Die Museumswohnung in Hamburg

Wer seine Wohnung betritt, fühlt sich im ersten Moment wie unterm Sofa der sprichwörtlichen Familie Hempel. Doch bei genauerem Hinsehen stellt man fest: Hier steckt mehr dahinter! Stephan Watrin sammelt seit 30 Jahren alles, was ihn gerade begeistert. 

Vor 30 Jahren zog Paul Stephan Watrin in seine Wohnung am Schulterblatt in der Sternschanze. Seitdem beschäftigt er sich tagtäglich mit dem Sammeln von Gegenständen, die ihm interessant erscheinen: Werbeartikel, Kinderspielzeug, Knochen. In Watrins Museumswohnung gibt es so ziemlich nichts, das es nicht gibt. Aber ein Messie, so sagt Watrin, sei er nicht. "Messies sammeln jeden Müll - das ist krankhaft! Okay, meins ist auch ein bisschen bekloppt, aber ich kann damit Geld verdienen." So habe er zur besten Zeit etwa 3000 bis 5000 Mark pro Monat für "Sammelsachen" ausgegeben - und mindestens ebensoviel verdient. Heute ist Sammeln etwas weniger für ihn von Interesse, im Vordergrund steht die Kunst. Aus seiner Sammlung kreiert Stefan Watrin Kunstobjekte, die auch zum Verkauf stehen.

Genussvoll arbeitslos
Nachdem Watrin nach Hamburg gezogen war, hatte er zunächst für eine Supermarktkette gearbeitet. Dann wurde er Erzieher. Als er sich mit seinen Kollegen verkrachte, war er ein paar Jahre "genussvoll arbeitslos". "Ich hatte eine vernünftige Sachbearbeiterin beim Arbeitsamt. Die hat gesagt: ‚Herr Watrin, ich könnte Ihnen sofort einen Job geben, aber es gibt viele, die es nötiger haben." Also nutzte er diese Zeit und konzentrierte sich aufs Sammeln. Zunächst für seine Museumswohnung, später für eine Galerie in einem Hinterhof am Schulterblatt.

Mehr Karolinenviertel, weniger Sternschanze
Im November 2003 eröffnete Stephan Watrin sein Galerielokal in der Marktstraße. "Mir ist das Lokal noch wichtiger als die Wohnung, weil ich möchte, dass die Leute aufmerksamer auf das Karolinenviertel werden", sagt Watrin. Im Gegensatz zur Schanze sei dieses Viertel noch alternativ. In seinem Café sieht es kaum anders aus als in der Wohnung. Auch hier liegt sein Hauptaugenmerk auf dem Verkauf von Krimskrams. "Ich bin kein Gastronom - dafür suche ich noch jemanden." Aber wenn jemand bei ihm einen Kaffee trinken und sich ein bisschen umschauen möchte, sei er immer willkommen. Auch vermiete er gern für private Veranstaltungen.

Als Kultursenator beworben
Politisch aktiv ist der selbst ernannte "Senator" Watrin immer dann, wenn er wirklich etwas erreichen kann. Bei der letzten Bürgerschaftswahl hat er sich für den Posten des Kultursenators beworben. Doch Thomas Mirow, der damalige Bürgermeisterkandidat der SPD, entschied sich gegen ihn. "Die Wahl hat er dann ja auch verloren", sagt Watrin. "Aber besser als die Horakóva wär' ich allemal gewesen." Heute schreibt er oft Leserbriefe an Zeitungen und nimmt an Protestaktionen, wie der gegen den Umbau des Wasserturms im Schanzenpark, teil.

Nach Absprache eines Termins via Mail oder Telefon kann man Stephan Watrins Museumswohnung besichtigen. Eintritt: 3 Euro - oder ein Stück Draht. Oder schauen Sie doch mal bei einem gemütlichen Samstagnachmittag-Spaziergang in seinem Galerielokal vorbei!

Adressen:
Museumswohnung
Schulterblatt 84
(U/S Sternschanze)

Galerielokal Senator Watrin
Marktstraße 29
(U Feldstraße)

Autor: