Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration

Standorte und Hintergründe Unbegleitete minderjährige Ausländer

In Hamburg leben viele Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern aus ihrem Heimatland geflohen sind und in anderen Ländern Schutz vor Verfolgung suchen.

Unbegleitete minderjährige Ausländer - Flüchtlinge UMA UMF MuFl Hamburg

Zuständigkeit

Seit März 2014 ist der beim Kinder- und Jugendnotdienst eingerichtete „Fachdienst Flüchtlinge“ des Landesbetriebes Erziehung und Beratung (LEB) für die Inobhutnahme dieser unbegleiteten minderjährigen Ausländer (UMA) sowie für alle jugendamtlichen Aufgaben während der Inobhutnahme einschließlich ihrer Beendigung zuständig.

Voraussetzung für eine Inobhutnahme ist die Minderjährigkeit. Sofern keine Papiere vorliegen, findet eine Alterseinschätzung statt, die in Zweifelsfällen durch ein medizinisches Gutachten unterstützt wird.

Übersicht der Betreuten Einrichtungen für Flüchtlinge

BezirkStandortPlätze
EimsbüttelKollaustraße*10
EimsbüttelBötelkamp19
HarburgCuxhavener Straße26
NordHaldesdorfer Straße12
NordJugendparkweg24
NordOehleckerring35
NordTannenweg41
WandsbekAuf dem Königslande22
WandsbekPetunienweg23
WandsbekStargarder Straße26
WandsbekHammer Straße 50
GESAMT288

*Clearingstelle für psychisch besonders belastete unbegleitete minderjährige Flüchtlinge 
Letzte Aktualisierung: 15.03.2018

Hinweis: Zu den oben genannten Einrichtungen kommen weitere Plätze in Jugendhilfeeinrichtungen wie zum Beispiel Wohngruppen und Jugendwohnungen hinzu.

Inobhutnahme und Alterseinschätzung

In Deutschland genießen Minderjährige vor Vollendung des 18. Lebensjahres einen besonderen Schutz des Staates. Können die Sorgeberechtigten den Schutz eines Minderjährigen nicht sicherstellen oder befinden sie sich nicht im Inland, muss der Minderjährige vom Jugendamt in Obhut genommen werden.

Wenn Ausweispapiere fehlen, muss eine Alterseinschätzung vorgenommen werden. Wie in allen Bundesländern beginnt dieses Verfahren auch in Hamburg mit einem persönlichen Gespräch, das zwei erfahrene Sozialpädagogen durchführen. Ein/e Dolmetscher/in ist anwesend. Alle Jugendlichen, die ohne Zweifel das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, werden in Obhut genommen. Bestehen Zweifel an der Minderjährigkeit, darf keine Inobhutnahme vorgenommen werden.

Ergibt sich bei der ärztlichen Alterseinschätzung eine Altersspanne, so wird immer das jüngste Alter dieser Spanne zugrunde gelegt. Die Teilnahme an den einzelnen Untersuchungsschritten der medizinischen Alterseinschätzung ist freiwillig. Findet zumindest das Röntgen statt und führt dies zu der Einschätzung, dass der junge Mensch zum Beispiel zwischen 17 und 19 Jahre alt ist, wird er als 17-Jährige/r in Obhut genommen. Dieses Verfahren wird seit über 15 Jahren in Hamburg angewendet. In einem anderen Bundesland wäre dieser junge Mensch nicht als Minderjähriger aufgenommen worden, weil das Aufnahmegespräch mit Zweifeln an der Minderjährigkeit endete. Wirkt der Betroffene nicht hinreichend mit und kann dadurch keine gutachterliche Aussage getroffen werden, kann die Inobhutnahme abgelehnt werden.

Nach aktueller Rechtslage (Paragraf 42 f SGB VIII) können Zweifel auch auf Antrag des Betroffenen durch Mitwirkung an einer medizinischen Alterseinschätzung ausgeräumt werden, wobei alle beiden Teile (Inaugenscheinnahme und Röntgen) abgelehnt werden können. Allerdings kann dann keine gutachterliche Aussage getroffen werden.

