutschland kamen.

Im Jahr 2016 haben sich 1.813 Personen beim zuständigen Landesbetrieb Erziehung und Beratung gemeldet und angegeben, minderjährig zu sein. Auf 853 (47 Prozent) traf dies nicht zu. Damit wurden in 2016 insgesamt 960 Minderjährige in Obhut genommen. Gegenüber 2015 sank die Zahl um 1.612. 

Infolge des Rückgangs der Inobhutnahmen konnten die bestehenden Platzkapazitäten in den Flüchtlingseinrichtungen des LEB reduziert und qualitativ aufgewertet werden. 

Bundesweite Verteilung

Bis zum 31. Oktober 2015 war diejenige Kommune für die Unterbringung und Versorgung von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge zuständig, in deren Einzugsbereich der junge Mensch aufgegriffen wurde. Hiervon war Hamburg – neben weiteren Städten wie Aachen, Frankfurt / Main, Rosenheim oder Berlin – besonders betroffen. Der Hamburger Senat hat sich erfolgreich für eine Änderung der bis dato geltenden Regelung eingesetzt.

Seit 1. November 2015 findet die bundesweite Verteilung statt. Gemäß dem geltenden Verteilverfahren wurde für Hamburg eine Aufnahmequote von 2,53 Prozent an allen bundesweiten Fällen festgelegt. In die Quote werden die Personen in Hilfen zur Erziehung und in der Inobhutnahme eingerechnet.

Die Quote ist weiterhin übererfüllt. Deshalb wurden im Jahr 2016 583 der angekommenen UMA verteilt.  111 Minderjährige wurden von der Verteilung ausgeschlossen, da nach Einschätzung der Experten in Hamburg besondere Schutzgründe vorliegen, wie zum Beispiel gesundheitliche Gründe. 

Kriminell auffällige Flüchtlinge

Die große Mehrheit der minderjährigen Flüchtlinge zeigt starkes Interesse an einer Schul- und Berufsausbildung und profitiert von den guten Hamburger Unterstützungssystemen wie Jugendhilfe, Schule und Gesundheitshilfe. Gleichwohl verhält sich eine sehr kleine Gruppe von ihnen auffällig und ist bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten. Sie begehen Straftaten, verhalten sich teilweise aggressiv und konsumieren massiv Drogen. 

Für pädagogische Unterstützungsangebote sind diese jungen Flüchtlinge so gut wie nicht erreichbar. Für sie wurde eine Einrichtung in Hammerbrook mit einem speziellen Betreuungskonzept geschaffen, das neben Versorgung und Schutz auch niedrigschwellige Angebote beinhaltet.

Vordringliches Ziel ist eine gute Versorgung und Integration von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Hamburg. Kriminellem und aggressivem Verhalten wird dabei konsequent und umgehend entgegengewirkt. Dies ist mit pädagogischem Handeln allein allerdings nicht zu leisten, sondern erfolgt in gemeinsamer Verantwortung von Jugendhilfe, Polizei, Justiz, Medizin und Schule.

Ehrenamtliche Hilfe für junge Flüchtlinge

Beim Landesbetrieb Erziehung und Beratung leben und lernen Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen Unterstützung benötigen. Für sie schafft der Landesbetrieb Erziehung und Beratung die jeweils notwendige erzieherische Begleitung. 

Als ehrenamtliche Helferin oder Helfer können Sie junge Menschen spüren lassen, dass sie in einem Gemeinwesen leben, in dem sie vielfältige Unterstützung erfahren. Der Landesbetrieb Erziehung und Beratung begrüßt ehrenamtliches Engagement und freut sich über Ihr Interesse. Kontakt: ehrenamt@leb.hamburg.de

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