Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration

Standorte und Hintergründe Unbegleitete minderjährige Ausländer

In Hamburg leben viele Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern aus ihrem Heimatland geflohen sind und in anderen Ländern Schutz vor Verfolgung suchen.

Unbegleitete minderjährige Ausländer - Flüchtlinge UMA UMF MuFl Hamburg

Zuständigkeit

Seit März 2014 ist der beim Kinder- und Jugendnotdienst eingerichtete „Fachdienst Flüchtlinge“ des Landesbetriebes Erziehung und Beratung (LEB) für die Inobhutnahme dieser unbegleiteten minderjährigen Ausländer (UMA) sowie für alle jugendamtlichen Aufgaben während der Inobhutnahme einschließlich ihrer Beendigung zuständig.

Voraussetzung für eine Inobhutnahme ist die Minderjährigkeit. Sofern keine Papiere vorliegen, findet eine Alterseinschätzung statt, die in Zweifelsfällen durch ein medizinisches Gutachten unterstützt wird.

Übersicht der Betreuten Einrichtungen für Flüchtlinge

BezirkStandortPlätze
BergedorfBillwerder Straße60
BergedorfBillwerder Billdeich26
EimsbüttelBötelkamp19
HarburgNöldekestraße37
NordHaldesdorfer Straße12
NordLerchenfeld19
NordJugendparkweg24
NordOehleckerring35
NordTannenweg41
MitteBullerdeich20
WandsbekAuf dem Königslande22
WandsbekPetunienweg24
WandsbekStapelfelder Straße21
WandsbekStargarder Straße26
WandsbekKielkoppelstraße40
WandsbekHammer Straße 50
GESAMT
476

*Letzte Aktualisierung: 19.12.2016

Hinweis: Zu den oben genannten Einrichtungen der Erstversorgung kommen weitere Plätze in Jugendhilfeeinrichtungen wie zum Beispiel Wohngruppen und Jugendwohnungen hinzu.

Inobhutnahme und Alterseinschätzung

In Deutschland können nur junge Menschen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres in Obhut genommen werden. Wenn Ausweispapiere fehlen, muss eine Alterseinschätzung vorgenommen werden. Wie in allen Bundesländern beginnt dieses Verfahren auch in Hamburg mit einem persönlichen Gespräch, das zwei erfahrene Sozialpädagogen durchführen. Ein/e Dolmetscher/in ist anwesend. Alle Jugendlichen, die ohne Zweifel das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, werden in Obhut genommen.

Bestehen Zweifel, darf eine Inobhutnahme nicht vorgenommen werden.

In allen anderen Bundesländern (außer in Hamburg und Berlin) werden die Personen abgelehnt und an die Zentrale Erstaufnahme für erwachsene Flüchtlinge verwiesen. In Hamburg und Berlin haben junge Menschen die Gelegenheit, die Zweifel durch Mitwirkung an einer medizinischen Alterseinschätzung auszuräumen, wobei alle beiden Teile (Inaugenscheinnahme und Röntgen) abgelehnt werden können. Allerdings kann dann keine gutachterliche Aussage getroffen werden.

Die medizinische Alterseinschätzung ist freiwillig. Findet zumindest das Röntgen statt und führt dies zu der Einschätzung, dass der junge Mensch zum Beispiel  zwischen 17 und 19 Jahre alt ist, wird er als 17-Jährige/r in Obhut genommen. In einem anderen Bundesland wäre dieser junge Mensch nicht als Minderjähriger aufgenommen worden, weil das Aufnahmegespräch mit Zweifeln an der Minderjährigkeit endete. Dieses Verfahren wird seit über 15 Jahren in Hamburg angewendet.

Entwicklung

Die Zahl der nach Hamburg reisenden Flüchtlinge hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Dies trifft auch auf die minderjährigen Flüchtlinge zu, die unbegleitet nach Deutschland kommen.

