•  
  •  
  •  
  •  

Millerntor-Stadion – Hamburg

Auf dem Heiligengeistfeld steht ein kleines Fußballstadion, das in den vergangenen zwei Jahrzehnten zur Legende geworden ist: das Millerntor-Stadion.

 

Das Millerntorstadion

(Foto: hamburg.de)

Es war über lange Jahre technisch veraltet, dauerhaft renovierungsbedürftig und erfüllte die Ansprüche moderner Fußballarenen bei Weitem nicht. Trotzdem war und ist das Hamburger Millerntor weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt und bei den Hamburgern beliebt.

"Paadie" auf den Rängen
Grund dafür sind die alle zwei Wochen stattfindenden Fußballfeste, die der FC St. Pauli hier mit seinen Fans feiert. Nicht (nur) die sportlichen Leistungen sind es, die hier bis zu 20.000 zahlende Gäste zu Spielen der zweiten oder dritten Liga locken. Die Stimmung auf den zumeist proppevollen Rängen gilt als "legendär", "einmalig" oder auch "brasilianisch".

 

Göttlicher Beistand

Stadion Millerntor / fcstpauli.com | Foto: Michael Pahl
Im Millerntorstadion gibt es eine spätbarocke Kapelle. »

Standort mit Tradition
Seit Ende der achtziger Jahre eilt dem Millerntor dieser Ruf voraus und treibt gegnerischen Mannschaften den Angstschweiß auf die Stirn. Das Stadion ist natürlich wesentlich älter. Auf dem Heiligengeist wird schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts Fußball gespielt. Das erste Stadion des Vereins entstand an der Ecke Glacischaussee/Budapester Straße. Durch die Internationale Gartenbauausstellung 1961 war der Klub dann allerdings zum Umziehen gezwungen. Am heutigen Standort entstand das neue Millerntor-Stadion, das 1963 eingeweiht wurde.

Namensstreit
Wechselvoll wie die gesamte Stadiongeschichte ist auch der Name. Bis Ende der sechziger Jahre hieß die Vereinsanlage "Millerntor-Stadion". Dann wurde das Stadion nach dem ehemaligen Vereinspräsidenten Wilhelm Koch benannt, der kurz zuvor verstorben war. Knapp dreißig Jahre trug das Stadion nun Kochs Namen. Ende der neunziger Jahre wurde im Verein die NSDAP-Mitgliedschafts Kochs zum heftigen Streitgegenstand. Die Mitglieder entschieden sich schließlich für eine Rückumbenennung. Seit 1999 heißt das Stadion wieder schlicht Millerntor. 

"Bruchbude" Millerntor
Nur mit Sondergenehmigungen konnte der FC St. Pauli seine letzten Bundesliga-Spielzeiten am Millerntor austragen. Fehlende Vip-Logen, mangelnde technische Infrastruktur und Spielerumkleiden mit dem Charme längst vergangener Tage unterstreichen den grundlegenden Modernisierungsbedarf. Mehr als ein Jahrzehnt lang wurde der Stadionneubau geplant. Über die Jahre fehlte es allerdings stets an einer soliden Finanzierung des Multi-Millionen-Projektes. 

Die Bagger rollen!
Im Sommer 2006 wurden schließlich die endgültigen Pläne für den Stadionneubau veröffentlicht. Schrittweise sollen bis 2013 die vier Tribünen des Stadions erneuert werden. Zunächst wurde die Südkurve seit Dezember 2006 neu gebaut und am 18. Juli 2008 mit einem Spiel gegen die Kubanische Fußballnationalmannschaft offiziell eröffnet. Hier sind neben den gewünschten Logen nun auch Umkleidekabinen und Geschäftsstelle untergebracht. Außerdem wurde die - bis dahin vollständig aus Stehplätzen bestehende - Nordtribüne Anfang 2008 durch eine provisorische, überdachte Sitzplatztribüne überbaut, die am 7. Februar 2008 im Heimspiel gegen FC Carl Zeiss Jena erstmals genutzt wurde. Im Januar 2010 wurde mit dem Bau der neuen Haupttribüne begonnen. Sie wurde mit Beginn der Saison 2010/2011 am 28. August 2010 eröffnet. Gleichzeitig entstand als Eckbebauung, zwischen Süd- und neuer Haupttribüne, die weltweit erste Kindertagesstätte in einem Fußballstadion für ca. 100 Kinder. Insgesamt 24.800 Fans können derzeit die Darbietungen auf dem Rasen verfolgen. Nach der Fertigstellung aller geplanten Umbauten wird die Stadionkapazität bei knapp 30.000 Zuschauern liegen.

Der Fußball regiert
Neben den Heimspielen des FC St. Pauli finden am Millerntor nur wenige Veranstaltungen statt. Zeitweilig nutzten die Footballer der Blue Devils das Stadion. Mitte der neunziger Jahre standen sich hier Graciano Rocchigiani und Dariusz Michalczewski bei der Box-WM im Halbschwergewicht im Boxring gegenüber. Jedes Jahr im Sommer wird das Stadion zum Open-Air-Kino und im Spätsommer zeigen beim "Tag der Legenden" Fußball-Stars vergangener Tage ihre Künste.

  St.Pauli Fankultur am Millerntor St.Pauli Fankultur am Millerntor

(hamburg.de)

Daten und Fakten
Adresse:
Auf dem Heiligengeistfeld
20359 Hamburg

Baujahr:
1961 (Ausbau Tribüne Gegengerade 1988, Ausbau Südtribüne 2007, Ausbau Haupttribüne 2010)

Derzeitige Zuschauerkapazität:
insgesamt 24.850;
11.792 Sitzplätze (überdacht),
12.695 Stehplätze (unüberdacht)

Eintrittskarten
Seit dem Aufstieg in die 1. Liga ist es besonders schwierig, Karten im freien Verkauf für Heimspiele des FC St. Pauli zu bekommen. Informationen dazu im Kartencenter am Millerntor: Tel: 040 / 31 78 74-51 (nicht für Kartenbestellungen)

Öffnungszeiten
Mo./Di./Fr.: 10:00 – 18:00 Uhr
Mi./Sa.: 10:00 – 15:00 Uhr
Do.: 10:00 – 19:00 Uhr
und bei Heimspielen drei Stunden vor Anpfiff

Anfahrt
U-Bahn: U3 Haltestellen St. Pauli oder Feldstraße
Mit dem Auto: Auf dem Heiligengeistfeld stehen genügend Parkplätze zur Verfügung. Bei parallel stattfindendem Dom (Jahrmarkt) sollte auf eine Anreise per Auto verzichtet werden!