Entwicklung

Die Zahl der nach Hamburg reisenden Flüchtlinge war in den vergangenen Jahren starken Schwankungen unterworfen. Dies trifft auch auf die minderjährigen Flüchtlinge zu, die unbegleitet nach Deutschland kamen.

Im Jahr 2017 hat der Landesbetrieb Erziehung und Beratung (LEB) 652 Personen vorläufig in Obhut genommen. Nach der Alterseinschätzung durch den Fachdienst Flüchtlinge verblieben 403 minderjährige unbegleitete Ausländer in Obhut des LEB. In 249 Fällen wurde eine Volljährigkeit eingeschätzt und festgestellt. In 96 Zweifelsfällen wurde hierbei eine ärztliche Untersuchung zur Altersbestimmung beim Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Rechtsmedizin, veranlasst. Dieses hat bei 51 Personen ein Alter von über und bei 45 Personen ein Alter von unter 18 Jahren bestimmt.

In den vergangenen Jahren hat sich die Aufnahme wie folgt entwickelt:


2014201520162017
gesamt1.1983.2401.265652
davon minderjährig8762.572960403

Quelle: LEB-Bericht UMA, Januar 2018, S. 20

Infolge des Rückgangs der Inobhutnahmen konnten die bestehenden Platzkapazitäten in den Einrichtungen des LEB reduziert und qualitativ aufgewertet werden; im Jahr 2017 wurden darüber hinaus Einrichtungen geschlossen.

Bundesweite Verteilung

Hamburg war in besonderem Maße von der Einreise minderjähriger Flüchtlinge betroffen. Daher hatte sich der Hamburger Senat erfolgreich für eine gesetzliche Verteilungsregelung eingesetzt

Seit 1. November 2015 findet die bundesweite Verteilung statt. Für Hamburg gilt aktuell eine Aufnahmequote von 2,53 Prozent an allen bundesweiten neu ankommenden UMA. Im Jahr 2017 wurden 48 UMA in andere Bundesländer verteilt.

Kriminell auffällige Flüchtlinge

Die große Mehrheit der minderjährigen Flüchtlinge zeigt starkes Interesse an einer Schul- und Berufsausbildung und profitiert von den guten Hamburger Unterstützungssystemen wie Jugendhilfe, Schule und Gesundheitshilfe. Vordringliches Ziel ist eine gute Versorgung und Integration von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Hamburg. 

Nur einzelne UMA sind auffällig und treten polizeilich in Erscheinung. Sie begehen Straftaten, verhalten sich aggressiv oder konsumieren massiv Drogen. Diesem kriminellen und aggressiven Verhalten wirken die Jugendhilfe, Polizei, Justiz, Medizin und Schule konsequent und umgehend entgegen.

Durch konsequentes Vorgehen konnte eine eigens für diese Zielgruppe geschaffene Einrichtung in Hammerbrook mit einem speziellen Betreuungskonzept geschlossen werden, weil aktuell kein Bedarf mehr besteht. Die Schließung der speziellen Einrichtung in Hammerbrook ist also ein Erfolg der konsequenten Zusammenarbeit der Hamburger Behörden.

Ehrenamtliche Hilfe für junge Flüchtlinge

Beim Landesbetrieb Erziehung und Beratung leben und lernen Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen Unterstützung benötigen. Für sie schafft der Landesbetrieb Erziehung und Beratung die jeweils notwendige erzieherische Begleitung. 

Als ehrenamtliche Helferin oder Helfer können Sie junge Flüchtlinge, aber auch andere junge Menschen spüren lassen, dass sie in einem Gemeinwesen leben, in dem sie vielfältige Unterstützung erfahren. Der Landesbetrieb Erziehung und Beratung begrüßt ehrenamtliches Engagement und freut sich über Ihr Interesse. Kontakt: ehrenamt@leb.hamburg.de