Im Jahr 2015 haben sich 6.805 Personen beim zuständigen Landesbetrieb Erziehung und Beratung gemeldet und angegeben, minderjährig zu sein. Auf 4.233 (62 Prozent) traf dies nicht zu. Insgesamt wurden damit 2015 2.572 Minderjährige in Obhut genommen. Gegenüber 2014 stieg die Zahl um 294 Prozent. Die Zunahme der Inobhutnahmen machte eine Ausweitung der bestehenden Platzkapazitäten in Erstversorgungseinrichtungen des LEB erforderlich. 

Im Laufe des Jahres 2016 gingen die Zugangszahlen um rund zwei Drittel zurück. In der Folge konnte die Belegung an vielen Standorten verringert, mehrere Unterkünfte konnten geschlossen werden.

Bundesweite Verteilung

Bis zum 31. Oktober 2015 war diejenige Kommune für die Unterbringung und Versorgung von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge zuständig, in deren Einzugsbereich der junge Mensch aufgegriffen wurde. Hiervon war Hamburg – neben weiteren Städten wie Aachen, Frankfurt / Main, Rosenheim oder Berlin – besonders betroffen. Der Hamburger Senat hat sich erfolgreich für eine Änderung der bis dato geltenden Regelung eingesetzt.

Seit 1. November 2015 findet die bundesweite Verteilung statt. Gemäß dem geltenden Verteilverfahren wurde für Hamburg eine Aufnahmequote von 2,53 Prozent an allen bundesweiten Fällen festgelegt. In die Quote werden die Personen in Hilfen zur Erziehung und in der Inobhutnahme eingerechnet.

Die Quote ist weiterhin übererfüllt. Deshalb wurden im Jahr 2016 bisher 554 der angekommenen UMA verteilt, weitere sind zur Verteilung angemeldet (Stand: Ende November 2016).  110 Minderjährige wurden von der Verteilung ausgeschlossen, da nach Einschätzung der Experten in Hamburg besondere Schutzgründe vorliegen, wie zum Beispiel gesundheitliche Gründe. 

Kriminell auffällige Flüchtlinge

Die große Mehrheit der minderjährigen Flüchtlinge zeigt starkes Interesse an einer Schul- und Berufsausbildung und profitiert von den guten Hamburger Unterstützungssystemen wie Jugendhilfe, Schule und Gesundheitshilfe. Gleichwohl verhält sich eine sehr kleine Gruppe von ihnen auffällig und ist bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten. Sie begehen Straftaten, verhalten sich teilweise aggressiv und konsumieren massiv Drogen. Für pädagogische Unterstützungsangebote sind diese jungen Flüchtlinge so gut wie nicht erreichbar. 

Vordringliches Ziel ist eine gute Versorgung und Integration von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Hamburg. Kriminellem und aggressivem Verhalten wird dabei konsequent und umgehend entgegengewirkt. Dies ist mit pädagogischem Handeln allein allerdings nicht zu leisten, sondern erfolgt in gemeinsamer Verantwortung von Jugendhilfe, Polizei, Justiz, Medizin und Schule.

Die erheblich delinquenten Flüchtlinge, die wiederholt Straftaten oder schwere Gewaltstraftaten begehen, werden im Rahmen eines Monitoring-Verfahrens („Obacht-Liste“) erfasst. So kann behördenübergreifend rasch reagiert werden und umgehend normenverdeutlichende Maßnahmen erfolgen. Im Februar 2016 befanden sich 26 dieser Jugendlichen auf der „Obacht-Liste“. Sie machen nur einen kleinen Teil der unbegleiteten minderjährigen Ausländer aus, die in Hamburger Jugendhilfeeinrichtungen leben.

Auch wird so die weitere Entwicklung der jungen Flüchtlinge verfolgt. Damit soll vermieden werden, dass sich delinquentes, gewalttätiges Verhalten verfestigt.

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