•  
  •  
  •  
  •  
  • 2 Kommentare

Wasserkunstinsel Kaltehofe in Hamburg

von Oliver Wasse

Es ist nicht gerade warm. Bewölkt, dann wieder klar. Mal windig kühl, mal sonnig warm. Trotzdem - irgendetwas erscheint ungewöhnlich auf dieser Insel mitten auf der Elbe.

 

Wasserkunstinsel Kaltehofe 05
(Bild: NKL/hamburg.de)

Ja, man fragt sich doch, wo die ganzen Menschen sind! Wo sind die Touristen, wo sind die Hamburger, die hier ihren Nachmittagsspaziergang machen?

Die Antwort erfahre ich im Gespräch mit Hanne Hollstegge: "Die Leute..." sagt sie "...kennen diesen Ort gar nicht!" - Wie bitte?

Kein Ort ist ruhiger
Hanne Hollstegge ist eigentlich arbeitssuchende Stadtplanerin und engagiert sich bei "Rothenburgsort Tours", einem Verein, der unter anderem von der EU und von der Bundesrepublik Deutschland unterstützt wird. Hollstegge leitet Führungen und Rundgänge durch Rothenburgsort - unter anderem hier, auf der Wasserkunstinsel Kaltehofe. Sie bemüht sich darum, dass dieses Stückchen Natur inmitten der Großstadt behutsam behandelt wird. "Sonst zerstört die Behörde mit ihrem ‚Masterplan' hier die ganze Natur", denn: Kein Ort ist so ruhig wie Kaltehofe." Das sei ihr schon von mehreren Seiten bestätigt worden, beteuert Hollstegge.

Kraftfahrzeuge verboten
Autos sind nicht erlaubt auf der Wasserkunstinsel Kaltehofe. Und wenn doch mal eines vorbei fährt, sind es Mitarbeiter des Wasserwerks. An diesem kühlen Frühlingstag fahren sogar eine ganze Reihe Autos vorbei, Rendsburger und Winsener - aus dem ganzen Norden also. "Vielleicht irgendwo ein Treffen", vermutet Hanne Hollstegge. Eigentlich müsse sie die Kennzeichen aufschreiben und der Polizei melden. Denn auf Kaltehofe sei die Natur noch in Schuss und das solle auch so bleiben.

Von 45.000 auf 8.000 Einwohner
"Es ist schon schwer vorstellbar, dass sich hier mal eine riesige Badeanstalt befand." Frau Hollstegge und die Gäste ihrer Führung stehen am betonierten Elbufer der Insel und blicken auf die Elbe. Außer Vogelgezwitscher ist lediglich ein entferntes Rauschen zu hören - das Geräusch, das schnell fahrende Autos im Chor produzieren. Denn die Elbbrücken, die zur A1 führen, sind nicht weit entfernt. Dennoch ist die Idylle kaum beeinträchtigt, hört man das Vogelgezwitscher lauter als die Motorengeräusche. Vor 44 Jahren wurde die Badeanstalt dichtgemacht, damals eine der größten Hamburgs. Rothenburgsort hatte damals rund 45.000 Einwohner. Viele Menschen haben hier damals regelmäßig ihr Sonnen- und Elbbad genommen. Frau Hollstegge belegt ihre Erzählungen mit einem Foto aus der Zeit. Heute leben nur noch 8.000 Bürger in diesem Stadtteil.

 

Die Wasserkunstinsel im Stadtplan

Karte  / google maps
interaktiver Stadtplanservice »
Bis 1964 ein Wasserwerk
Erst seit Anfang der 90er-Jahre lässt sich das Gelände des ehemaligen Freiluftwasserwerks auch wieder von dieser Seite aus erkunden. Zuvor diente der Weg, auf den Hanne Hollstegge ihre Gruppe nun führt, ausschließlich als betriebsinterne Straße. Bis 1964 pumpten die Hamburger Wasserwerkler in Kaltehofe Wasser aus der Elbe, um es dann in den Brunnenhäusern - kleine Gebäude im historistischen Baustil - zu reinigen und Rothenburgsort mit dem wichtigsten aller Güter zu versorgen. Eine Aufgabe, die früher nicht immer ernst genug genommen wurde. In den 1870er Jahren wurde der Reinigungs- und Filterungsbedarf für das Elbwasser als weniger dringend angesehen. In der Folge bevölkerten massenhaft Fische und andere Flussbewohner die Leitungen, bis ein Aal schließlich eine komplette Leitung lahm legte. Im Juli 1890 entschieden sich Senat und Bürgerschaft dann für den Bau des Filterwerks.

Nur noch staunen
Heute wird nicht mehr gepumpt, nur noch gestaunt. "Seit 2005 habe ich bestimmt 700 Leute hier herumgeführt", sagt Hollstegge. Einmal sei ein großer Artikel in der Zeitung erschienen. "Da waren bei der nächsten Führung 140 Leute hier!" Davon, sagt Hanne Hollstegge, sei sie heute noch heiser.

Adresse:
Billhorner Deich
(S Rothenburgsort)

Zurück zur Übersicht Geheimtipps>

 
 
 
Artikel bewerten:
 
 
trackback-icon Trackback URI für diesen Artikel
einblendenausblenden 2 Kommentare
Kommentare werden geladen...